Unternehmenskonto

Konto wird zum Standortfaktor

| Autor: Manfred Klein

Die AKDB bringt sich für die geplanten Unter­nehmenskonten in Position
Die AKDB bringt sich für die geplanten Unter­nehmenskonten in Position (© kirill_makarov - stock.adobe.com)

Über eine Milliarde Euro könnten Unternehmen in Deutschland jedes Jahr sparen. Dank medienbruchfreier Verwaltungsprozesse. Das stellte ein Gutachten des Nationalen Normenkontrollrats bereits Ende 2017 fest. Kein Wunder, dass bei der jüngsten Sitzung des IT-Planungsrats das Unternehmenskonto im Fokus stand. Wir haben Michael Diepold, Senior Vice President Digital Government bei der AKDB, gefragt, worauf es beim Unternehmens­konto ankommt. Und wie Unternehmen und Behörden konkret profitieren.

Herr Diepold, warum ist die Bereitstellung eines Unternehmenskontos so wichtig für die Öffentliche Verwaltung in Deutschland?

Michael Dipold, Senior Vice President Digital Government bei der AKDB, setzt auf das Unternehmenskonto
Michael Dipold, Senior Vice President Digital Government bei der AKDB, setzt auf das Unternehmenskonto (© Antje Meinen Fotografie)

Diepold: Ich weiß, dass viele den Arbeitstitel „Unternehmenskonto“ benutzen. Aber eigentlich wäre ein anderer Begriff angebrachter. Es handelt sich um ein Organisationskonto. Darunter fällt nicht nur die Aktiengesellschaft oder die GmbH, sondern auch der kleine Handwerksbetrieb. Das Organisationskonto bietet Organisationen einen medienbruchfreien Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen. Der Vorteil: Man erspart sich als Organisation Behördengänge. Und Zeit ist bekanntlich Geld. Unternehmen haben ja viel mehr Kontaktpunkte zur Verwaltung als Privatpersonen: Organisationen beantragen einen Gewerbeschein in Kommunen oder empfangen Grundsteuer- oder Gewerbesteuerbescheide. Sie haben außerdem gewisse Meldepflichten. Wohnbaugesellschaften müssen eine Wohnungsgeberbestätigung für die Meldebehörde erstellen … All diese Verwaltungsleistungen müssen und können in Zukunft schneller und sicher vonstattengehen. Und zwar ganz einfach online.

Und wie identifiziert man sich als Organisation online?

Diepold: Genau hier steckt die Komplexität bei der Online-Bereitstellung von Organisationskonten samt Postfach. Das A und O ist der Authentifizierungsaspekt, wenn Verwaltungsdienste online in Anspruch genommen werden. Das gilt auch und besonders für Unternehmen. Die erste und wichtigste Hürde bei der Installation eines Unternehmenskontos ist also: Wie stelle ich sicher, dass das Unternehmen, das sich anmeldet, auch wirklich existiert? Und wie stelle ich sicher, dass die Person oder die Personen, die im Namen des Unternehmens online handeln, auch dazu bevollmächtigt sind?

Es handelt ja immer ein Mensch im Namen einer Organisation. Um etwa ein Organisationskonto anzulegen, muss dieses automatisch verifiziert werden. Da könnten Unternehmensdaten automatisch mit denen von ELSTER abgeglichen. Oder mit denen, die bei der DIHK hinterlegt sind. Für andere Prozesse muss die Person, die für das Unternehmen handelt, sich identifizieren, also ausweisen. Daraus ergeben sich auch unterschiedliche Vertrauensniveaus – je nachdem, welchen Verwaltungsdienst diese Person in Anspruch nehmen will: niedrig, substanziell und hoch. Für andere Prozesse schließlich braucht die Person eine Vollmacht vom Unternehmen. Das sind drei wesentliche Komponenten – Verifizierung, Vollmacht, Vertrauensniveau –, die beim Betrieb eines Organisationskontos beachtet werden müssen.

Ganz schön komplex …

Diepold: So ist es. Der Nutzer spürt natürlich nichts von den komplexen Vorgängen im Hintergrund. Bei der AKDB haben wir schon vor Jahren eine Matrix erstellt, die all diese Fälle berücksichtigt und die Prozesse abbildet, die bei jeder Kontaktaufnahme zwischen Organisation und Verwaltung angestoßen werden. Nur wenn wir diese Matrix beachten und diese drei Fragen bzw. Komponenten im Blick behalten, können wir in Deutschland eine sichere Kommunikation zwischen Verwaltung und Unternehmen garantieren.

Und wo stehen wir in Deutschland zurzeit?

Diepold: Bayern ist sicher führend, weil wir die Lösung schon vor Jahren erarbeitet haben. Der Stadtstaat Hamburg bietet auch ein Organisationskonto. Die anderen Länder befinden sich aber noch in der Entwicklungsphase. Wenn überhaupt. Dabei sollten wir in Deutschland einen Zahn zulegen. Denn ein Organisationskonto ist ein großer Wettbewerbsvorteil. Kommunen, die ihn anbieten, sind besonders attraktiv.

Denn mittelfristig werden Unternehmen sich dort ansiedeln, wo es diese Online-Dienste gibt. Und das bedeutet für die Kommune bekanntlich mehr Gewerbesteuereinnahmen. Eine Win-win-Situation für Kommunen und Unternehmen. Davon könnten alle Kommunen in Deutschland profitieren!

Wer nutzt in Bayern das Organisationskonto?

Diepold: In Bayern läuft das Organisationskonto der AKDB heute bei 150 Kommunen. Über das Bürgerservice-Portal beziehungsweise das BayernPortal wird es kostenfrei zur Verfügung gestellt. Und zwar nach der oben genannten Matrix. Konkret: Seit Mai 2016 nutzt die AUDI AG die medienbruchfreie Kfz-Außerbetriebssetzung in Verbindung mit dem Organisationskonto.

Das Projekt haben wir gemeinsam mit der Zulassungsbehörde der Stadt Ingolstadt, der Audi AG und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gestartet. Die Zeitersparnis ist riesengroß. Bedenken Sie: Ein Unternehmen wie AUDI meldet täglich 200 Autos ab! In Ingolstadt nutzt außerdem eine große Wohnungsbaugesellschaft mit vielen Mietwohnungen den Online-Dienst „Wohnungsgeberbestätigung“.

Wird das Organisationskonto künftig auch für ausländische Unternehmen nutzbar sein? Im Sinne des europäischen Binnenmarkts?

Diepold: Ja, wir arbeiten gerade mit dem Bund und dem Bundesfinanzministerium und dem Bundeszentralamt für Steuern an dem Projekt „VAT-Refund“. Da werden ausländische Unternehmen, die in Deutschland tätig sind, künftig ihren Umsatzsteuererstattungsbescheid über ihr Organisationskonto einfach ins digitale Postfach gelegt bekommen.

Wie kann man den Prozess der Einführung der Unternehmenskonten in Deutschland Ihrer Meinung nach mehr be­schleunigen?

Diepold: Man müsste auf jeden Fall dafür sorgen, dass die diversen Organisationskonten in allen Ländern der Bundesrepublik inter­operabel sind. Eine weitere denkbare Lösung wäre, bereits vorhandene Lösungen eines Landes auch in anderen Bundesländern einzusetzen. Wünschenswert wäre, dass wir es in Deutschland schaffen, ein einheitliches, interoperables Organisationskonto zur Verfügung zu stellen. Dazu müssen Bund und Länder partnerschaftlich zusammenarbeiten.

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