Anforderungen ausloten und Erfahrungen austauschen Kommunen müssen rechtzeitig für die ISDN-Abschaltung planen

Autor / Redakteur: Rudi Stahl / Susanne Ehneß

Die von der Telekom angekündigte Abschaltung aller analogen und ISDN-Anschlüsse zwingt Endkunden, Unternehmen und öffentliche Träger gleichermaßen dazu, sich Gedanken um Alternativen zu machen. Denn spätestens, wenn die Abschaltung 2018 endgültig erfolgt, muss eine neue TK-Lösung bereitstehen.

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Besser heute schon mit den Vorbereitungen für die Umstellung der TK-Anlage beginnen, damit zum Stichtag eine zukunftssichere und bedarfsgerechte Alternative einsatzbereit ist
Besser heute schon mit den Vorbereitungen für die Umstellung der TK-Anlage beginnen, damit zum Stichtag eine zukunftssichere und bedarfsgerechte Alternative einsatzbereit ist
(© Matthias Buehner - Fotolia.com)

Auch, wenn das noch einige Zeit hin ist: Kommunen sollten mit ihren besonderen Sorgfaltspflichten und Haushaltsvorschriften besser heute schon mit den Vorbereitungen für die Umstellung der TK-Anlage beginnen, damit zum Stichtag eine zukunftssichere und bedarfsgerechte Alternative einsatzbereit ist.

Nun ist die Anschaffung einer neuen TK-Anlage kein Riesenprojekt. Trotzdem ist es sinnvoll, wenn sich Kommunen mit anderen Gemeinden kurzschließen und ihre Erfahrungen und Vorstellungen austauschen. Schließlich soll die neue Anlage nicht nur die aktuellen Bedürfnisse abdecken, sondern für viele Jahre allen Ansprüchen genügen.

Erfahrungen austauschen

Deshalb ist es nur vernünftig, wenn sich Vertreter mehrerer Gemeinden zu Workshops zusammentun, sich austauschen und gemeinsam Anforderungsprofile erarbeiten, die auch zukünftige Entwicklungen wie eine stärkere Vernetzung von Telefon und Computer berücksichtigen. Vielleicht finden sich ja auch Vertreter, die bereits Erfahrungen mit VoIP oder sogar mit Unified-Communication-Lösungen gemacht haben.

Natürlich muss jede Gemeindeverwaltung vorher ihre eigenen Anforderungen definieren. Dabei gilt es, verschiedene Ebenen zu berücksichtigen. Das sind an erster Stelle die funktionellen Anforderungen. Die neue Anlage und die neuen Endgeräte müssen mindestens häufig genutzte Funktionen wie Rufweiterleitung oder Gruppenanrufe unterstützen. Außerdem sollten die Telefone möglichst intuitiv bedienbar sein, damit die Umstellung leichter fällt. Darüber hinaus bieten viele VoIP-Anlagen zahlreiche weitere Komfortfunktionen. Welche sinnvoll sind, hängt natürlich vom jeweiligen Bedarf ab. Aber auch hier gilt: Die tollsten Funktionen werden nicht genutzt, wenn sie am Endgerät nur umständlich aufgerufen werden können.

Was Verantwortliche außerdem im Blick haben sollten, ist die Möglichkeit einer Anbindung der Telefone an die PCs von Mitarbeitern. Dadurch können Telefonanrufe sehr bequem mit einem Mausklick initiiert werden, beispielsweise aus einem Adressbuch einer eMail-Anwendung heraus. Die zweite entscheidende Größe bei der Auswahl einer neuen TK-Anlage ist natürlich die Zahl der angeschlossenen Nutzer. Es gibt in jeder Größenordnung passende Lösungen. Diese variieren teilweise jedoch stark in den Anschaffungs- und Betriebskosten.

Offene Standards

Im Wesentlichen lassen sich zwei Modelle unterscheiden: die fest installierte Anlage vor Ort und die in einem Rechenzentrum eines Dienstleisters gehostete Anlage. Der Vorteil einer fest installierten IP-PBX sind ihre relativ geringen Betriebskosten – wenn sie einmal installiert ist. Zuvor fallen allerdings relativ hohe Anfangsinvestitionen für den Kauf, die Installation und die Einrichtung der Anlage an. Außerdem sollte sie so dimensioniert sein, dass sie auch künftig hinzukommende Anschlüsse für neue Mitarbeiter oder zusätzliche Geräte abdeckt, damit dann keine kostspielige Erweiterung der Anlage nötig wird.

Bei der Auswahl einer lokalen IP-PBX sollten Kommunen darauf achten, ... Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter!

Bei der Auswahl einer lokalen IP-PBX sollten Kommunen darauf achten, dass diese offene Standards nutzt, damit keine Kompatibilitätsprobleme auftreten und Geräte beliebiger Hersteller angeschlossen werden können. Außerdem darf man nicht vergessen, dass auch die Wartung und Pflege in den Händen des jeweiligen Betreibers liegt. Gegebenenfalls muss dafür entsprechendes Know-how aufgebaut oder eingekauft werden.

Bei einer gehosteten IP-PBX übernimmt der Dienstleister die Wartung und den Support der TK-Anlage. Der größte Vorteil dieser Variante ist aber ihre hohe Skalierbarkeit. Die Abrechnung erfolgt bei diesem Modell meist per User, sodass Kommunen nur für die Leistungen zahlen, die sie in Anspruch nehmen. Neue Anschlüsse lassen sich beliebig hinzubuchen, und abgesehen von den Ausgaben für einen neuen Telefonapparat entstehen dabei keine weiteren Hardwarekosten.

Außerdem profitieren Gemeinden von einer höheren Ausfallsicherheit. Hoster garantieren vertraglich eine Verfügbarkeit von bis zu 99,9 Prozent und legen ihre Anlagen so redundant aus, dass sie dieses Versprechen einhalten können. Bei Problemen mit einer vor Ort installierten IP-PBX ist im Zweifelsfall niemand mehr über das Festnetz erreichbar, bis ein Techniker vorbeikommt und sie repariert.

Sicherheit

Natürlich muss eine neue Telefon­anlage, unabhängig davon, ob sie vor Ort installiert oder von einem Dienstleister gehostet wird, auch die Sicherheit der Kommunikation gewährleisten. Das heißt, sie muss einerseits ausreichend gegen Angriffe aus dem Internet geschützt sein und andererseits auch eine sichere Gesprächsführung erlauben. Für die Absicherung einer lokal installierten IP-PBX ist der Betreiber selbst verantwortlich. Vorhandene Schutzmaßnahmen zur Sicherung des lokalen Netzwerks, wie etwa Firewalls, schützen auch die dahinterliegende IP-PBX.

Damit aber die IP-PBX nicht selbst zum Einfallstor für Angriffe auf das Netzwerk wird, müssen sie und alle angeschlossenen Endgeräte ebenfalls sicher konfiguriert sein. Bei einer gehosteten Anlage spielt in erster Linie die Sicherheit der Datenübertragung vom eigenen Netzwerk zum Rechenzentrum eine entscheidende Rolle, da die Betreiber ihre Systeme in der Regel sehr gut gegen Hackerangriffe schützen. Zur Absicherung dieses Datenverkehrs sollte auf jeden Fall das Secure Realtime Transport Protocol (SRTP) zum Einsatz kommen. Außerdem lässt sich die Verbindung ins Rechenzentrum per VPN sehr zuverlässig absichern.

Hilfe für Kommunen

Kommunen sollten sich erkundigen, ob ihr Landesrechenzentrum als Anbieter einer gehosteten IP-PBX in Frage kommt. Schon jetzt bieten diese öffentlichen Dienstleister sichere Datenleitungen an, über die auch die Gemeinden miteinander vernetzt sind. Eine solche Lösung hat neben der Verlässlichkeit des Dienstleisters den Vorteil, dass Gemeinden über die schon bestehende Vernetzung Gespräche untereinander direkt abwickeln können. Neben dem Plus an Sicherheit spart das auch Kosten, da die Gespräche nicht über das öffentliche Telefonnetz geführt werden.

Eine Bereitstellung einer gehosteten IP-PBX durch ein Landesrechenzentrum käme vor allem kleineren Gemeinden entgegen, für die die Anschaffung einer eigenen IP-PBX unverhältnismäßigen Aufwand bedeuten würde. In diesem Fall ist auch der gemeinsame Betrieb einer IP-PBX für mehrere Gemeinden eine Möglichkeit, um Kosten zu sparen.

Der Autor Rudi Stahl ist Gemeinderat in der Verbandsgemeinde Wörrstadt und Vice President Sales EMEA bei Snom Technology
Der Autor Rudi Stahl ist Gemeinderat in der Verbandsgemeinde Wörrstadt und Vice President Sales EMEA bei Snom Technology
(Bild: Snom)

Um die günstigste Lösung zu finden, müssen Kommunen sorgfältig alle Möglichkeiten prüfen. Eine frühzeitige und sorgfältige Vorbereitung schützt sie nicht nur vor Fehlinvestitionen, sondern erleichtert ihnen auch die Umsetzung der Umstellung. Auf der Grundlage dieser Vorbereitungen können sie dann rechtzeitig die notwendigen Ausschreibungen durchführen und sich für ein passendes Angebot entscheiden. Und niemand sagt, dass sie bis 2018 warten müssen. Von den Vorteilen einer modernen VoIP-Anlage können sie auch schon früher profitieren.

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