Best Practice: eVergabe des Bundes

IT-Fachverfahren ohne Engpässe weiterentwickeln

| Autor / Redakteur: Ralf Gerstenberger* / Regina Willmeroth

Einsatz von systematischem Requirements Engineering zur erfolgreichen Umsetzung komplexer Fachanforderungen in der Software-Entwicklung
Einsatz von systematischem Requirements Engineering zur erfolgreichen Umsetzung komplexer Fachanforderungen in der Software-Entwicklung (© adesso)

Vorgehensmix

AnA-Web wurde in einer Kombination aus sequenziellem und agilem Vorgehen entwickelt. Die sequenziellen Bestandteile Analyse und Konzeption sowie Test und Abnahme bildeten dabei eine Klammer um die agile Software-Entwicklung. Das gewählte Vorgehen fügte sich in den Rahmen von V-Modell XT ein. Im Vorgehensmodell der Bundesverwaltung lassen sich agile Ansätze gut integrieren, zumal es eine grundsätzlich vergleichbare iterative, inkrementelle Entwicklung vorsieht.

In der Analyse- und Konzeptionsphase von AnA-Web hat der Requirements Engineer sowohl die Stakeholder der Fachseite als auch die Benutzerwelt einbezogen, um die vielfältigen Wünsche und Bedürfnisse möglichst frühzeitig ermitteln zu können. Zudem wurden Kollegen der späteren Software-Entwicklung eingebunden, um ­valide Aussagen zur technischen Machbarkeit zu treffen. Der Require­ments Engineer war für die Erstellung des Lastenhefts verantwortlich. Darin wurden die festgelegten Ziele, Anwendungsfälle und Anforderungen in Abstimmung mit den Beteiligten umfassend und nachvollziehbar beschrieben. Dafür wurde ein Detaillierungsgrad gewählt, der einen zügigen Prüfungs- und Abstimmungsprozess zuließ.

Vor der eigentlichen Entwicklung wurde ein Usability-Prototyp von AnA-Web erstellt. Die Beteiligten konnten sich somit frühzeitig ein Bild von der Oberfläche machen und mit ersten Szenarien experimentieren. Das gemeinsame Verständnis zu den Anforderungen wurde dadurch vertieft. Zudem wurde konstruktives Feedback bei einem Testlauf von Benutzern aus der Praxis eingeholt.

Die anschließende agile Umsetzung erfolgte in Anlehnung an ­Scrum. Die Inhalte aus dem Lastenheft wurden in kleinteiligen Spezifikationseinheiten („User ­Stories“) in das sogenannte „Product Backlog“ eines elektronischen Scrum Boards überführt. In kurzen Entwicklungsiterationen („Sprints“) wurden die Funktionen und Masken des Usability-Prototyps inkrementell erweitert. Für die Scrum-Rolle „Product Owner“ fungierte der Requirements Engineer als Bindeglied zwischen den fachlichen Hauptansprechpartnern des Beschaffungsamts und dem Entwicklungsteam. Während der Umsetzung konnte er Klärungen in enger Zusammenarbeit mit ­beiden Seiten kurzfristig herbeiführen.

Nach jedem Sprint präsentierte das Entwicklerteam den relevanten Stakeholdern die Zwischenergebnisse. Auf diese Weise konnte das Beschaffungsamt den Entwicklungsverlauf von AnA-Web nah verfolgen und bei Bedarf einlenken. Das selbst­organisiert arbeitende Entwicklerteam konnte den Freiraum der Detailspezifikation nutzen und sich kreativ in die Entwicklung einbringen. Das wirkte sich selbstverstärkend auf die Motivation im Team und nicht zuletzt auf die Produktqualität aus.

Der Autor: Ralf Gerstenberger
Der Autor: Ralf Gerstenberger (© adesso)

In der abschließenden Test- und Abnahmephase konnten Testfälle aus den Sprinttests effizient nachgenutzt werden. Letztlich wurden die Anforderungen aus dem fortgeschriebenen Lastenheft verifiziert.

Fazit

Das konsequent – in einer explizit von IREB-zertifizierten Experten besetzten Rolle – durchgeführte Requirements Engineering hat den Auftraggeber auf der Fachseite entlastet. Der systematische Umgang mit Anforderungen hat im gewählten Vorgehen unter enger Einbeziehung der Stakeholder zum Projekterfolg beigetragen. Die Modernisierungsmaßnahme konnte im Rahmen der komplexen Pflege und Weiterentwicklung der eVergabe in hoher Qualität abgeschlossen werden. AnA-Web wurde mit einer zielgerichteten, ansprechenden Benutzerführung in Betrieb genommen.

* Der Autor: Ralf Gerstenberger, Senior Consultant Public, adesso AG

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