Verwaltung und Raum

Kommunalstrukturen im Zeitalter von eGovernment

14.06.2011 | Redakteur: Manfred Klein

eGovernment verändert überkommene Kommunalstrukturen
eGovernment verändert überkommene Kommunalstrukturen

Ein wesentliches Kennzeichen moderner IT-Dienstleistungen ist die Tatsache, dass sie unabhängig von Zeit und Ort funktionieren. Für die Öffentliche Verwaltung, die seit jeher Dienstleistungen nur zu festgelegten Zeiten und an bestimmten Orten erbrachte, ändert sich dadurch Einiges. Und doch bleibt alles beim Alten.

Wie werden wohl die Bürger reagieren, wenn ihre notleidende Gemeinde zwar bei der Erfindung neuer Gebühren äußerst erfinderisch agiert, im Gegenzug aber immer mehr Leistungen – von der Schule über den Kindergarten bis hin zum Schwimmbad – streicht, sich jedoch standhaft weigert, mit anderen Kommunen zusammenzuarbeiten?

Welche Folgen werden Cloud Computing und Shared Services haben? Hebt doch Informationstechnologie zunehmend die räumliche Einheit von Leistungserbringung und Leistungsinanspruchnahme auf. Wird sich dadurch das Selbstverständnis der Kommunen ändern? Welche Auswirkungen wird das auf die politische Legitimation der Kommunen und auf ihren räumlichen Zuschnitt haben? Ist angesichts solcher Entwicklungen die bisherige kleinteilige Struktur des deutschen Föderalismus überhaupt noch zukunftsfähig?

Werden die Bürger im Zeichen von eGovernment, Open Data und Open Government nicht mehr Beteiligung am Prozess der politischen Willensbildung fordern? Und wie werden sie dabei die Sozialen Netzwerke nutzen? Solche Fragen treiben derzeit immer mehr Politologen, Verwaltungswissenschaftler und eGovernment-Experten um.

So diskutiert Prof. Tino Schuppan vom Institute for eGovernment in Potsdam in seinem Aufsatz „Gebietsreform im eGovernment-Zeitalter“ die Folgen dieser Entwicklungen für den räumlichen Zuschnitt von Kommunen und deren Verwaltungsaufbau. Schuppan kommt dabei zu der Schlussfolgerung: „Mit eGovernment ist im Allgemeinen die Vorstellung verbunden, öffentliche Leistungen über das Internet beziehungsweise auf der Basis des Internets bereitzustellen. Dadurch haben Bürger die Möglichkeit, öffentliche Leistungen unabhängig von örtlichen Restriktionen in Anspruch zu nehmen.“

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