Breitbandausbau

Keine Flächendeckung ohne Vectoring

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Es geht vor diesem Hintergrund auch an der Wirklichkeit vorbei, zu meinen, nach Bereitstellung eines vollausgebauten Glasfasernetzes in zuvor unterversorgten Regionen fände keine Aufrüstung älterer Infrastrukturen mehr statt. Im Gegenteil: Oft lohnt sich eine Netzaufrüstung für regional etablierte Anbieter gerade dann, wenn sie Kunden an ein anderes Netz zu verlieren drohen.

Jedes Glasfasernetz muss als Parallelinfrastruktur noch auf viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hin mit immer weiter aufgerüsteten Bestandsnetzen konkurrieren, bis der Endkundenbedarf deren maximale Leistungs­fähigkeit endgültig übersteigt. Wann dies geschieht, kann heute kaum prognostiziert werden.

Noch immer gibt es im Privatkundenmarkt kaum Anwendungsfälle, die deutlich höhere Bandbreiten als 50 Mbit/s erfordern. Solange kein entsprechender Bedarf besteht, rechnen sich die meisten reinen Glasfasernetze allenfalls bei außerordentlich langfristiger Betrachtung, die mit heute noch nicht absehbaren Unwägbarkeiten verbunden ist.

Insgesamt steht in Deutschland ein einstelliger Milliardenbetrag für die Förderung des Breitbandausbaus zur Verfügung. Bund, Länder und Kommunen müssen nun entscheiden, wie diese Mittel sinnvoll einzusetzen sind. Fördern wir die jeweils wirtschaftlichste Technologie, können wir eine hohe Flächendeckung recht kurzfristig erzielen. Setzen wir auf den Glasfaservollausbau, werden wir mit der derzeitigen Mittelausstattung nur punktuell Verbesserungen erreichen.

Viele Bürger und Unternehmen sind heute noch immer vom Breitbandinternet abgeschnitten. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie den Anschluss an die zügig voranschreitende Digitalisierung verpassen, die unseren Alltag und unsere Arbeitswelt schon heute prägt.

Wir müssen den Breitbandausbau daher zunächst zügig in die Fläche tragen und akzeptieren, dass wir den Glasfaservollausbau erst in einem späteren Schritt, sobald der tatsächliche Bedarf dies rechtfertigt, verwirklichen können. Investitionen in diesen Zwischenschritt sind sinnvoll, auch aus ökonomischer Sicht. Sie legen den Grundstein für den weiteren Auf- und Ausbau der Glasfasernetze.

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