Vertrauensvoller und intensiver Erfahrungsaustausch

Katalysator der eGovernment-Debatte

| Redakteur: Manfred Klein

Zukunftsthema Digitalisierung

Der CIO des Saarlands, Staatssekretär Ulli Meyer, fasst das sogar noch weiter: „Digitalisierung ist ein zentrales Zukunftsthema. Sie durchdringt alle Bereiche der Gesellschaft, jeder ist von ihr betroffen. Um die Frage beantworten zu können, wie sich die Verwaltung selbst verändern muss, müssen alle maßgeblichen Akteure aus Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik angehört werden. Im Mittelpunkt steht die Gestaltung eines Prozesses mit dem Ziel, die Chancen der Digitalisierung für unsere Öffentliche Verwaltung zu nutzen.“

Und für Baden-Württembergs CIO, Stefan Krebs, gilt in diesem Zusammenhang: „Wir brauchen Investitionen in die digitale Weiterbildung und es gilt, auf einen Kulturwandel in der Verwaltung hinzuwirken: Experimentierräume brauchen Experimentierbereitschaft. Gleichzeitig müssen wir die Verwaltung für junge Talente attraktiv machen – junge Menschen wollen auch zuhause oder im Cafe arbeiten und denken in Projekten. Wir müssen es schaffen, neue, agile Arbeitsweisen in unsere Abläufe zu integrieren und auch über Ressortgrenzen hinweg projektbezogen zusammenzuarbeiten.“

Auch Hartmut Schubert spricht sich für eine Veränderung der Arbeitsabläufe und Prozesse in der Verwaltung aus: „Oftmals werden im privaten Bereich bereits umfangreich digitale Medien verwendet, wie beim Online-Banking oder Online-Shopping. Bei Verwaltungsleistungen hingegen scheinen sich sowohl viele Nutzer als auch Bedienstete, welche Verwaltungsleistungen digital anbieten sollen, noch immer vor der Digitalisierung zu sträuben.“

eGovernment könne aber nur dann erfolgreich betrieben werden, wenn auch die Bediensteten die eGovernment-Verfahren akzeptieren und diese zweckentsprechend einsetzen könnten. Deshalb sollten die Bediensteten und ihre Interessenvertretungen über eGovernment-Aktivitäten informiert und in Verfahrensentwicklungen einbezogen werden. „Aus Betroffenen müssen Beteiligte werden“, so Schubert.

Und auch Schubert weist eindringlich auf die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit über Verwaltungsebenen hinweg hin. „Bund, Länder und Kommunen müssen an gemeinsamen Lösungen arbeiten. Zudem müssen auch die einzelnen Ressorts koordiniert zusammenarbeiten.“

Die Verwaltung der Zukunft ist digital

Zudem setzen technische Veränderungen – wie etwa Chatbots, Blockchain und KI die Verwaltungen zusätzlich unter weiteren Veränderungsdruck. Gleichzeitig werden Fragen zur IT-Sicherheit und zum Datenschutz sowie Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens – Stichwort „Fake News“ – immer dringlicher. Da auch dieser Themenblock auf dem eGovernment Summit intensiv diskutiert werden wird, baten wir auch hier die Teilnehmer um eine Einschätzung der Situation.

Stefan Krebs meint dazu: „Die ­Öffentliche Verwaltung muss sich den technischen Veränderungen stellen und sie nutzbringend für die Bürgerinnen und Bürger einsetzen. Da ist aber durchaus eine kritische Prüfung angezeigt, denn die Verwaltung hat hier eine besondere Verpflichtung. Die so gerne zitierte ‚Kultur des Scheiterns‘ wird bei Projekten, die aus unser aller Steuergelder finanziert werden, nicht so einfach akzeptiert, wie das bei jungen Start-up-Unternehmen der Fall sein mag.“

Dennoch dürfe man sich den Innovationen in der IT nicht verschließen, so Krebs weiter. Um die Risiken, die mit der Einführung neuer IT-Technologien verbunden seien, in den Griff zu bekommen, hätten sich Politik und Verwaltung in Baden-Württemberg daher strategisch neu aufgestellt. So seien aktuell neue Stellen und mehr Geld bereitgestellt worden, um tragende Strukturen und ­Prozesse zur Gewährleistung der Informationssicherheit zu schaffen. Darüber hinaus sei sicherzustellen, dass diese dauerhaft mit den sich stetig ändernden Bedingungen Schritt halten könnten, so das Fazit von Stefan Krebs.

Auch Thüringens CIO Hartmut Schubert unterstrich die Bedeutung der IT-Security: „Digitalisierung ist immer im Zusammenhang mit besonderem Datenschutz und IT-Sicherheit zu sehen. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten in eGovernment-Prozessen kann nur auf einer vertrauenswürdigen Basis erfolgen. Voraussetzung dafür sind geeignete technische und organisatorische Maßnahmen, die Informationssicherheit garantieren.“

Ziel sei daher die Gewährleistung einer angemessenen Informationssicherheit. Dies erfordere Maßnahmen, die bei der Verwendung von Daten und Informationen die Vertraulichkeit, Verbindlichkeit und Integrität gewährleisteten. Das heißt Schutz vor Diebstahl, Spionage und Manipulation.

Fazit

Es ist also auch in diesem Jahr mit spannenden Diskussionen zu rechnen, welche die Entwicklung weiter voranbringen werden. So meint Klaus Vitt: „Der eGovernment Summit kann inzwischen auf eine langjährige Tradition zurückblicken. In den Beiträgen und Vorträgen des Summits wurden stets sehr offen die kritischen Themen von eGovernment angesprochen und so die Debatte vorangebracht. Denn Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit ist zunächst ein reger, interessierter Austausch. Aus diesem Grund habe ich auch in diesem Jahr gerne wieder die Schirmherrschaft übernommen. Ich freue mich auf die Debatte, wie uns dies gemeinsam gelingen kann. “

Und Staatsrat Hans-Henning Lühr ergänzt: „Wie bei den vorherigen Malen freuen wir uns auf den fachlichen Austausch und Dialog mit den anderen Entscheidern. Wir wollen dort unsere bestehenden Kooperationen intensivieren und neue vorbereiten. Ganz im Sinne der Notwendigkeit, bei der Umsetzung der Digitalisierung in Zukunft noch enger zusammenzuarbeiten“. mk

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Das was hier für die Infrastruktur diskutiert wird, ist belanglos so lange man nicht an den Kern...  lesen
posted am 03.11.2017 um 10:16 von woksoll


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