eGovernment-Interview

IT-Infrastrukturen sicher und wirtschaftlich machen

30.07.2009 | Redakteur: Gerald Viola

Der Weg zur elektronischen Verwaltung in Berlin
Der Weg zur elektronischen Verwaltung in Berlin

Unter seiner Leitung wurde das Telekommunikationsnetz des Landes Berlin realisiert, als Geschäftsbereichsleiter für Sprach- und Datenkommunikation war er maßgeblich an der Planung und Umsetzung des Berlin-Telefons beteiligt, seit November 2005 ist er Vorstand des ITDZ Berlin.

eGovernment Computing sprach mit Konrad Kandziora über die Einführung einer serviceorientierten Architektur.

Warum entschied sich das ITDZ Berlin 2005 für eine service-orientierte Architektur (SOA)?

Kandziora: Den Stein ins Rollen brachte die Anfrage einer Berliner Behörde nach einer Lösung zur elektronischen Dokumentenbearbeitung für die Umsetzung eines Pilotprojekts. Uns war klar, dass zahlreiche ähnliche Anfragen folgen würden, die auf eine flächendeckende Einführung elektronischer Akten im Land Berlin hinauslaufen.

Für diesen organisatorisch und technisch anspruchsvollen Wechsel wollten wir unseren Kunden eine sowohl einheitliche als auch flexible Lösung bieten, die wirtschaftlichen Nutzen verspricht.

Alle Vorteile fanden wir in einem Architekturansatz vereint, der auf die lose Kopplung wiederverwendbarer Funktionskomponenten setzt. Jede dieser Komponenten, wie beispielsweise die Dokumentenverwaltung, die Signaturprüfung oder die revisionssichere Aufbewahrung, kann dabei unabhängig von dem jeweiligen Fachverfahren genutzt werden. Den Nutzern werden die einzelnen Module zentral als Webservice zur Verfügung gestellt. Sowohl der zeitliche, als auch der wirtschaftliche Aufwand für Betrieb und Wartung der Komponenten entfallen so auf Kundenseite. Durch zentrale Steuerung sind sie zudem leichter zu administrieren.

Genau genommen haben wir uns 2005 damit aber gar nicht explizit für eine SOA entschieden, denn der von Gartner Group geprägte Begriff setzte sich erst später durch. Die von uns verfassten Beschreibungen der geeigneten Infrastruktur, der Softwarekonzepte sowie der wirtschaftlichen Modelle können jedoch unter dem Begriff SOA zusammengefasst werden.

Was ist die größte Herausforderung beim Aufbau einer SOA?

Kandziora: Bevor man eine SOA-basierende Lösung in einer Behörde oder einem Unternehmen implementiert, sollte man beachten, dass dies im ersten Schritt ein organisatorischer Prozess ist. Denn die Basis ist ein Managementkonzept, das die Verteilung, Standardisierung und Wiederverwendbarkeit von Funktionen und damit die Delegation von spezifischen Aufgaben beschreibt.

Die Ausgangsfrage lautet also: Wer erbringt bislang welche Dienstleistung für wen und wie kann die neue Softwarearchitektur Arbeitsprozesse vereinfachen? Aus den Antworten lassen sich die technischen Anforderungen ableiten.

Dabei sollten möglichst viele Mitarbeiter in die organisatorische und technische Umstellung ihrer Institution einbezogen werden. Denn neben der Arbeit mit einer neuen Software kann die neue Organisation für den Nutzer auch bedeuten, dass er bislang am eigenen PC erbrachte Dienste und Leistungen delegiert. So ermöglicht es das Outputmanagement, Dokumente elektronisch an das ITDZ Berlin zu übergeben, welches diese dann ausdruckt, kuvertiert und versendet. Bislang hat der Nutzer dies selbst am Arbeitsplatz erledigt. Nun soll er seine Kontrolle des Arbeitsprozesses in Teilen abgeben. Ein starkes Vertrauensverhältnis zwischen Dienstanbieter und Dienstnutzer ist hierfür eine wichtige Basis, die es kontinuierlich und mit großem Engagement aufzubauen und aufrecht zu erhalten gilt.

Welche Stärken und Schwächen zeigt der SOA-Ansatz in der Umsetzung?

Kandziora: Die Etablierung des Systems ist in einem Entwicklungsstadium, in dem es noch schwierig ist, verbindlich Stärken und Schwächen zu identifizieren. Doch zeichnen sich bereits heute einige Aspekte ab, die benannt werden können.

So gilt es für den IT-Dienstleister, der eine SOA-basierende Lösung betreibt, Anforderungen an den internen Organisationsaufbau zu beachten. Sind die betrieblichen Zuständigkeiten zuvor häufig entlang der in sich abgeschlossenen Fachverfahren verteilt, sollten sie – dem Grundprinzip der SOA folgend – dann den einzelnen Diensten zugeordnet werden. Auch wird der für den Betrieb des Dienstes Verantwortliche im Querschnitt alle notwendigen Werkzeuge, wie beispielsweise Datenbanken und Application Server administrieren müssen. Hier könnte sich Fortbildungsbedarf ergeben. Bei der Realisierung eines Dienstes sollte man zudem im wirtschaftlichen Sinne der Wiederverwendbarkeit und Wartbarkeit einen möglichst hohen Grad an Standardisierung und Optimierung erreichen.

Bereits heute kristallisiert sich einer der zuvor angesprochenen Vorteile der SOA heraus: Die Verwendung standardisierter Infrastruktur- und Sicherheitskomponenten sowie Technologien macht den Betrieb der Dienste wirtschaftlicher.

Würden Sie sich heute wieder für diese Lösung entscheiden?

Kandziora: Auf jeden Fall!

Doch wird keine serviceorientierte Architektur erfolgreich sein, bei der innerhalb der Organisation zuvor nicht die bereits geleisteten Dienste auf ihre Verteilung, Standardisierung und Wiederverwendbarkeit hin untersucht wurden.

 

Technische Umsetzung einer SOA am Beispiel der „eGovernment Suite“ des ITDZ Berlin

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