Ein CIO für den Bund

IT-Steuerung aus einer Hand

15.12.2007 | Autor / Redakteur: Jon Abele / Manfred Klein

Die Modernisierung der Öffentlichen Verwaltung bleibt eines der vorrangigen Ziele der deutschen Innenpolitik.Litt die Verwaltungsmodernisierung in der Vergangenheit an fehlenden Strukturen, um Veränderungen zu managen, stand während der letzten zwölf Monate das Management der angestrebten Reformen im Mittelpunkt der Diskussion.

Optimistisch stimmen bei der Bewertung dieses Paradigmenwechsels vor allem folgende Faktoren:

  • die neue Arbeitsweise von Deutschland-Online und die Diskussion um eine veränderte IT-Steuerung im Rahmen der Föderalismuskommission II,
  • die Diskussion um den Bundes-CIO und die Ressort-CIOs zur optimierten IT-Steuerung,
  • die Einrichtung eines Shared-Services-Center-Lenkungskreises beim Bund auf Staatssekretärsebene, ?
  • ie Ernennung weiterer Länder-CIOs, in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Niedersachsen,?d
  • Gründung von ISPRAT als Plattform von Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik.?Ins
  • esondere das immer noch vorhandene Silodenken einzelner Verwaltungen erfordert jedoch eine grundlegende Reorganisation der administrativen Strukturen. Denn Deutschland braucht neben leistungsfähigen Verwaltungsstrukturen, die ebenenübergreifend Projekte und Veränderungen innerhalb und über Ressorts hinweg steuern können, eine transparente Kommunikation zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik. Hauptaufgabe eines Bundes-CIO wird es daher sein, diesen Anforderungen zu entsprechen und bereits gestartete Initiativen zügig umzusetzen.?

Der Bundes-CIO sollte mit der Unterstützung durch Ressort-CIOs die Steuerung der IT übernehmen, was einem jährlichen Budget von rund drei Milliarden Euro entspricht. Damit würde der Amtsinhaber nicht nur erheblichen Einfluss innerhalb der Bundesverwaltung gewinnen, die auch in den entsprechenden EU-Gremien als auch gegenüber den Ländern. Dies könnte die Bundesländer darin bestärken, ebenfalls einen eigenen CIO einzusetzen.

BearingPoint sieht für einen künftigen Bundes-CIO vier Handlungsmaximen: Kundenorientierung, Integration und Vernetzung, Effizienz und Wirtschaftlichkeit sowie Modernität durch Einsatz von IT und eGovernment.

Kundenorientierung – der Bürger im Fokus der Verwaltung

Obwohl die Bedeutung der Kundenorientierung seit langem bekannt ist, werden immer noch vereinzelt Projekte geplant, die Kundenanforderungen nicht ausreichend berücksichtigen. Studien zur Kundenzufriedenheit zeigen, dass die Bürger in erster Linie an einer schnellen Bearbeitung ihres Anliegens interessiert sind. Wegweisend sind deshalb Projekte wie die einheitliche Servicenummer 115 und das Bürgerportal, die den Kunden einen einfachen und direkten Zugang zur Verwaltung ermöglichen. Dagegen dominiert bei der Industrie der Wunsch nach effizienten Verfahren zur Senkung der Bürokratiekosten. In diese Richtung weist sowohl die von der Verwaltung angestrebte Reduzierung dieser Kosten um 25 Prozent als auch die geplante Prozesskettenoptimierung zwischen Wirtschaft und Verwaltung, etwa mit der Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie. Eine solche Orientierung an den Kundenwünschen sollte daher zu einer deutlichen Steigerung der bislang geschätzten 1,8 Verwaltungskontakte je Bürger pro Jahr führen.

Die Tatsache, dass jeder Bürger täglich zahlreiche Kontakte mit der Öffentlichen Verwaltung hat, vom öffentlichen Schülerverkehr, den Schulen, über die Benutzung öffentlicher Straßen bis zur Nutzung des öffentlich regulierten Gesundheitswesens, eröffnet dazu eine Chance. Hier bietet insbesondere die Web-2.0-Technologie vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung von Service und Kundenorientierung. Das Beispiel Kanada zeigt, wie die Kundenorientierung der Verwaltung evaluiert und verbessert werden kann. Dort werden Bürger und Unternehmen im jährlichen Wechsel zu ihrer Zufriedenheit befragt. Die Einbindung der Bürger in administrative Veränderungen erhöht dabei nicht nur die Zufriedenheit mit der Verwaltung, sondern schafft gleichzeitig eine hohe Akzeptanz für weitere Verwaltungsreformen.

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