Strategische Partnerschaft vereinbart

KIS-Ausverkauf bei Siemens?

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Back to the roots: Siemens beabsichtigt, sich zukünftig wieder mehr auf das Kerngeschäft zu konzentrieren
Back to the roots: Siemens beabsichtigt, sich zukünftig wieder mehr auf das Kerngeschäft zu konzentrieren (Bild: Siemens)

Siemens Healthcare plant, sein Geschäft mit Krankenhausinformationssystemen (HS) für 1,3 Milliarden Dollar (etwa. 963 Millionen Euro) in bar an das US-amerikanische Unternehmen Cerner Corporation zu verkaufen. Das Closing soll – vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Behörden – im Verlauf des ersten Quartals 2015 über die Bühne gehen.

Das HS-Geschäft fokussiert sich auf administrative Krankenhausinformationssysteme und elektronische Patientenakten; damit unterscheidet es sich grundsätzlich von Laborinformationssystemen sowie von klinischer Software, die eng mit den bildgebenden Verfahren verbunden ist. Die Zentrale des Geschäfts ist in Malvern (Pennsylvania, USA). Weltweit arbeiten rund 6.000 Mitarbeiter in den USA, in Europa (mit Schwerpunkt in Deutschland) und in Asien. Die Transaktion ist vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Behörden; das Closing soll im Verlauf des ersten Kalenderquartals 2015 sein. Die Transaktion steht im Zusammenhang mit der Strategie „Siemens – Vision 2020“.

Die Gründe: Konkurrenzdruck und landesspezifische Anforderungen

Prof. Hermann Requardt, CEO Siemens Healthcare, begründet die Verkaufsabsicht: „In den vergangenen Jahren haben wir kontinuierlich in den Ausbau unseres HS-Portfolios investiert und technologisch auch große Fortschritte gemacht. Gleichzeitig mussten wir jedoch feststellen, dass der Geschäftserfolg unserer Krankenhausinformationssysteme nicht immer mit dem der Wettbewerber Schritt halten konnte.

Darüber hinaus erschweren immer mehr landesspezifische Anforderungen, die sich beispielsweise aus der Gesundheitsreform in den USA ergeben, ausreichende Skaleneffekte. Zukünftig konzentrieren wir uns auf den Ausbau von Informationssystemen, die unser Labor-, Bildgebungs- und Therapiegeschäft stützen.“

Laut Aussage des Unternehmens hätte HS trotz des attraktiven Marktumfelds und beträchtlicher Investitionen mittelfristig keine führende Position im Markt erzielen können. Der Schritt trägt zudem auch zur Zukunftssicherung bei, sowohl für die Mitarbeiter als auch die Kunden von HS. Für Healthcare bedeutet die Entscheidung größere strategische Flexibilität bei Investitionen in das Kerngeschäft. Dazu zählen auch Produkte und Lösungen für den attraktiven Healthcare IT Markt, die Synergien mit dem Kerngeschäft von Healthcare schaffen, die intelligente Analyse klinischer Daten und Prozesse sowie geräteorientierte klinische Applikationen.

Mit der geplanten Übernahme des Geschäfts durch die Cerner Corp., die über eine ausgewiesene Expertise verfügt und eines der führenden Unternehmen auf diesem Gebiet ist, verbindet sich eine positive Perspektive für die Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen. Für die Mitarbeiter in Deutschland, die an den Standorten Berlin, Erlangen und St. Wolfgang arbeiten, wurden für die kommenden drei Jahre Vereinbarungen zur Beschäftigungs- und Standortsicherung getroffen.

Strategische Partnerschaft mit Cerner

Zeitgleich mit dem Verkauf planen Siemens Healthcare und Cerner eine strategische Partnerschaft im Bereich der „Next Generation Healthcare IT“. Next Generation Healthcare IT ist eines der Zukunftsfelder, auf dem Siemens Healthcare verstärkt aktiv werden will. Mit Cerner geht das HS-Geschäft in ein etabliertes und nachhaltig erfolgreiches Unternehmen im Markt der Krankenhausinformationssysteme ein, das dadurch seine Marktposition und Expertise weiter stärkt. In der neuen Aufstellung sind die Geschäftsaussichten für HS-Kunden und -Mitarbeiter besser als bei Siemens Healthcare.

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