Cyber Security und eGovernment

„IT-Sicherheit ist Baustein der Verwaltungsreform“

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Heißt das, dass Cyber Security ein Baustein einer vernetzten Verwaltung ist? Was bedeutet das für die anderen Bausteine und das Konzept der vernetzten Verwaltung in seiner Gesamtheit? Kann zur Prozessoptimierung dann überhaupt noch „auf gesellschaftlich verfügbares Wissen“ zurückgegriffen werden? Sind Open Data, Open Government, überhaupt partizipative, maßgeblich über das Internet organisierte Gesellschaftsmodelle dann noch denkbar?

Zapp: Um heute erfolgreich Staatlichkeit zu gestalten, muss man Wertschöpfungs- und Informationsketten strategisch öffnen und offene Ökosysteme bauen. Dazu muss es gelingen, das implizite Wissen der Verwaltungsmitarbeiter zu aggregieren sowie die Wirtschaft und den Bürger in den Wertschöpfungsprozess zu integrieren.

Dafür braucht es – nach meiner Ansicht – weniger neue singuläre Reformprogramme als vielmehr eine Umorientierung der Verwaltung hin zu einer effizienten, bürgernahen und offenen „Gesamtveranstaltung“. Und die Betonung liegt hier eindeutig auf dem „Gesamt“.

Ziel ist letztlich, die vernetzte Verwaltung mit durchgängigen Prozessen ohne Medienbrüche.

Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung wirtschaftlicher Infrastrukturen und der angespannten Haushaltslagen wird sich der Erfolg einer am Bedarf und Kundennutzen orien­tierten Modernisierung weniger an der Leistungsfähigkeit einzelner Behörden auf Bundes-, Länder- oder Kommunalebene bemessen, sondern vor allem an der Produktivität, der Flexibilität und der Wirtschaftlichkeit der Verwaltung im Verbund, in kooperierenden Prozessen und Netzwerken.

Wir brauchen also eine offene und durchgängige Verwaltung, die mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien die koordinierte Kooperation und Vernetzung zur Grundlage und zum Ziel ihres Leistungsangebotes macht. Dies schließt die interaktive Nutzung gesellschaftlich verfügbaren Wissens und Engagements über digitale und analoge Kanäle natürlich ein: Die Bürgerhaushalte in Köln und Hamburg oder der Wettbewerb „Apps für Deutschland“ sind da nur erste Beispiele des Mitmachstaats.

Basiselemente von Vernetzung sind durchgängige Prozesse mit definierten standardisierten Schnittstellen. Der notwendige Perspektivenwechsel bedeutet also, weg von Insellösungen hin zur Prozessorientierung zu kommen. Gerade vor dem Hintergrund von Open Government muss dieser Wandel konsequent angegangen und umgesetzt werden.

Das vom Kabinett beschlossene eGovernment-Gesetz für Deutschland lässt da hoffen. In seiner geplanten Form ist das Gesetz ein weitreichender Beitrag zur IT-gestützten Öffnung der Verwaltung und zur Optimierung ihrer Abläufe.

Diese neue Art der Offenheit und Durchgängigkeit muss aber auch sicher sein. Es gibt klarerweise das Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und einer notwendigen Offenheit, insbesondere wenn man an die Themen Open Data, Open Government und Bürgerbeteiligung innerhalb der Öffentlichen Verwaltungen denkt oder an Kundenportale und Online Shops der Wirtschaftsunternehmen. Offenheit ist ein Wettbewerbsvorteil und ein Muss auch für die Öffentliche Verwaltung.

Damit wird aber das Management von Offenheit zur Herausforderung. Nur ein umfassender Ansatz, der strategisch priorisiert, was unbedingt geschützt werden muss, und der alle einzelnen Schutzmaßnahmen integriert, kann das Funktionieren von Geschäfts- und Verwaltungsprozessen nachhaltig gewährleisten.

Die Entscheider in Politik und Verwaltung haben also sehr spannende Herausforderungen vor sich. Wir haben uns damit lange auseinandergesetzt und mit „Bausteine für eine vernetzte Verwaltung” ein Handbuch für diese neue Welt vorgelegt.

Herr Zapp, wenn Sie einen kleinen Ausblick in die Zukunft wagen sollten: Welche Herausforderungen muss die Öffentliche Verwaltung bei ihren Modernisierungsprojekten in den kommenden Monaten meistern?

Zapp: Das Internet hat unserer Zeit eine völlig andere Logik verpasst. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte ist vernetzte Kollabora­tion über Zeit und Raum hinweg im großen Stil möglich.

Doch diese vernetzte Welt braucht neues Denken, ein Denken, das gesicherte Offenheit als Instrument einsetzt, um neue Wertschöpfungsketten auszugestalten. Konkret heißt das, dass wir zukünftig vor allem zwei Vorhaben unterstützen sollten: Das neue eGovernment-Gesetz und eine Allianz für Cyber-Sicherheit.

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