Digitalindex 2021/2022 Klares Bildungsdefizit

Von Manfred Klein

Auch der jüngste Digitalindex der Initiative D21 macht in vielen Bereichen einen erheblichen Nachholbedarf deutlich. Mangelndes Know-how wird nicht nur zum Problem für den Wirtschaftsstandort, auch die Demokratie leidet.

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Noch immer haben viele Bundesbürger, laut Digitalindex, nicht die notwendigen IT-Kompetenzen. Das hat Folgen für die digitale Selbstbestimmung und die IT-Sicherheit
Noch immer haben viele Bundesbürger, laut Digitalindex, nicht die notwendigen IT-Kompetenzen. Das hat Folgen für die digitale Selbstbestimmung und die IT-Sicherheit
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Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Das gilt in besonderem Maße auch für den aktuellen Digitalindex der Initiative D21. So haben zwar mittlerweile immer mehr Bürger einen Zugang zum Internet. Der Anteil der Bürger, denen aktuell noch kein Onlinezugang zur Verfügung steht, ist in diesem Jahr laut Index erstmals auf unter 10 Prozent gesunken. Kann die gegenwärtige Steigerungsrate beibehalten werden, so die Autoren, könnten im Jahr 2026 sogar alle Bürger in der Bundesrepublik das Internet nutzen. Dennoch, die digitale Spaltung besteht nach Ansicht der Autoren des Digitalindexes auch weiterhin fort.

Dazu heißt es unter anderem: „So haben etwa 90 Prozent der Personen mit Wohnsitz auf dem Land, wie auch in der Kleinstadt und in mittelgroßen Städten Zugang zum Internet und sind damit gleichauf. Außerdem gibt es hinsichtlich des Internetzugangs zwischen formal mittlerem und hohem Bildungsbereich kaum einen Unterschied mehr. Die generellen Unterschiede zwischen Jung und Alt, Männern und Frauen, formal niedrig und hoch Gebildeten, Berufstätigen und Nichtberufstätigen etc. bleiben allerdings bestehen.“ Und trotz steigender Internetnutzung bleibt auch das Ost-West-Gefälle bestehen.

Zur Entwicklung in den einzelnen Bundesländern hält der Digitalindex unter anderem fest: „Jedes Bundesland legt in der Nutzung zu, sodass sich die Internetnutzung nun zwischen 84 Prozent und 95 Prozent bewegt. Deutlich oberhalb des Bundesdurchschnitts von 91 Prozent liegt Niedersachsen, das mit einem Zuwachs von fünf Prozentpunkten auf nun 95 Prozent OnlinerInnen erstmalig Spitzenreiter ist.“

In allen neuen Bundesländern liege die Nutzung dagegen unter der 90-Prozent-Marke. Die alten Bundesländer positionierten sich zwischen einem OnlinerInnen-Anteil von 90 und 95 Prozent, unabhängig davon, ob es sich um Stadtstaaten oder um Flächenstaaten handelt. Allerdings steige die Nutzung in den neuen Bundesländern deutlich stärker an (Anstieg um 6 Prozentpunkte auf durchschnittlich 87 Prozent) als in den alten, dort hätten durchschnittlich 92 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet (2020: 89 Prozent).

Das Internet: eine Gefahr für die Demokratie?

Hinzu kommt eine Entwicklung, die Sorge bereiten muss: Ein gutes Viertel der Bevölkerung sieht auch in Deutschland in der Digitalisierung eine Gefahr für die Demokratie. Dazu heißt es im Digital­index unter anderem: „Soziale Medien und Plattformen sind Orte des Austauschs und bringen Menschen und Gesellschaft durch Beteiligung und Vernetzung zusammen. Das kann in positiver wie in negativer Hinsicht der Fall sein. Es muss sichergestellt werden, dass die digitalen Vernetzungsmöglichkeiten nicht als Instrument für eine Destabilisierung der Demokratie genutzt werden.“

Immer wieder habe sich in den vergangenen Jahren gezeigt, so die Autoren, was für eine destruktive Kraft in der Instrumentalisierung von sozialen Medien und Messenger-Diensten liegen könne. Als Beispiel dafür, wie monatelange digitale Desinformationskampagnen, gepaart mit Hass und Hetze gegen politische Institutionen und deren Vertreter, in Form von Gewalt und Zerstörung im analogen Raum Dämme brechen könne, führen die Verfasser den Sturm auf das US-Kapitol Anfang 2021 an.

Weitere zentrale Aussagen

Insgesamt, so die Autoren der Studie weiter, sei die deutsche Bevölkerung für die Herausforderungen des digitalen Wandels nicht immer optimal gerüstet. Vor allem in den folgenden Feldern sehen sie einen dringenden Aufholbedarf:

  • Digitale Nachhaltigkeit: Auswirkungen der Digitalisierung auf die Umwelt für Mehrheit schwer nachvollziehbar
  • Digitale Teilhabe: Niedrig Gebildete und Ältere profitieren aus eigener Sicht deutlich seltener von der Digitalisierung
  • „Digital Skills Gap“ besteht fort – höher Gebildete deutlich versierter
  • Demokratie und Zusammenhalt: Nur 56 Prozent trauen sich zu, Desinformationen im Internet zu erkennen, 28 Prozent sehen in Digitalisierung eine Gefahr für die Demokratie.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Als erste große Studie erfasst der D21-Digital-Index 2021/2022 laut Initiative D21 systematisch die Perspektive der Bürger auf digitale Nachhaltigkeit. Dabei habe sich gezeigt, dass es den Menschen nicht leichtfalle, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die ökologische Nachhaltigkeit und die zugrundeliegenden Wirkzusammenhänge einzuschätzen.

Ein gutes Drittel (34 Prozent) der Bevölkerung glaubt, dass die Digitalisierung insgesamt einen eher positiven Einfluss auf die Umwelt hat, ein weiteres gutes Drittel (35 Prozent) glaubt, dass negative Auswirkungen überwiegen.

Den größten Hebel für ökologisch nachhaltigere Digitalisierung sehen 33 Prozent in wissenschaftlichem Fortschritt und neuen Technologien. Deutlich weniger Menschen denken, dass politische Regulierungen oder wirtschaftliche Maßnahmen den größten Beitrag zu einer nachhaltigeren Digitalisierung leisten können.

Jeder Fünfte glaubt, dass der individuelle Beitrag durch das eigene digitale Verhalten am meisten zur Schonung der Umwelt beitragen kann. Vor allem die Bevölkerungsgruppen, die nach eigener Meinung am stärksten von der Digitalisierung profitieren, sagen gleichzeitig, dass es ihnen schwerfallen würde, ihr eigenes digitales Verhalten zum Wohle der Umwelt zu ändern.

„Klimaschutz und Digitalisierung zählen zu den drängendsten Aufgaben unserer Zeit – beide können nur Hand in Hand funktionieren. Wir müssen die Digitalisierung stärker nutzen, um effizienter und umweltfreundlicher zu leben und zu wirtschaften“, so Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21. „Um die jetzt notwendigen Veränderungen umzusetzen, müssen die Bürgerinnen und Bürger mitgenommen werden. Dazu brauchen sie verständliche Informationen, konkrete Vorschläge und Alternativen sowie Transparenz über den ökologischen Fußabdruck digitaler Geräte und Dienste.“

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