14. eGovernment-Wettbewerb Jury ehrt digitale Vorreiter in Verwaltung, Wissenschaft und eHealth

Redakteur: Manfred Klein

Die Gewinner des 14. eGovernment-Wettbewerbs stehen fest. Auf der großen Bühne des Zukunftskongresses in Berlin zeichnete die Unternehmensberatung BearingPoint gemeinsam mit dem Technologieanbieter Cisco die besten Digitalisierungsvorhaben in Verwaltung, im Bildung- und Gesundheitswesen aus.

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Die Die Gewinner des 14. eGovernment-Wettbewerbs
Die Die Gewinner des 14. eGovernment-Wettbewerbs
(Bild: Bearingpoint / Foto by MIKA-fotografie | Berlin - Maik Schulze)

Die siegreichen Projekte haben jeweils eine hohe gesellschaftliche Relevanz und das Potenzial, das Leben und Arbeiten in unterschiedlichsten Bereichen erheblich zu vereinfachen.

„Die Macher der Gewinnerprojekte zeigen uns mit ihren bereits in Betrieb befindlichen Lösungen, wie man aus den Chancen der Digitalisierung praktischen Nutzen für uns als Bürger und Unternehmen erzeugt. Sie machen uns damit alle zu Gewinnern“, so Jon Abele, Partner und Leiter Öffentliche Auftraggeber bei BearingPoint.

„Alle Finalisten waren mit ausgezeichneten Ideen und Projekten dabei und können stolz auf ihre Arbeit sein. Mit ihrem Elan, Engagement und ihrer Zusammenarbeit treiben sie die digitale Transformation in der Verwaltung sowie im Bildungs- und Gesundheitswesen“, so Abele weiter.

„Die Digitalisierung beflügelt die Welt. Sie ist nicht nur die Grundlage für effizientere Produktionsabläufe, eine besser vernetzte Logistik und ganz neue Geschäftsmodelle. Sie ermöglicht auch wichtige Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen, die wir mit dieser Auszeichnung würdigen“, so Christian Korff, Vertriebsdirektor Öffentliche Hand bei Cisco Deutschland.

„Der eGovernment-Wettbewerb wirft ein Schlaglicht auf Projekte von öffentlichen Institutionen, die bereits die Chancen moderner Informationstechnologien nutzen und als Vorbild wirken sollen für die digitale Transformation ganzer Länder.“

Noch offen ist die Entscheidung zum Publikumspreis. Hier kann jeder, der sich für eGovernment interessiert, noch bis zum 4. August seinen persönlichen Favoriten wählen. Hier geht's zum Online-Voting.

Österreich überzeugt – wieder einmal

Seit Mai 2015 erhalten in Österreich Eltern Familienbeihilfe (Kindergeld) ohne Antrag. Mit der Anmeldung eines neugeborenen Kindes beim Standesamt wird die Berechtigung auf Familienbeihilfe automatisch geprüft und die Beihilfe auf das bei der Steuerbehörde bereits bekannte Familienkonto überwiesen. Den Eltern bleibt mehr Zeit für ihren Nachwuchs und in der Verwaltung entfällt in erheblichem Umfang der Bearbeitungsaufwand. Mit dem Projekt gelingt ein Quantensprung im Selbstverständnis der Verwaltung: ohne Formulare, ohne Antrag, ohne Wartezeit erhalten Bürgerinnen und Bürger die ihnen gesetzlich zustehenden Leistungen.

eGovernment-Wettbewerb 2015
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Jury-Mitglied Christian Rupp, Sprecher der Plattform Digitales Österreich: „Die ‚Antraglose Familienhilfe‘ (ALF) ist ein hervorragendes ‚No Stop Shop‘ Beispiel. Die Daten sollen laufen und nicht der Bürger – voll automatisierte elektronische Verfahrensabwicklung und zügige Leistungsgewährung – so stellt man sich eGovernment vor. Das Projekt zeigt: Wo ein Wille, da auch ein Weg - auch hinsichtlich rechtlicher Änderungen. Zudem konnten damit konkrete Einsparungspotentiale dargestellt werden. Die nachhaltige Prozessgestaltung sollte Vorbild für viele andere noch möglichen ‚No-Stop-Verfahren‘ sein.“

In der Kategorie „Richtungsweisendes Projekt zur Gestaltung der Modernen Verwaltung 2015“ wurde die Magistratsdirektion der Stadt Wien für ihre „Digitale Agenda Wien“ ausgezeichnet.

Zur Begründung schreibt die Jury: „Gemeinsam mit den Bürgern sowie der Wirtschaft erarbeitet die Stadt Wien ihre „Digitale Agenda“. Dieser Partizipationsprozess hat Vorbildwirkung für andere Verwaltungsbereiche und lädt zum Umdenken in Richtung einer offenen und transparenten Verwaltung ein.“

Dazu Jury-Mitglied Prof. Dr. Maria Wimmer, Forschungsbereich Verwaltungsinformatik, Universität Koblenz-Landau: „Das Projekt ‚Digitale Agenda Wien‘ ist ein exzellentes Beispiel für die Einbindung von Bürgerinnen und Bürger sowie der Wirtschaft in die Gestaltung einer modernen und zukunftsorientierten Stadt.“

Die Kategorie „Erfolgreichstes Kooperationsprojekt 2015“ konnte hingegen die Hessische Staatskanzlei mit ihrem Projekt „Länderübergreifende IT-Kooperationen DMS-Fachanwendungen – eBundesrat/eMPK/eKIS“ für sich entscheiden.

Mit gleich drei Fachanwendungen zur elektronischen Zusammenarbeit verdeutlichen die Staatskanzlei Hessen und ihre Kooperationspartner, wie man die länderübergreifende Zusammenarbeit mit moderner IT vereinfacht und beschleunigt, so die Jury zur Begründung.

Dabei werde ein vollständiger, automatisierter Austausch aller relevanten Dokumente in die elektronischen Akten der jeweiligen Bundesländer ermöglicht. In der Anwendung „eMinisterpräsidentenkonferenz“ arbeiten so bereits alle 16 Bundesländer auf elektronischem Wege erfolgreich zusammen.

Jury-Mitglied, Anna Faoro, Kommunikationsbeauftragte eGovernment Schweiz: „Dank diesem breit abgestützten Kooperationsprojekt ist es möglich, dass Bundesrat, Ministerpräsidentenkonferenz sowie die Kabinette dreier Bundesländer einfach und mobil auf ihre Dokumentenablagen zugreifen.“

Die gemeinsame Nutzung der gleichen Anwendungen führe zudem zu einer erhöhten Wirtschaftlichkeit und mit der länderübergreifenden Etablierung von Referenzprozessen zu einer Optimierung der Behördentätigkeit.

„Das Projekt zeigt exemplarisch“, so Anna Faoro, „wie sich in erfolgreicher Zusammenarbeit erhebliche Synergien realisieren lassen.“

Die Kategorie „Bestes eHealth-Projekt 2015“ konnte die Medizinische Hochschule Hannover und die TK Landesvertretung Niedersachsen (MHH) mit dem Projekt „Echtzeitfernanpassung von Cochlea Implantaten“ für sich entscheiden.

Patienten mit Innenohrprothesen (Cochlea‐Implantate) bedürfen einer lebenslangen Nachsorge. Mit dem von der MHH entwickelten telemedizinischen Verfahren kann die Nachsorge ambulant und heimatnah für Patienten erfolgen und so zum Beispiel eine Fernanpassung der Hörsysteme (Remote Care Konzept) durchgeführt werden.

Die so vereinfachten Therapie‐ und Verwaltungsprozesse reduzieren signifikant den medizinischen Betreuungsaufwand und erleichtern für Patienten den Umgang mit der Erkrankung. Dazu Jury-Mitglied Prof. Dr. Norbert Hosten, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft: „Der Arzt auf dem Bildschirm erspart mir die Reise.“

Der erste Preis in der Kategorie „Bestes eProjekt aus Forschung, Wissenschaft und Lehre 2015“ schleißlich ging zum einen an die Bundesagentur für Arbeit für das Projekt „Realisierung eines Berufsentwicklungsnavigators (BEN)“ und zum anderen an die Humboldt‐Universität zu Berlin für das Universitätsinformationssystem „Compass. Die zentrale Information“.

Der Berufsentwicklungsnavigator (BEN) der Bundeagentur für Arbeit unterstützt online bei individuellen Entscheidungen für die berufliche Weiterbildung, den Wiedereinstieg, Aufstieg und Berufswechsel. Dabei werden die Angebote zu einem nach individuellen Kundenbedürfnissen ausgerichteten Informationsangebot zusammengeführt.

BEN ist die konsequente Ausrichtung komplexer Informationsangebote an der heutigen Erlebniswelt der Internetnutzer und stellt einen lebenslagenbezogenen Informationszugang zur Verfügung.

Jury-Mitglied Dr. Peter Mecking, IT-Beauftragter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: „BEN, ein umfassender und kompetenter Helfer bei Entscheidungen zur beruflichen Entwicklung.“

Die Humboldt-Universität hat ein Studierenden‐Informationssystem umgesetzt, das als zentrale Anlaufstelle von der Studienwahl bis zur Exmatrikulation im gesamten Lebenszyklus bei Fragen zur Verfügung steht. Es bietet verschiedene Zugangskanäle (eMail, Telefon, persönliche Beratung). Die konkrete Realisierung zeichnet sich durch eine konsequente Zielgruppen‐ und Serviceorientierung aus. Dies wird auch dadurch gewährleistet, dass sowohl in der Konzeption als auch im Betrieb die Studierenden aktiv mit eingebunden sind.

Jury-Mitglied Dr. Peter Mecking, IT-Beauftragter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: „COMPASS hilft von der Einschreibung bis zum Examen bei allen Fragen zum Studium und darüber hinaus.“

Die Kategorie Kategorie „Agilste IT-Architektur 2015“ schließlich ging an den Landesbetrieb Daten und Information Rheinland-Pfalz für das Projekt „Cloud RLP“.

Dazu das Votum der Jury: „Die Cloud RLP vereint die Möglichkeiten der zertifizierten Sicherheit mit weitreichender Flexibilität. Sie ermöglicht eine bedarfsgerechte und kosteneffiziente Nutzung der IT Ressourcen unter verfahrensabhängiger Abwägung der Sicherheits- und Datenschutzanforderungen. Hervorzuheben ist an diesem Ansatz, dass die skalierbaren Cloud-Services mit einer skalierbaren IT-Sicherheit gekoppelt sind.“

Jury-Mitglied Prof. Dr. Tino Schuppan, Wissenschaftlicher Direktor am Institute for eGovernment in Potsdam, bracht es so auf den Punkt: „Die Cloud RLP zeigt, wie Sicherheit, Agilität und Kosteneinsparung bei der Bereitstellung von IT-Ressourcen gleichermaßen erreicht werden können. Dieser Ansatz ist Ausgangspunkt für noch weitergehende Kooperationsmodelle über Ländergrenzen hinweg, um Ressourcen und Wissen noch besser auslasten zu können.“

Die Kategorie „eCity 2015: Bestes digitales Gesamtangebot einer Kommune“ schließlich ging an die Freie und Hansestadt Hamburg für ihr Konzept „Strategie Digitale Stadt“.

Mit der Verabschiedung der Strategie „Digitale Stadt“ wurde eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung Hamburgs zur digitalen Stadt geschaffen. In einem breiten Spektrum von abgestimmten Maßnahmen adressiert die Strategie alle relevanten Bereiche des städtischen Lebens. Die umfangreiche Liste der zum Teil bereits abgeschlossenen Projekte zeigt, dass Hamburg weit fortgeschritten ist in der praktischen Umsetzung ihrer Strategie.

Die hervorragend durchdachte und umgesetzte Vorgehensweise zur Digitalisierung Hamburgs ist ein beeindruckendes Beispiel, wie die Chancen der Digitalisierung für ein zukunftsorientiertes urbanes Leben und Wirtschaften genutzt werden können.

Jury-Mitglied Franz-Reinhard Habbel, Direktor für politische Grundsatzfragen des DStGB: „Hamburg ist auf dem Weg zur digitalen Stadt. Eine umfassende Strategie führt alle Aktivitäten in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Das ist einmalig in Deutschland. Alle Maßnahmen in Politik und Verwaltung werden künftig am Grad der Digitalisierung gemessen.“

Weitere Informationen zu den prämierten Projekten haben die Ausrichter Cisco und Bearingpoint im Internet übersichtlich zusammengestellt. Hier eine Übersicht:

» Bestes eGovernment-Projekt 2015: „Antraglose Familienbeihilfe“ des Bundesministeriums für Finanzen Österreich

Mehr über das Gewinnerprojekt und die Finalisten in dieser Kategorie erfahren Sie hier.

» Richtungsweisendes Projekt zur Gestaltung der Modernen Verwaltung 2015: „Digitale Agenda Wien“ der Magistratsdirektion der Stadt Wien.

Mehr über das Gewinnerprojekt und die Finalisten in dieser Kategorie hier.

» Erfolgreichstes Kooperationsprojekt 2015: „Länderübergreifende IT-Kooperationen DMS-Fachanwendungen – eBundesrat/eMPK/eKIS“ der Hessischen Staatskanzlei.

Mehr zu Projekt und Kategorie hier.

» Bestes eHealth-Projekt 2015: „Echtzeitfernanpassung von Cochlea Implantaten“ / Medizinische Hochschule Hannover und die TK Landesvertretung Niedersachsen.

Mehr dazu hier.

» In der Kategorie Bestes eProjekt aus Forschung, Wissenschaft und Lehre wurden 2015 zwei erste Plätze vergeben: „Realisierung eines Berufsentwicklungsnavigators“ der Bundesagentur für Arbeit und „Compass. Die zentrale Information“ der Humboldt‐Universität zu Berlin.

Mehr dazu hier.

» Agilste IT-Architektur 2015: „Cloud RLP“ des Landesbetriebs Daten und Information in Rheinland-Pfalz.

Informationen zu Projekt und Kategorie gibt es hier.

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