Freie Ärzteschaft kritisiert Staatsdirigismus und Kassenwillkür

Kassenärzte ohne Zukunft?

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Blicken Kassenärzte in eine düstere Zukunft?
Blicken Kassenärzte in eine düstere Zukunft? (Bild: Archiv)

Die jüngsten Pläne von Politik und Krankenkassen zeigen aus Sicht der Freien Ärzteschaft, dass die ambulante Versorgung der gesetzlich Versicherten endgültig an ihre Grenzen gekommen ist. Es widerspricht sich: einerseits unbegrenztes Leistungsversprechen, auf der anderen Seite Planwirtschaft mit strikter finanzieller Begrenzung.

Ein „Terminpressing in einer 'Gröhe-Sprechstunde' mit Vier-Wochen-Terminzwang ist weder mit ärztlicher Sorgfaltspflicht nach dem 2013 eingeführten Patientenrechtegesetz noch mit dem ärztlichen Berufsethos unvereinbar.„ So kritisierte Wieland Dietrich, der Vorsitzende der Ärzteorganisation (FÄ). Damit würde nicht nur die Zwei-Minuten-Medizin forciert, sondern auch die Versorgung verschlechtert und Ärzte wie auch Patienten würden immer unzufriedener.

Gutachten bestätigt Unzufriedenheit der Vertragsärzte

Das aktuelle Gutachten des Sachverständigenrats im Gesundheitswesen bietet nach Ansicht Dietrichs ebenfalls keine Lösung, denn sowohl staatliche Praxen als auch die ambulante Versorgung an Krankenhäusern seien organisatorisch und wirtschaftlich keine annähernd gleichwertige Alternative zu freien Arztpraxen. Das hätten auch die vielen Pleiten Medizinischer Versorgungszentren gezeigt.

„Immerhin bestätigt das Gutachten die große Unzufriedenheit der Vertragsärzte mit dem Honorarsystem, die bereits bei einer Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung deutlich zum Ausdruck kam“, so Dietrich.

Der FÄ-Chef weiter: „Der Gipfel ist aber der jüngste Vorschlag des GKV-Spitzenverbands, Zulassungen künftig zu befristen. Welcher Arzt wird unter solchen Bedingungen noch in eine Praxis investieren und sich niederlassen? Es stellt sich die Frage, ob die Kassen noch eine kassenärztliche Versorgung der bundesdeutschen Bevölkerung wollen – dann könnten sie auch gleich das Ende aller Zulassungen fordern.“

Krankenkassen schuld an „Mangelbehandlung“?

Ohnehin stellten die Ärzte fest, dass unter den Bedingungen der gesetzlichen Kassen meist nur noch eine Mangelbehandlung möglich ist.„Wir müssen uns fragen, ob die Tätigkeit als Vertragsarzt überhaupt noch eine Existenz und eine Perspektive bietet“, so Dietrich. Ohne Kassenzulassung sei die Situation möglicherweise für viele Ärzte besser, weil sie dann die ausufernde Bürokratie, Bevormundung und Mangelwirtschaft los wären – das käme auch den Patienten zugute.

Die Freie Ärzteschaft e. V.

Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf als freien Beruf vertritt. Er wurde 2004 gegründet und zählt heute mehr als 2.000 Mitglieder, die überwiegend aus niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie verschiedene Ärztenetze bestehen. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.

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