Die papierlose Verwaltung im Internet wird Realität „Kindergeld Online“: Die Stufe zwei gezündet

Autor / Redakteur: Philipp Nieberle, IT-Systemhaus der Bundesagentur für Arbeit / Gerald Viola

Das Programm eGovernment 2.0 der Bundesregierung sieht vor, das Internet zum bevorzugten Kommunikations- und Betreuungs-kanal für bedarfsgerechte Verwaltungsdienstleistungen zu entwickeln. Auf dieser Basis baut die Bundesagentur für Arbeit (BA) ihre unterschiedlichen Kommunikationskanäle weiter aus.

Firmen zum Thema

Online-Kindergeldantrag: Vorreiter für eGovernment
Online-Kindergeldantrag: Vorreiter für eGovernment
( Archiv: Vogel Business Media )

Es ist unser erklärtes Ziel, die BA auch beim Thema eGovernment zum Vorreiter für eine moderne Öffentliche Verwaltung in Deutschland zu machen“, so Klaus Vitt, CIO der BA und Vorsitzender der Geschäftsführung des IT-Systemhauses der BA. Vitt erklärt weiter, dass der online ausfüllbare Kindergeldantrag in diesem Zusammenhang einen bedeutenden Meilenstein darstellt: „Mit der eGovernment-Strategie der BA soll der Weg zu einer weitgehend integrierten, papierlosen Verwaltung geebnet werden. So ist Kindergeld Online die erste internetbasierende Anwendung der BA, mit der Bürger Formulare auf den entsprechenden Internetseiten aufrufen, am Bildschirm bearbeiten und online übermitteln können. Mit Kindergeld Online entwickeln das IT-Systemhaus der BA und die Familienkasse die technische Infrastruktur, auf deren Basis weitere Fachverfahren der BA aufgesetzt werden sollen – beispielweise die Beantragung von Sozialleistungen via Internet“.

Nächste Seite: Bewusster Verzicht auf digitale Signatur

Plausibilitätsprüfung erhöht Datenkonsistenz

Bereits im August 2009 wurde die Ausbaustufe eins von Kindergeld Online realisiert. Seither können Bürger mithilfe einer dialogorientierten Benutzerführung Kindergeldanträge (Neuanträge und Veränderungsanzeigen) online ausfüllen oder sich über den Status von bereits eingereichten Anträgen informieren. Hinweise sowie eine Hilfe-Funktion erleichtern dabei die richtige Eingabe: Verzögerten in der Vergangenheit unvollständig ausgefüllte Anträge oder fehlende Nachweise oftmals die Bearbeitung, wird der Online-Antrag heute beim Ausfüllen zeitgleich auf Plausibilität geprüft und der Antragsteller vor Einreichen des Formulars auf ein eventuelles Fehlen hingewiesen. Dies erhöhte nachweislich die Datenkonsistenz, verringerte den Nachbearbeitungsaufwand und beschleunigte das Bearbeitungsverfahren.

In dieser ersten Entwicklungsstufe wurde noch bewusst auf eine digitale Signatur aufgrund zu geringer Verbreitung verzichtet, was den Ausdruck, eine Unterschrift und schließlich eine postalische oder persönliche Übermittlung der Anträge sowie Veränderungsmitteilungen erforderlich machte.

Zurzeit arbeitet man an der Erweiterung von Kindergeld Online, um die Antragstellung mithilfe einer digitalen Signatur zu ermöglichen – die Ausbaustufe zwei von Kindergeld Online soll Ende 2010 abgeschlossen werden. Die komplette Online-Bearbeitung von Kindergeld wird den Eltern wahlweise zur Verfügung stehen, sodass eigentlich kein Papierausdruck mehr erfolgen muss. Die Anwender benötigen lediglich eine digitale Signaturkarte und einen Kartenleser – sollte beides nicht zur Verfügung stehen, kann der Anwender auf den vollen Funktionsumfang der Ausbaustufe eins zurückgreifen. Die Signaturkarte dient dabei nicht zur Datenspeicherung, sondern zur medienbruchfreien Antragstellung – der Kunde leistet damit eine digitale Unterschrift.

Darüber hinaus werden weitere Funktionen integriert, die in Zukunft für zusätzlichen Benutzerkomfort sorgen werden: Die Zwischenspeicherung von Antragsdaten soll es den Anwendern ermöglichen, die Antragstellung zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen, ohne dass bereits eingegebene Daten verloren gehen. Um den Eltern die Antragstellung weiterhin zu erleichtern, werden in den Fällen, in denen bereits Kindergeld bezogen wird, einige Formularfelder mit bekannten Informationen vorbelegt – bei Aufruf der jeweiligen Eingabemaske werden die entsprechenden Felder ausgefüllt erscheinen. Zusätzlich zu den bereits in Stufe eins vorhandenen Bearbeitungsständen (Statusinformationen), sollen in der zweiten Stufe Fallinformationen angeboten werden. Dabei können Informationen über geleistete Zahlungen und Leistungsnachweise (Informationen über aktive Zahlkinder) angezeigt werden.

Nächste Seite: Elektronischer Personalausweis bereitet den Weg

Weiter

Fazit

Alle neuen Funktionen erfordern eine Authentifizierung des Nutzers, die über einen neuen Basisdienst der BA, dem elektronischen Kunden- und Partneridentitätsmanagement zur Verfügung gestellt werden. Für registrierte Nutzer erhöht sich die Sicherheit deutlich, sodass neben der Nutzung der neuen Funktionalitäten auch diese weitergehenden Informationen zum Kindergeldfall gegeben werden können. Mit der elektronischen Signatur entfällt die Notwendigkeit, den Antrag in Papierform zu senden. Um eine vollständige elektronische Übermittlung der Anträge mit den zugehörigen Nachweisen und Belegen zu ermöglichen, wäre es mit Blick auf eine medienbruchfreie Antragstellung wünschenswert, dass die Nachweise und Belege eingescannt und elektronisch übermittelt werden. Im Rahmen von Ausbaustufe zwei wird die Umsetzung dieser Funktionalität überprüft.

Die technische Grundlage für Kindergeld Online lieferte die Software der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) „eAntrag“, die der BA durch eine Überlassungsvereinbarung zur Verfügung gestellt wurde. Aufgrund der Ähnlichkeit der Antragsverfahren von Kindergeld und Rente hat sich die behördenübergreifende Zusammenarbeit angeboten.

Intergouvernementale Kooperation liefert in diesem Zusammenhang auch das Stichwort für die Ausbaustufe drei von Kindergeld Online. Langfristiges Ziel ist es, die Antragstellung auf „Government-to-Government“ (G2G) umzustellen. Die Antragstellung kann dadurch direkt nach der standesamtlichen Anmeldung eines Kindes weitergeleitet werden, ohne dass der Kindergeldberechtigte über das gesetzlich notwendige Maß hinaus eingreifen muss.

Klaus Vitt: „Es ist zwar noch etwas Zukunftsmusik, aber eine intergouvernementale Vernetzung aller Behörden wird den Antragsteller von den Kinderschuhen aus über das Berufsleben, mögliche Sozialleistungen bis zur Rente und darüber hinaus ein Leben lang begleiten.“

(ID:2045183)