eGovernment in Berlin Jugendhilfe stellt auf digitale Verwaltung um

Autor: Susanne Ehneß

Die Berliner Jugendhilfe kann ab sofort komplett digital arbeiten, die erste Testphase in der Praxis ist positiv verlaufen.

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Der Berliner Jugendhilfe bleibt nun mehr Zeit für persönliche Beratungen
Der Berliner Jugendhilfe bleibt nun mehr Zeit für persönliche Beratungen
(© william87 - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung des Fachverfahrens für die Berliner Jugendhilfe ist abgeschlossen – innerhalb des Zeitplans und des anvisierten Budgets. Es ist als Teil der „Integrierten Software Berliner Jugendhilfe“ (ISBJ) seit dem 1. Januar 2021 landesweit im Produktiv­betrieb. Die Antragstellung, Bedarfserfassung, Abrechnung und Dokumentation in den Jugendämtern werden damit nun digital durchgeführt.

„Schritt in die Zukunft der Verwaltung“

„Das beschleunigt die Prozesse und es bleibt mehr Zeit für persönliche Beratungen“, freut sich Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, deren Behörde das Projekt gemeinsam mit dem Geschäftsbereich „Digital Public Services“ von Fraunhofer Fokus durchgeführt hat. Auch die Urkundenregister sind jetzt komplett digitalisiert. „Die Zugriffe auf Einwohnermeldedaten, Adress- und Sozialraumdaten sowie der Zahlungsverkehr erfolgen unter Einhaltung des Datenschutzes direkt aus dem Fachverfahren. All dies ist eine enorme Arbeitserleichterung und ein Schritt in die Zukunft der Verwaltung“, betont Scheeres.

Zum Einsatz kommt die Software „SoPart“ der Firma GAUSS-LVS. Sie wurde laut Fraunhofer Fokus modular in den Aufgabenfeldern wirtschaftliche Jugendhilfe, Regionaler Sozialer Dienst, Kinderschutz, Vormundschaften, Beistandschaften, Unterhaltsvorschuss sowie bezirkliche und zentrale Jugendgerichtshilfe eingeführt und als weiterer Baustein in die Plattform integriert. Im nächsten Schritt ist eine Wirkungsmessung inklusive Evaluation der Hilfearten geplant.

Das Projekt

Das Projekt, das aus den Teil­projekten „Jugendhilfe“ und „Kita“­ besteht, läuft noch bis Ende Mai 2022. Zielsetzung ist, die IT-Fachverfahren und Dienste zu konsolidieren, zu standardisieren und zu modernisieren sowie diese in die IT-Plattform zu integrieren.

Fraunhofer Fokus begleitet das Projekt hinsichtlich Architekturmanagement, Geschäftsprozessmodellierung, Anforderungsmanagement, IT-Sicherheit, Datenschutz, Technologieentwicklung und Qualitätssicherung bereits seit 2004; „Herzstück ist die aus wieder verwendbaren Diensten und Komponenten bestehende serviceorientierte Referenzarchitektur (SOA)“, heißt es vonseiten des ­Instituts.

„Wir freuen uns sehr, dass der mehrstufige Rollout so gut gelungen ist“, kommentiert Dr. Jens Klessmann, Leiter des Geschäftsbereichs Digital Public Services. „Nach der Migration der Alt-­Daten ist die Lösung jetzt vollständig produktiv, damit haben wir mit unserem Ansatz eine funktionierende eGovernment-Dienste-­Architektur für das Berliner Jugendwesen geschaffen.“

Teilprojekt Kita noch in Arbeit

Derzeit noch in Arbeit ist das Teilprojekt Kita. Hier sollen die IT-Fachverfahren zur Kindertagesbetreuung und -pflege modernisiert werden, bereits eingeführt wurde der „Kita-Navigator“. Aufgrund der „besonderen organisatorischen und verwaltungstechnischen Anforderungen im Land Berlin“ wird die dafür benötigte Software als ­eigenständige eGovernment-Anwendung entwickelt. „Nutzerinnen und Nutzer dieses Verfahrens sind nicht mehr nur Sachbearbeiter in den Ämtern, sondern auch die freien Träger und die Bürgerinnen wie Bürger (Eltern)“, umreißt Fraunhofer Fokus die Komplexität der Anwendung. Aktuell werde die Kita-Software einem Re-Design unterzogen, um die weitere Zukunftsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der Software zu gewährleisten. Die Architektur werde dabei auf Micro-­Services und auf eine Containerplattform für den Cloud-Betrieb im ITDZ Berlin umgestellt.

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Über den Autor

 Susanne Ehneß

Susanne Ehneß

Ressortleiterin, eGovernment Computing, Healthcare Computing