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Krankenhaus 4.0 – sind wir schon bereit?

| Autor / Redakteur: Dr. Armin P. Wurth* / Susanne Ehneß

„High-Class-Medizin trifft auf IT der Regional-Liga“, beschreibt Dr. Armin P. Wurth das Verhältnis zwischen Krankenhäusern und ihren IT-Abteilungen
„High-Class-Medizin trifft auf IT der Regional-Liga“, beschreibt Dr. Armin P. Wurth das Verhältnis zwischen Krankenhäusern und ihren IT-Abteilungen (© upixa - stock.adobe.com)

Digitalisierung, Internet of Things und Big Data sind allgegenwärtig, die digitale Revolution ist längst dabei, unser Leben massiv zu verändern. Langsam erfasst die Welle der digitalen Transformation auch die Krankenhäuser, nicht zuletzt, weil der Druck durch Ärzte und Patienten wächst. Smarte Vernetzungstechnologien eröffnen eine bis dato nie dagewesene Transparenz und Effizienz und helfen dabei, das begrenzte Klinik-Budget optimal zu nutzen. Aber sind wir in Deutschland schon bereit für „Krankenhaus 4.0“?

„Krankenhaus 4.0“ ist ein Kunstbegriff entsprechend dem Begriff „Industrie 4.0“, der eine Zukunftsvision für Produktion und Dienstleistung in Deutschland umschreibt. Dabei wird sich auf die vier industriellen Revolutionen bezogen, welche vereinfacht

  • 1. Maschinenkraft (Dampfmaschine),
  • 2. Automation (Fließband),
  • 3. Digitalisierung (Computer) und
  • 4. Vernetzung sind.

Die 4. industrielle Revolution (Industrie 4.0) wird zum Teil auch als zweite Phase der Digitalisierung bezeichnet. Hier kommt es zu einer Weiterentwicklung der Digitalisierungsphase durch Vernetzung von Systemen und Maschinen.

Dies kann auf die Entwicklungsphasen der Krankenhaus-IT in Deutschland übertragen werden (siehe Abbildung). In einem Krankenhaus 4.0 sollen also die verschiedenen IT-Systeme bestmöglich miteinander vernetzt werden und vor allem auch mit der Medizintechnik und weiteren Hardwaresystemen interagieren.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sagt dazu: „Krankenhaus 4.0 steht für die ­Vision einer modernen, auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmten Gesundheitsversorgung, in der verteilte Krankenhausinformationssysteme, Medizingeräte, Anlagen und Anwendungen durch Vernetzung und strukturierten ­Datenaustausch direkt mit den ­Anwendern wertschöpfend interagieren“ (BMBF, „Krankenhaus 4.0, Ein Innovationsforum Mittelstand“ (PDF), Juli 2017).

Wie sieht die Realität ­heute aus?

High-Class-Medizin trifft auf IT der Regional-Liga. So in etwa könnte man das Verhältnis zwischen Krankenhäusern und ihren IT-Abteilungen beschreiben. Denn aller Kritik zum Trotze genießen deutsche Krankenhäuser einen hervorragenden Ruf, während die Klinik-IT vielerorts noch erhebliches ­Optimierungspotenzial offenbart. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte in den zur Verfügung stehenden Investitionsbudgets liegen und ­weniger an den Fähigkeiten der IT-Verantwortlichen. Krankenhäuser in Deutschland geben für ihre IT weniger als die Hälfte dessen aus, was in anderen Branchen üblich ist. Im Vergleich zu Banken und Unternehmen aus dem Finanz­sektor, die – ebenso wie Krankenhäuser – mit hochsensiblen Daten agieren, geben sie sogar nur rund ein Viertel für IT aus.

Das durchschnittliche IT-Budget eines Krankenhauses beträgt etwa 1,5 Prozent. Das begrenzte Budget spiegelt sich auch in der Personaldecke der IT-Abteilungen wider: So fand eine im Auftrag der PRO-KLINIK Krankenhausberatung, in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund und anderen, erhobene Studie heraus, dass deutsche Krankenhäuser mit 600 sogenannten Endnutzern (das entspricht etwa 750 Mitarbeitern) im Durchschnitt nur 7,5 IT-Mitarbeiter (bei mittlerer IT-Komplexität und mittlerem Organisationsdurchdringungsgrad) beschäftigen. Branchen-übergreifende Vergleichszahlen zeigen, dass dies gerade mal gut ein Drittel an IT-Personal ist, was in anderen Branchen im Durchschnitt eingesetzt wird (vgl. „IT-Performance Management“; Helbig Management Consulting GmbH, Eschborn).

Wer in der IT nur auf Regionalliga-­Niveau investiert, wird nicht in die Königsklasse kommen können. Und das hat Folgen. Krankenhäuser hinken bei der Umsetzung zentraler, zukunftsentscheidender Themen wie der Digitalisierung anderen Branchen rund zehn Jahre hinterher. Gesundheitskarte? Gescheitert. Elektronische Patientenakte? Könnte aus technischer Sicht bereits seit 2010 Teil des ganz normalen Krankenhausalltags sein.

Auch wenn den Entscheidern in den Krankenhäusern bewusst ist, dass die IT ein wichtiger „Enabler“ für viele Klinikprozesse ist, wird sie häufig noch stiefmütterlich behandelt. Das liegt zweifellos an der Finanzierungsstruktur, aber auch an der Mentalität der Beteiligten. Nicht zuletzt halten Berichte über Cyberkriminalität im Krankenhaus viele Entscheider davon ab, das Thema Digitalisierung weiter anzugehen.

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