Suchen

Der Mainframe ist noch nicht am Ende Klare Prozesse vereinfachen vieles

Autor / Redakteur: Roland Köhler / Gerald Viola

Die IT-Abteilungen von großen Behörden und Versicherungen kennen es zur Genüge: Softwareprojekte umfassen immer öfter sowohl Host- als auch Client-Server-Komponenten. Gefragt sind daher integrierte Verfahren und Methoden, die plattformübergreifend Module, Prozesse und Änderungsanforderungen steuern.

Firmen zum Thema

( Archiv: Vogel Business Media )

In fünf Jahren wird der letzte Mainframe abgeschaltet – hieß es 1991. Zu dieser gewagten Prognose verstieg sich ein angesehener Marktbeobachter in den USA. Die fünf Jahre waren bereits 1996 abgelaufen und weitere zehn Jahre später erfreut sich die große Mehrheit der Mainframes noch immer bester Gesundheit. Warum wächst und gedeiht der Markt nach wie vor, auch wenn die CPUs, RAM-Module und Festplattenspeicher der Host-Rechner um einiges teurer sind als die der Unix- und Windows-Server? Die Antwort ist recht einfach: Jahrzehntelange Investitionen in Hard- und Software, prohibitiv hohe Kosten eines Systemwechsels sowie eine enorme Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit liefern stichhaltige Erklärungen.

Behörden, Versicherungen, Großunternehmen und Banken kommen ohne Mainframe nicht aus und gelten hierzulande als angestammte Bastion der Großrechner. In Kombination mit modernen Betriebskonzepten wie einem ausgelagerten Betrieb oder Managed Services sind Mainframes keine aussterbende Spezies, sondern bilden überall dort das Rückgrat der IT, wo es um Datenmengen im Terabyte-Bereich, Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Sicherheit geht. Der Leistungshunger der Mainframes ist schier grenzenlos. So vermeldet IBM von Quartal zu Quartal in schöner Regelmäßigkeit, dass die verkaufte MIPS-Leistung (Millions of Instructions per Second) wieder einmal um 20 Prozent und mehr angestiegen sei.

Individualanwendungen dominieren

Wer im Rechenzentrum einen Mainframe selbst betreibt oder dessen Betrieb ausgelagert hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch lange Zeit unternehmenskritische Applikationen darauf laufen lassen. Quasi im Umfeld haben sich über die Jahre hinweg bei allen Host-Anwendern eine Vielzahl von Unix-, Linux- und Windows-Systemen hinzugesellt. Während unter Windows in all seinen Varianten die Standardsoftware (oder Kauf-Software, wie die Mainframe-Community auch gerne sagt) überwiegt, dominieren auf dem Host ganz klar die Individualanwendungen. Nicht selten geht es hier um einige hundert Applikationen, die ständig gepflegt, weiterentwickelt und angepasst werden.

Gründe dafür, dass die unternehmenskritischen Applikationen einem ständigen Änderungsprozess unterworfen sind, gibt es viele: neue gesetzliche Anforderungen und Vorschriften, ergänzende Schnittstellen für den Austausch von Daten mit Lieferanten und Handelspartnern, zusätzliche fachliche Anforderungen der Benutzer und in einigen Fällen auch die Beseitigung von Fehlern, die sich im laufenden Betrieb zeigen. Initiiert werden die Änderungen über eine formale Anforderung und gesteuert über diverse Change Management-Verfahren. Um solche Änderungen in die produktiv genutzten Systeme zu übernehmen, kennt die Theorie zwei unterschiedliche Methoden: den Patch- (oder auch Paket-) und den Release-Ansatz.

Die große Mehrheit der Change-Management-Lösungen für Mainframes verwendet den Paketansatz. Dessen Kern ist ein Auftrag, der die Änderung an der Applikation umfasst, wobei der einzelne Auftrag Sourcecode, Dokumentation, Executables, Datenbankkomponenten und die Deklaration der Datenstruktur (Copystrecke) beinhaltet. Fest steht: Der Paketansatz ist eine „schlanke Lösung“ für eine einzelne Änderung, er ist schnell einzusetzen, erfordert keinen großen Verwaltungsaufwand und hat einen direkten Auftragsbezug. Allerdings ergibt sich bei einer Vielzahl einzelner Maßnahmen ein hoher Testaufwand, der in der Praxis dazu führen kann, dass einzelne Tests nur sehr oberflächlich durchgeführt werden und so ein erhöhtes Risiko bei Freischaltung der Änderungen entsteht.

Release Management

Im Gegensatz zu vielen anderen Fällen, bei denen die Mainframes Pate für Verfahren, Methoden und Organisationsprinzipien standen, die sich dann erst im Laufe der Zeit ihren Weg in die Unix- und Windows-Welt bahnten, verhält es sich beim Release-Ansatz genau umgekehrt. Der Release-Ansatz hat sich zunächst im Client-Server-Umfeld etabliert und setzt sich auch beim Change Management für Mainframe-Applikationen durch.

Während der Paketansatz jeweils nur einen Auftrag enthält, bündelt der Release-Ansatz mehrere Änderungsaufträge und sorgt für eine ordnungsgemäße Umsetzung in einer Applikation. Gerade durch die Konzentration der Aufträge sinkt der Test- und Abnahmeaufwand im direkten Vergleich mit dem Paketansatz. Während sich beim Paketansatz eine Zeitplanung mit unterschiedlichen Versionen als sehr aufwendig und schwierig erweist, ist die Planung und Realisierung unterschiedlicher Versionsstände eine der Stärken des Release-Ansatzes.

Als einziger der bekannten Anbieter im Change- und Configuration-Management-Markt kombiniert Serena nach eigenen Angaben bei ChangeMan ZMF den Paket- und Release-Ansatz, was zu einer sehr hohen Flexibilität führt. So können Änderungen in der Release-Planung auch kurzfristig ohne großen Aufwand realisiert werden. Der Release Audit erkennt die neuen Abhängigkeiten und ermöglicht notwendige Anpassungen der gemeinsamen Komponenten in kürzester Zeit.

Das Release Management ist in ein übergeordnetes Change und Configuration Management eingebettet, das darüber hinaus Funktionen für Versionskontrolle, die Verwaltung von Änderungsanforderungen und für die Organisation von Prozessmodellen enthält. Im Release Management erfolgt eine Definition und Planung der zur Erstellung eines Releases notwendigen Maßnahmen, und es wird der funktionale Umfang eines Releases festgelegt: Ein Major Release umfasst deutliche Änderungen an der Software, ein Minor Release bezeichnet funktionale Erweiterungen des Programms und ein Patch Level befasst sich im Wesentlichen mit der Behebung von Fehlern.

Zu den weiteren Aufgaben des Release Managements gehört die Planung der Freigabe unterschiedlicher Release-Stände, die dynamische Zuordnung von Aufträgen zu Releases unter Berücksichtigung von Abhängigkeiten, die Dokumentation des Umfangs eines neuen Releases sowie schließlich eine Release-Historie, damit die Reproduzierbarkeit der zurückliegenden Release-Stände sichergestellt ist.

Ohne Change Management keine hochwertige Software

In Kombination mit einem plattformübergreifenden Change und Configuration Management bewirkt das Release Management auf dem Mainframe eine verbesserte Qualität im Softwareentwicklungsprozess. Ein wesentlicher Bestandteil dabei ist eine explizite Impact-Analyse, bei der die Auswirkungen geplanter Änderungen bereits frühzeitig identifiziert werden und so das Ausmaß und die Richtung von Änderungen aktiv gesteuert werden können. Die Ergebnisse der Änderungsaufträge werden reproduzierbar und revisionssicher. Stimmen die Prozesse, lassen sich auch nach Jahren noch für jeden Zeitpunkt alle Zustände, Änderungen und Inhalte älterer Releases wieder herstellen.

Damit ist gleichzeitig die Voraussetzung geschaffen, um den Application Lifecycle effektiv zu planen und den gesamten Prozess von der Anwendungsentwicklung bis zur Produktionseinführung zu steuern.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:2002563)