Buhlen um die Gunst der Bürgermeister und Landräte Jetzt werden Messe-Besucher schon mit Bussen angekarrt

Redakteur: Gerald Viola

Jetzt geht es rund: Gleich vier Veranstalter wollen im kommenden Jahr Bürgermeister und Landräte auf acht Public-Sector-Messen für Kommunen locken. Die potenziellen Aussteller sind verunsichert und verärgert, denn die Stand-Verkäufer geben sich bei ihnen die Klinke in die Hand und versprechen viel ...

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Die Deutsche Messe setzt auf „zielgruppenspezifische Gewinnung von Fachbesuchern“
Die Deutsche Messe setzt auf „zielgruppenspezifische Gewinnung von Fachbesuchern“
( Archiv: Vogel Business Media )

Und das alles vor dem Hintergrund, dass im vergangenen Jahr die Komcom Ost in Leipzig abgesagt worden war. Der Markt schien also gesättigt zu sein, und deshalb kann man wohl davon ausgehen, dass in diesem Jahr durch den erhöhten Wettbewerbsdruck eine endgültige Marktbereinigung bevorsteht. Und genau deshalb ist den potenziellen Ausstellern unwohl, denn sie wissen nicht, auf welches Pferd sie setzen sollen.

Im Juli wurde der bisherige Komcom-Geschäftsführer damit zitiert, dass sein bisheriger Arbeitgeber die Rechte an der kommunalen IT-Messe an das Stuttgarter Unternehmen H & K Messe GmbH verkauft habe. Alle drei Komcom-Veranstaltungen würden planmäßig stattfinden.

Im August hieß es dann „April, April!“ Keine Rechte übernommen, die neue Komcom werde die Dikom sein, die sich der geplanten Komcom-Termine bediente, lediglich bei der Dikom-Süd Karlsruhe durch Frankfurt ersetzte.

Und dann überraschte die Komcom damit, dass auf der Website die Veranstaltungen für 2011 weiter angekündigt wurden, aber an mögliche Aussteller, Verbände und Referenten eine Einladung zu einem Partnertreffen in das Parkhotel Albrecht in Völklingen versandt wurde.

Zwischen Mittagsbuffet, Besichtigung des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Come Together mit Livemusik und Dinner mit begleitender Weinpräsentation will Komcom-Gründer und Geschäftsführer Klaus Ruffing am 23. September zwischen 14 und 16 Uhr eine neue strategische Partnerschaft und das neue Konzept der Komcom Nord verkünden und einen Workshop mit den geladenen Gästen veranstalten.

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Marktplatz für Kommunen in einer Neuauflage?

In der Einladung heißt es: „Mit der Komcom und dem neuen Partner bringen 2011 zwei Marktführer ihre Kompetenzen zusammen, um einen einzigartigen und zentralen Marktplatz für die Öffentliche Verwaltung zu schaffen.“

Marktplatz Kommunen? – Das gab es doch schon mal 2009 im Public Sector Parc der CeBIT. Sollten etwa Komcom und Deutsche Messe ...?

Wohl kaum, denn beim Public Sector Parc im kommenden Jahr wollen die CeBIT-Macher wohl die Vorherrschaft bei Städten, Gemeinden und Landkreisen erobern: „Kommune innovativ“ ist die neu kommunale Plattform, bei der es die deutsche Messe richtig krachen lässt.

Aus dem Marketing verlautet: „Der Public Sector Parc als erfolgreiche und beständige Fachmesse mit zukunftsfähigem Konzept bietet für den Ausstellungsbereich Kommune innovativ einen hochattraktiven Rahmen.“

Dazu lockt die Messe Aussteller mit zwei weiteren Leckerbissen:

  • Teilnahme im Gemeinschaftsstand ab 2.450 Euro und
  • als neuen Service ein Busshuttle: Messebesucher aus den Öffentlichen Verwaltungen verschiedener Bundesländer werden direkt nach Hannover zur CeBIT gebracht. Diese Aktion soll in Kooperation mit den Spitzenverbänden und interessierten Rechenzentren durchgeführt werden.

Der nächste Marketing-Superlativ kommt von den Machern der „Zukunft Kommune“: „Das Messe-Quartett bildet Deutschlands größtes Ereignis für den kommunalen Sektor!“ versprechen die Veranstalter für den 12. und 13. April in Düsseldorf.

Innovativ? Die Zukunft in vier Teilen

Dabei gliedert sich die Fachmesse in vier zeitgleiche Veranstaltungen:

  • Public IT – Fachmesse für kommunale IT-Lösungen und Dienstleistungen,
  • Public Energy – Deutschlands erste Fachmesse für kommunale Energielösungen & Umweltschutz,
  • Public11 – 3. internationale Fachmesse für Stadtplanung und öffentliche Raumgestaltung,
  • Sonderschau public licht.

Kein Wunder, wenn die potenziellen Aussteller, die mit ihren Angeboten die IT-Entscheider der Kommunen erreichen wollen, verunsichert sind und zögern, jetzt schon Messetermine für das kommende Jahr zu buchen. Auch wenn der Neuling Dikom schon im Sommer verkündete:

„Die Dikom Nord – Fachmesse für digitale Kommunen vom 16. bis 17. Februar 2011 stößt bei den IT-Anbietern für den Public Sector auf großes Interesse. Nur 14 Tage nach dem Markteintritt ist bereits mehr als ein Drittel der in Hannover zur Verfügung stehenden Ausstellungsfläche fest von Ausstellern, darunter Marktführern, gebucht.“

Toll, denn die Dikom-Veranstalter versprechen ja auch so allerlei. Werbekampagnen in den relevanten Fachmedien, eine hervorragende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationen mit allen bedeutenden Fachmedien, Zusammenarbeit mit Verbänden und nicht zuletzt ein aufwendiges Besuchermarketing. Und weiter:

„Ein qualitativ hochwertiges Telefonmarketing wird bereits zwei Monate vor der Messe starten, um die Entscheidungsträger vom Besuch der Messe zu überzeugen.“

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Wer ist der andere Marktführer?

Beim Veranstalter der Zukunft Kommune hört sich das Qualitätsbesucherversprechen so an: „Dazu geht der Veranstalter auch im Besuchermarketing neue Wege und greift auf ein bereits erprobtes und erfolgreiches Konzept aus dem Markt zurück.“

Ein erweitertes Vertriebsteam mit fundiertem Branchen-Know-how im kommunalen IT-Sektor sowie ein neugeschaffenes Besuchermarketing-Center sichere die Erschließung und Durchdringung des Marktes und gleichzeitig die gezielte Ansprache relevanter Besucher. Dabei liege der Fokus stark auf der Gewinnung neuer Besucher und Besucherzielgruppen sowie auf der Pflege bestehender Fachbesucher.

Telefonmarketing

Die direkte Kontaktaufnahme mit den Entscheidungsträgern und Mitarbeitern in den Städten und Kommunen sowie kommunalen Betrieben und Behörden werde durch das hauseigene Callcenter zu einer signifikanten Qualitätssicherung der Messe beitragen.

Kostenlose Eintrittskarten

Die Kommune innovativ im Public Sector Parc lockt neben den Shuttelbussen mit

  • rund 40.000 Fachbesuchern im Bereich CeBIT Gov,
  • Fachbesuchern, die zu 48 Prozent nur die CeBIT und keine weitere ITK-Messe besuchen, und
  • einem kostenlosen Kontigent an Fachbesuchertickets.

Und die Komcom will in der „Kooperation der Marktführer“ ein Konzept präsentieren, „das den Bedürfnissen von Ausstellern, Besuchern und Verbänden voll gerecht wird“. Und zwar 2011 drei Mal als „Leitmesse“.

Partnertausch

Da passt es gut, dass die Saarbrücker Messeveranstalter ihren künftigen Partner als „top secret“ behandeln. Wer spekulieren will: Die CeBIT ist es nicht, bliebe also noch der „Moderne Staat“. Oder doch nicht?

„Wir haben nichts damit zu tun“, verlautet aus Düsseldorf von Reed Exhibitions. Und wer bleibt da übrig?

Wie sagte ein Messeexperte zu eGovernment Computing? „Trennen Sie sich doch mal von der Vorstellung, dass der Marktführer aus dem Messebereich kommen muss. Es könnte beispielsweise auch ein Partner aus der Industrie sein ...“

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