Die Kfz-Zulassung auf der Überholspur Kaufen. Zulassen. Losfahren!

Autor / Redakteur: Dipl.-Pol. Martin G. Löhe, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft eKfz bei Fraunhofer FOKUS / Gerald Viola

Des Deutschen liebstes Kind soll das Auto sein – jedenfalls zeigt sich dies im Ranking der 100 häufigsten kommunalen Dienstleistungen. Hier liegt die Anmeldung eines neuen Kfz auf Platz drei. Für den Bürger ist dieser Vorgang, bei dem private Dienstleister und Kommunen mitwirken, aber oft mit hohem Zeitaufwand verbunden. Bis jetzt.

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eGovernment für des Deutschen liebstes Kind
eGovernment für des Deutschen liebstes Kind
( Archiv: Vogel Business Media )

Nach dem Kauf seines Fahrzeugs beim Autohändler muss der Bürger mit Fahrzeugpapieren und Personalausweis zur Zulassungsstelle. Nächste Station ist der Schilderdienst, wo die Kennzeichen geprägt werden, die dann wiederum von der Behörde gesiegelt werden müssen. Alternativ kann der Bürger einen Zulassungsdienstleister beauftragen. Doch der benötigt – neben einer Vollmacht – den Personalausweis des Kfz-Halters. Welche Vorgehensweise auch gewählt wird, so oder so gilt: Fällt in der Zulassungsstelle auf, dass Unterlagen fehlen, wird der gesamte Prozess angehalten. Die fehlenden Unterlagen müssen beschafft werden und es muss eine neue Warte-Nummer gezogen werden.

Um diese Prozesskette zu beschleunigen und für alle Mitwirkenden zu vereinfachen, hat die Arbeitsgemeinschaft eKfz (ARGE eKfz) mithilfe des neuen Personalausweises die elektronische Kfz-Zulassung direkt im Autohaus realisiert – ohne Behördengang. In der ARGE eKfz arbeitet das Fraunhofer Institut FOKUS mit dem Zulassungsdienstleister Christoph Kroschke GmbH, dem Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin sowie dem IT-Dienstleistungszentrum Berlin zusammen.

Die Lösung der ARGE eKfz zur Vereinfachung der Prozesskette „Kfz-Zulassung“ setzt auf die Vorteile des neuen Personalausweises.

Wer ab 1. November 2010 einen Personalausweis beantragt, erhält automatisch den neuen Personalausweis im Scheckkartenformat. Dieses neue hoheitliche Dokument zeichnet sich durch seine universelle Verwendbarkeit aufgrund innovativer Merkmale, wie der Online-Ausweisfunktion (sogenannte eID-Funktion) oder der optionalen Unterschriftsfunktion (qualifizierte elektronische Signatur), aus.

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Elektronische Kfz-Zulassung im Autohaus

Zukünftig erhält der Kunde alle notwendigen Leistungen an einem Ort. Mithilfe der Online-Ausweisfunktion (eID-Funktion) des neuen Personalausweises kann er die Zulassung des Fahrzeugs direkt im Autohaus über ein Zulassungsportal beantragen, das vom Zulassungsdienst betrieben wird. Mit dem neuen Personalausweis erfolgt eine sichere Identifikation. Die Kunden- und Fahrzeugdaten, die für die Zulassung erforderlich sind, werden über das Portal direkt an die Zulassungsstelle übermittelt.

Die Zulassungsstelle empfängt die Daten sicher und verschlüsselt auf elektronischem Weg – den Hol- und Bringdienst der ZB1 und ZB2 (Fahrzeugschein und –brief) und der Schilder übernimmt der Zulassungsdienst. Dies ermöglicht eine prozessorientierte, effizientere und kostengünstigere Bearbeitung sowie eine kooperative und transparente Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Der Service erfordert Interoperabilität, das heißt, die Fähigkeit, dass verschiedene IT-Systeme miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten können sowie Daten entsprechend austauschen können: Zusätzlich zur interoperablen Verknüpfung der IT-Systeme des Autohauses, der Zulassungsdienstleister, der Zulassungsstellen und der Kennzeichenpräger sind bei der Lösung auch die Komponenten des neuen Personalausweises, eID-Server, Bürgerclient und die Online-Ausweisfunktion (eID-Funktion) integriert.

Die Einbindung des neuen Personalausweises bietet hierbei allen Beteiligten erhebliche Vorteile und spart zudem Zeit und Wege: Der Kunde und zukünftige Fahrzeughalter muss seinen Personalausweis – das hoheitliche Dokument – nicht mehr aus der Hand geben. Der Gang zur Behörde entfällt für den Kunden ganz. Die Zulassungsstelle wiederum erhält validierte Daten. Da die Daten direkt aus dem neuen Personalausweis in das Antragsformular eingetragen werden, gehören Tippfehler der Vergangenheit an. Dies gilt auch für die Fahrzeugdaten, wenn diese zukünftig aus dem Bestandsystem des Autohauses in das Antragsformular übernommen werden. In der Behörde müssen keine langen Zahlenkolonnen mehr eingetippt werden und die Zulassung kann schneller durchgeführt werden.

Mit dem neuen Verfahren werden auch Fehlerkorrekturen möglich sein. Während heute noch viele Zulassungsvorgänge an falschen elektronischen Versicherungsbescheinigungen scheitern, können diese künftig schon im Portal des Zulassungsdienstleisters überprüft und schnell korrigiert werden. Wegen der nachhaltigen Beschleunigung der Prozesskette „Neuzulassung“ wird es für den Kunden daher zukünftig heißen: „Kaufen. Zulassen. Losfahren!“

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Demonstration auf der CeBIT

Das oben beschriebene Szenario konnte die ARGE eKfz mit einem Echtsystem bereits auf der CeBIT 2010 in Hannover am Stand der IT-Beauftragten der Bundesregierung einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. Bei den rund 300 Vorführungen des Szenarios ließen sich sowohl Vertreter aus Politik und Wirtschaft als auch ein großes Publikum Interessierter den durchgängigen Geschäftsprozess mit einer organisationsübergreifenden Verknüpfung von Front- und Back-Office demonstrieren.

Ab dem 1. November 2010 wird die elektronische Kfz-Zulassung zunächst in den Autohäusern der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin angeboten. Ein bundesweit flächendeckender Einsatz ist geplant. Hierfür wird derzeit bereits an einem XML-Standard für den interoperablen Datenaustausch für das Kfz-Wesen gearbeitet, der das Zusammenspiel der deutschlandweit agierenden Beteiligten an der Kfz-Zulassung weiter vereinfacht. Mit einem solchen xKfz-Standard und der elektronischen Kfz-Zulassung mit dem neuen Personalausweis könnte des Deutschen liebstes Kind bald auch deutschlandweit ohne Wartenummer vom Platz gefahren werden.

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