eGovernment-Wettbewerb Kooperation treibt eGovernment

Autor / Redakteur: Peter Liebscher / Manfred Klein

In acht Kategorien konnten sich Verwaltungen sowie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen am renommierten eGovernment-Wettbewerb beteiligen. In die 14. Runde des Wettkampfs um die wichtigste eGovernment-Trophäe in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wieder 60 Einreicher ihren Hut oder besser ihre Projekte in den Ring geworfen.

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Es wird spannend! Die diesjährige eGovernment-Olympiade geht in ihre Schlussphase
Es wird spannend! Die diesjährige eGovernment-Olympiade geht in ihre Schlussphase
(Bild: Bearingpoint)

Das breite Themenspektrum der Einreichungen reicht von sehr pragmatischen und bürgernahen Lösungen für spezifische Bedarfsgruppen, dem Einsatz neuer Technologien wie Cloud Computing bis hin zu komplexen länder- und institutionsübergreifenden Digitalisierungsprojekten. Dies zeigt, dass an der Digitalisierungsbaustelle an vielen Stellen gleichzeitig gearbeitet wird. Die hohe Zahl der bereits in Betrieb befindlichen Beiträge macht aber auch deutlich, dass unsere Verwaltung gute Ideen mit hohem Nutzen auf die Straße bringt.

Die 22 besten der durchweg hochwertigen Beiträge bekamen die Chance im Rahmen der Finalistentage am 7. und 8. Mai die international besetzte Jury von der Qualität ihrer Einreichungen persönlich zu überzeugen. Gespannt warten nun alle darauf, wer von der auf dem Zukunftskongress stattfindenden Preisverleihung den eGovernment-Pokal mit nach Hause nehmen kann.

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Zwei Aspekte kennzeichnen das Gros der Einreichungen: Kooperation und Nutzenorientierung. Kaum eines der eingereichten Projekte wird heute noch von einer Behörde alleine durchgeführt, vielmehr verhelfen gewinnbringende Kooperationen den Vorhaben zum Erfolg.

Mit gleich drei DMS-Fachanwendungen (eBundesrat/eMPK/eKIS) verdeutlichen die Staatskanzlei Hessen und ihre Kooperationspartner wie man die länderübergreifende Zusammenarbeit mit moderner IT vereinfacht und beschleunigt.

Die Standortförderung steht im Mittelpunkt des Unternehmensserviceportals Österreich. Hier arbeiten BMF und Sozialversicherungsträger eng zusammen, um den Unternehmen die Erfüllung bürokratischer Pflichten zu erleichtern. Dass Digitalisierung auf kommunaler Ebene deutlich leichter im Verbund geht zeigt der Regionalverband Ruhr mit dem „Geonetzwerk.metropoleRuhr“.

Ein beeindruckendes Beispiel für hohe Nutzerzahlen ist das Geoportal von swisstopo. Hier werden die Angebote an Daten, Informationen und Services konsequent am tatsächlichen Bedarf der Schweizer Unternehmen, Bürger und Behörden ausrichtet.

Dem gegenüber leistet die Datenstelle der Träger der Rentenversicherung – DSRV - mit ihrem Verfahren zur elektronischen Bearbeitung von Übermittlungsersuchen erhebliche zeitliche und monetäre Einsparungen bei den beteiligten Behörden.

Wie moderne Verwaltung geht, zeigt das Regierungspräsidium Gießen. Die bisher auf ständige Kürzungen nur reagierende Behörde wurde unter Einbeziehung der Mitarbeiter in eine agierende und gestaltende Einrichtung transformiert. Mit der „Digitalen Agenda Wien“ geht Österreichs Hauptstadt einen Schritt weiter. Sie erarbeitet die Informations- und Kommunikationstechnologie der Stadt gemeinsam mit Bürgern, Wirtschaft und Mitarbeitern.

Im internationalen Wettbewerb der wissenschaftlichen Einrichtungen wird ein abgestimmtes Serviceangebot für Lehrende und Lernende immer wichtiger. Dies spiegelt sich in den Wettbewerbsbeiträgen der Kategorie „Bestes eProjekt aus Forschung, Wissenschaft und Lehre 2015“ wieder. Das hochschulübergreifende Campus‐Management‐Systems der Universität des Saarlandes oder das Informationssystem Compass der Humboldt Universität zu Berlin zeigen, wie gute Campusangebote heute gestaltet werden.

Mit dem zum zweiten Mal ausgelobten Preis für das beste eHealth-Projekt verfolgen die Ausrichter das Ziel, die Diskussion über eine bessere Versorgungsqualität, die Lösung gesellschaftlicher Problemfelder und die Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen anzuregen.

Die diesjährigen Einreichungen adressierten zum einen die heimatnahe High-end-Versorgung der Patienten bei betreuungsintensiven Erkrankungen wie zum Beispiel die Nachsorge von Patienten mit einem Cochlea‐Implantat.

Zum anderen die sichere elektronische Übermittlung von Daten im Gesundheitswesen, wie zum Beispiel der elektronische Arztbrief der KV Telematik oder die sichere eMail der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig‐Holstein (KVSH).

Die Digitalisierung erfordert aber auch eine flexible und agile IT-Architektur. Mit der Kategorie „Agile IT-Architektur“ sollen agile IT-Architekturmodelle und deren innovativer Einsatz zur Verbesserung und Effizienzsteuerung von eGovernment-Prozessen gefördert werden.

Zu den Finalisten gehören hier neben den Einreichungen des ITDZ Berlin, des Bundesverwaltungsamtes und des ZIVIT die Cloud Rheinland Pfalz – die erste zertifizierte Cloud-Lösung Deutschlands, die nun beispielgebend für einen gemeinsamen europäischen Ansatz werden könnte.

Warum, fragt sich mancher Bürger, muss ich staatliche Leistungen, die mir per Gesetz zustehen, eigentlich extra beantragen? Eine verblüffende Antwort darauf gibt das österreichische Finanzministerium mit dem Projekt „Antraglose Familienbeihilfe“.

Seit Mai 2015 erhalten dort Eltern Familienbeihilfe (Kindergeld) automatisch – ohne Antrag, ohne Formulare, ohne Wartezeit. Mit der Anmeldung des Kindes beim Standesamt wird die Berechtigung auf Familienbeihilfe automatisch geprüft und die Beihilfe auf das bei der Steuerbehörde bereits bekannte Familienkonto überwiesen.

Den glücklichen Eltern bleibt mehr Zeit für ihren Nachwuchs und in der Verwaltung entfallen in erheblichem Umfang Bearbeitungsaufwände.

Auf dem Zukunftskongress Staat & Verwaltung wird am 24. Juni mit der Verleihung der Preise der 14. eGovernment-Wettbewerb seinen Höhepunkt finden. Es ist zu wünschen, dass die Projekte der Gewinner und Finalisten weit darüber hinaus zur Diskussion, Nachahmung und Nutzung von Synergien anregen.

Mit der zweimal jährlich stattfindenden eGovernment-Academy bieten die Ausrichter Cisco und BearingPoint allen Finalisten einen Rahmen, um sich zu ihren ausgezeichneten Ideen und neuen Vorschlägen auszutauschen und diese weiterzuentwickeln.

Zusätzlich zu den von der Jury verliehenen Preisen am 24. Juni, wird noch ein Publikumspreis vergeben. An dem öffentlichen Online-Voting kann noch bis zum 5. August auf der Homepage des eGovernment-Wettbewerbes teilgenommen werden. Der Sieger des Publikumspreises wird auf dem 20. Ministerialkongress am 11. September bekannt gegeben.

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