Breitbandversteigerung

Kosteneffiziente Versorgung

| Redakteur: Manfred Klein

Für Fiete Wulff ist der richtige Technologiemix entscheidend
Für Fiete Wulff ist der richtige Technologiemix entscheidend (Bild: Bundesnetzagentur)

Die Frequenzversteigerung weckt in den Kommunen Hoffnungen auf einen schnelleren Breitbandausbau. eGovernment Computung hat sich bei der Bundesnetzagentur nach den Hintergründen erkundigt. Welche technischen Möglichkeiten bieten die zur Ausschreibung anstehenden Frequenzen für den Breitbandausbau?

eGovernment Computing sprach darüber mit Fiete Wulff, dem Sprecher der Bundesnetzagentur.

Welche technischen Möglichkeiten bieten die jetzt zur Ausschreibung anstehenden Frequenzen für den Breitbandausbau?

Wulff: Die Bundesnetzagentur will alle für Breitband verfügbaren Frequenzen frühzeitig bereitstellen. Insbesondere will die Bundesnetzagentur hierfür als erstes Land in Europa auch die Frequenzen im 700-Megahertz-Bereich vergeben. Diese Frequenzen sollen auch im ländlichen Raum die Breitbandversorgung im Wettbewerb der Anbieter spürbar verbessern. Die 700 MHZ-Frequenzen verfügen über gute Ausbreitungsbedingungen, sind weltweit für mobiles Breitband harmonisiert und werden auch für LTE-Anwendung eingesetzt.

In der Literatur ist davon die Rede, dass zur Versorgung eines bestimmten Gebietes nur relativ wenige Funkstationen benötigt werden. Was heißt das in der Praxis?

Wulff: Das Frequenzspektrum im Bereich 700 MHz verfügt über gute Ausbreitungseigenschaften zur kosteneffizienten Versorgung ländlicher Gebiete. Dieses Spektrum kann daher einen wichtigen Beitrag leisten, die Ziele der Breitbandstrategie der Bundesregierung zu erreichen. Diese sieht vor, den Verbrauchern bis 2018 auch in dünn besiedelten Gebieten Zugang zum schnellen Internet mit 50 Megabit pro Sekunde zu ermöglichen.

Wie wird mit der Frequenzversteigerung sichergestellt, dass sich die Mobilfunkversorgung in Deutschland verbessert?

Wulff: Bestehende Netzbetreiber, die erfolgreich Frequenzen ersteigern, müssen jeweils eine Versorgungsverpflichtung erfüllen. Sie müssen konkret eine Breitbandversorgung von mindestens 97 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland und 98 Prozent der Haushalte bundesweit sicherstellen. Dabei sollen den Haushalten im Wettbewerb der Anbieter in der Regel Übertragungsraten von 10 Megabit pro Sekunde zur Verfügung gestellt werden. Auch ist die Versorgung mit schnellem Internet entlang der Bundesautobahnen und der ICE-Strecken sicherzustellen. Eine etwas andere Regelung gilt für mögliche Neueinsteiger. Sie unterliegen diesen Auflagen nicht.

Wann können nach der Versteigerung die DVBT-Frequenzen für die Breitbandversorgung genutzt werden? Gibt es dabei Übergangsfristen? Wenn ja, wie sehen diese aus?

Wulff: Die Bundesnetzagentur wird die Rundfunkanstalten dabei unterstützen, die Rundfunksender möglichst beginnend ab April 2015 technisch umzustellen. So kann der Betrieb von DVB-T2 ab Frühjahr 2016 aufgenommen werden – schon die Fußball-Europameisterschaft könnte dann im neuen Standard übertragen werden. Sukzessive ab 2017 und nach Möglichkeit bundesweit ab Mitte 2018 sollen die Frequenzen dann für mobiles Breitband genutzt werden können.

Bei der Breitbandversorgung werden die Provider möglicherweise in besonders entlegenen Gebieten damit argumentieren, das notwendige finanzielle Engagement lohne sich für sie nicht. In wie weit werden Bund und Länder hier dann in die Bresche springen?

Wulff: Im Mobilfunkbereich hat die Bundesnetzagentur mit der Versorgungsverpflichtung die Grundlagen für eine fast flächendeckende Versorgung gelegt. Im Festnetz wird es angesichts der unterschiedlichen Ausbaukosten zwischen Stadt und Land keine einheitliche Lösung für den Breitbandausbau geben.

Es wird vielmehr darauf ankommen, dass die Netzbetreiber dezentral den jeweils richtigen Mix an Strategien und Technologien anbieten. Dies wird teilweise zu einem Wettbewerb unterschiedlicher Infrastrukturen führen. Gleichzeitig werden die Bundesregierung und die Länder den Infrastrukturausbau auch mit öffentlichen Mitteln fördern. Nämlich dort, wo er wegen der hohen Ausbaukosten und einer geringen Kundenanzahl nicht wirtschaftlich ist.

Ein Teil der Erlöse des Versteigerungsverfahrens soll auch den Kommunen beim Breitbandausbau zu Gute kommen. Wie sieht der dazugehörige Verteilungsschlüssel aus beziehungsweise was müssen die Kommunen tun, um in den Genuss der Fördermittel zu kommen?

Wulff: Die Bundesnetzagentur führt zwar die Versteigerung durch, ist aber an der Verwendung der Erlöse nicht unmittelbar beteiligt. Hierzu hat die Bundesregierung mit den Ländern vereinbart, mit den Einnahmen aus der Frequenzauktion Programme und Maßnahmen zu fördern, die den Breitbandausbau und die Digitalisierung voranbringen. Kommunen sollten sich über diese Maßnahmen und Programme informieren.

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