Kommunaler Gesamtabschluss

„Konzern Kommune“

| Autor / Redakteur: Harald Frühwacht* / Susanne Ehneß

Auf dem Weg zum KGA
Auf dem Weg zum KGA (Bild: TeroVesalainen, Pixabay / CC0)

Harald Frühwacht von IDL erläutert, inwieweit der kommunale Gesamtabschluss ein geeignetes Instrument für die Gesamtsteuerung der kommunalen Einheiten ist.

Die Aufstellung eines kommunalen Gesamtabschlusses (KGA) kann sich je nach Kommune, der Anzahl der einzubeziehenden Betriebe sowie der Komplexität in den Beteiligungsstrukturen als sehr forderndes und aufwändiges Unterfangen gestalten, handelt es sich doch dabei um ein fachlich anspruchsvolles Thema, mit dem sich die Verantwortlichen nicht selten zum allerersten Mal und als „Konzernspitze“ in einer neuen Rolle auseinandersetzen. Wertvoll sind hier eine gute Vorbereitung, probate Softwarewerkzeuge und Erfahrungen Dritter, von denen man profitieren kann.

Entwicklungschancen und Potenziale

In Beiträgen zu den Reformen im neuen kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen wird oftmals der KGA mit dem Aspekt der Gesamtsteuerung im „Konzern Kommune“ in Zusammenhang gebracht. Dabei stellt sich regelmäßig die Frage, inwieweit der KGA ein geeignetes Instrument für die Gesamtsteuerung der kommunalen Einheiten ist.

Hält man sich vor Augen, dass aktuell der KGA nur einmalig je Kalenderjahr auf der Basis von Ist-Zahlen und nach unseren Projekterfahrungen zum Teil nur mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen erstellt wird, so ist dieses konsolidierte Rechenwerk für Steuerungszwecke nur bedingt geeignet. Trotzdem bietet unseres Erachtens das Aufsetzen des KGA-Projektes die Chance, viele Weichen zu stellen und so den Einstieg in die Steuerungsthematik zu bekommen.

Auch wenn wir klassischerweise bei einer Kommune nicht von einem Konzern sprechen können, haben sich durch die Ausgliederung von Aufgabenbereichen und das Eingehen von Beteiligungsverhältnissen konzernähnliche Strukturen ergeben, insbesondere bei größeren Kommunen. Mit dem Übergang von der kameralen Haushaltswirtschaft in Richtung der Doppik, ergibt sich erstmals die Möglichkeit, die Kernverwaltung mit den Beteiligungen zu konsolidieren und so ein Gesamtbild über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu bekommen.

Die Konsolidierung im KGA kann nur dann ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Gesamtbild liefern, wenn die üblicherweise vorherrschende Heterogenität in den örtlichen und inhaltlichen Gegebenheiten durch geeignete Vereinheitlichungsmaßnahmen im Prozess überbrückt wird. Vereinheitlichung und konsistente Konsolidierung erfordern auch immer das Setzen von Standards. Dies gilt beispielsweise in Bezug auf Berichtsinhalte (Vereinheitlichung von Gliederung, Ausweis und Bewertung), Berichtswege und auch der terminlichen Situation (Finanzkalender). Das alles sind Themen, die auch für eine einheitliche Planung und Kontrolle sowie die Ableitung entsprechender Steuerungsgrößen wichtig und förderlich sind.

Insofern kann der KGA auf dem Weg zur Gesamtsteuerung ein wesentlicher Ausgangspunkt und Impulsgeber sein. Wir empfehlen deshalb, den KGA nicht nur als lästige Pflicht und dessen Erstellung rein zur Erfüllung der rechtlichen Anforderungen anzusehen, sondern ihn in diesen Gesamtkontext einzuordnen und so bereits heute die Synergiepotentiale von morgen vorzubereiten.

Die Digitalisierung der Öffentlichen Verwaltung

Die Digitale Transformation macht auch vor der Öffentlichen Verwaltung nicht Halt und ist das erklärte Ziel kommunaler Verantwortungsträger, u.a. auch befördert durch viele Initiativen seitens der Bundesregierung. Dabei geht es nicht nur um die Gestaltung von eGovernment-Angeboten in Richtung der Bürger/innen oder Smart-City-Überlegungen, sondern auch um die Gestaltung effizienter elektronischer Kommunikations- und Transformationsprozesse in der Verwaltung selbst und damit auch im Berichts- und Rechnungswesen.

Deshalb empfiehlt es sich unseres Erachtens auch bei Digitalisierungsüberlegungen im Zusammenhang mit dem KGA nicht nur in Softwarelösungen zur Erstellung eines KGA im engeren Sinne zu denken, sondern auch hier den KGA in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Wichtig ist dabei, neben den inhaltlichen Aspekten den gesamten Prozess und auch „angrenzende“ Themengebiete (z. B. Finanzcontrolling) in die Betrachtung mit einzubeziehen. Insofern spielen generell Datenmanagement, Aufbereitung und Konsolidierung der Daten bis hin zu einer aussagefähigen, transparenten und gut dokumentierten Berichterstattung eine Rolle – unabhängig davon, um welchen Berichtsanlass (rechtlich verpflichtende oder interne Berichterstattung, Ist- oder Planzahlen, einzelne Organisationseinheit oder „konsolidiert“, ...) es sich handelt.

Wichtig erscheint uns, dabei das Potenzial und den Mehrwert einer leistungsfähigen Standardsoftwarelösung in Bezug auf Automatisierung sowie Prozess- und Worklfow-Unterstützung zu erkennen. Hierzu gehören dann auch vorgedachte Wege, um das Berichtswesen auf Basis einer einheitlichen Quelle digital zu den Berichtsadressaten und in die Ratssitzungen zu bringen.

Wir postulieren damit jedoch nicht, sich gleich von Beginn an in ein „digitales Großprojekt“ zu stürzen, sondern im Bewusstsein und aus der Kenntnis der Gesamtzusammenhänge heraus, das Machbare schrittweise auf den Weg zu bringen. Bitte beachten Sie dabei aber auch, dass die reine Einführung einer Softwarelösung für die integrierte Gesamtsteuerung nicht alle Herausforderungen lösen kann, sondern dass es flankierend gilt, die angemessenen organisatorischen, prozessualen und fachlichinhaltlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Weitere Infos

Weitere Informationen, Fachartikel, Studien und Whitepaper rund um die Themen Konsolidierung, Planung, Berichts- und Meldewesen finden Sie im IDL-Blog und auf der entsprechenden IDL-Website.

Eine Checkliste zur Erstellung des Gesamtabschlusses finden Sie hier.

* Der Autor: Harald Frühwacht ist geschäftsführender Gesellschafter der IDL GmbH, verantwortlich für Entwicklung und Product Management sowie für die Corporate Services der Unternehmensgruppe.

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