Der IT-Kuchen wird (neu) verteilt IT-Dienstleister Dataport ist auf dem Weg nach Süden

Redakteur: Manfred Klein

Die Landschaft der IT-Dienstleister ist erneut in Bewegung geraten. Dataport und Sachsen-Anhalt prüfen eine mögliche Kooperation. Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Verhandlungen erfolgreich sein werden. Auf der CeBIT wurden bereits erste Stimmen laut, dem zunehmenden Gewicht der Nordländer entgegenzutreten. Ein ähnlicher Verbund im Süden der Republik sei sinnvoll.

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Jörg Felgner, CIO von Sachsen-Anhalt, sieht zu IT-Kooperationen keine Alternative (Foto: Finanzministerium Sachsen-Anahlt)
Jörg Felgner, CIO von Sachsen-Anhalt, sieht zu IT-Kooperationen keine Alternative (Foto: Finanzministerium Sachsen-Anahlt)

Anzeichen für eine solche Entwicklung gibt es bereits. So arbeiten das Saarland und seine Nachbarn bereits in vielen Fachverfahren eng zusammen:

  • mit Rheinland-Pfalz in den Bereichen Steuer-IT, Rechenzentrum, Datennetze und Polizei,
  • mit Baden-Württemberg in den Bereichen Personalmanagement, BAFöG und Beihilfe,
  • mit Hessen bei der Abwicklung der Steuer-IT und beim Betrieb eines Rechenzentrums sowie
  • mit Thüringen bei der Abwicklung des Haushaltsmanagements.

Aber egal, wer mit wem kooperiert, die Gründe für eine Zusammenarbeit gleichen sich. Jörg Felgner, CIO von Sachsen-Anhalt: „Hintergrund sind zum einen die demografische Entwicklung im Öffentlichen Dienst und zum anderen die mittel- und langfristigen Bemühungen zur Konsolidierung des Landeshaushalts, verbunden mit einer kostenbewussten Erledigung der IKT-Aufgaben. Für eine effektive Aufgabenerledigung mit dem Ziel der Schaffung wirtschaftlicher Synergien ist perspektivisch betrachtet eine Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern und deren Rechenzentren ein aus meiner Sicht unumgänglicher Prozess.“

Es werde daher künftig weniger staatliche Rechenzentren geben. Bereits heute sei erkennbar, dass viele Länder mit ihren landeseigenen Rechenzentren die Aufgaben mittel- bis langfristig nicht mehr oder nur schwer allein bewältigen können. Und die Privatisierung der Rechenzentren sei aufgrund der spezifischen Anforderungen der Verwaltung nur eingeschränkt, in vielen Bereichen gar nicht möglich.

Auslöser hierfür seien – neben den bereits genannten demografischen und haushaltspolitischen Gründen – die zunehmend kompxer werdenen IT-Anforderungen an das Land Sachsen-Anhalt.

Felgner weiter: „Das Land Sachsen-Anhalt ist bestrebt, diese Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen und einer optimalen Lösung zuzuführen. Für eine effektive Aufgabenerledigung mit dem Ziel der Schaffung wirtschaftlicher Synergien ist daher perspektivisch betrachtet eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern und deren Rechenzentren ein aus meiner Sicht unumgänglicher und erforderlicher Prozess.“

Komplexe Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen

Die Ziele der angestrebten Kooperation beschreibt Felgner so: „Seit 1993 betreibt das Land Sachsen-Anhalt für die Zwecke der Verwaltung und der Polizei ein Landesdatennetz. Zunehmend komplexer werdende Anforderungen machen eine Erneuerung dieser Datennetz- und Sprachkommunikationsinfrastrukturen unumgänglich.“

Sachsen-Anhalt habe zudem in den letzten Jahren die für die elektronische Abbildung von Verwaltungsverfahren notwendigen eGovernment-Basiskomponenten aufgebaut, beispielsweise die virtuelle Poststelle und den Formularserver. Durch die zunehmend vielschichtigeren Verfahren und Ansprüche im eGovernment-Bereich seien die damit verbundenen Aufgaben im Alleingang immer schwerer zu bewältigen.

„Die langjährigen Erfahrungen von Dataport könnten das Land bei der Zielerreichung im IKT-Bereich schneller voranbringen. Sachsen-Anhalt könnte auf bestehende und bewährte Prozesse und Strukturen aufsetzen.“

„Eine länderübergreifende Kooperation ist daher eine gute Lösung, um durch Synergien ein effizientes, kostengünstiges Arbeiten zu ermöglichen“, so Felgner. „Durch einen zentralen IT-Dienstleister, wie ihn etwa Dataport darstellt, können auf der einen Seite Verfahren länderübergreifend abgestimmt und synchronisiert, auf der anderen Seite Länderspezifika und föderale Individualitäten hinreichend berücksichtigt werden.“

Die juristischen Hürden auf diesem Weg mögen lästig sein, unüberwindlich sind sie nicht. So müssten – damit Sachsen-Anhalt Dataport-Mitglied werden kann –, der Landtag von Sachsen-Anhalt und die Parlamente der bisherigen Träger, also Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, zustimmen.

Dazu Dataport: „Die Gesetzgebungsverfahren, die für eine Erweiterung des Trägerkreises von Dataport notwendig sind, sind sicherlich aufwendig, die notwendige Konsensbildung führt aber auch zu einer breit getragenen Legitimation für das Unternehmen – dafür sind wir dankbar. Zurzeit prüfen wir die Auswirkungen eines Beitritts von Sachsen-Anhalt auf alle Beteiligten.“

Und: „Schon seit der Gründung von Dataport im Jahr 2004 konnte nachgewiesen werden, dass durch eine arbeitsteilige Kooperation der Träger und die Nutzung des gemeinsamen IT-Dienstleisters Effizienzsteigerungen von 15 bis 20 Prozent möglich sind. Darüber hinaus wird die demografische Entwicklung in Verbindung mit der zunehmenden Vielfalt informationstechnischer Lösungen dazu beitragen, dass kleinere IT-Häuser immer weniger in der Lage sein werden, umfassende Dienstleistungen anzubieten.“

„Wirtschaftliche Synergien und ein verlässliches Leistungsangebot sind also die bestimmenden Faktoren für die Prüfung eines möglichen Beitritts von Sachsen-Anhalt zu Dataport. Die vorläufigen Analysen geben bereits Hinweise darauf, dass bei einem Beitritt sowohl Sachsen-Anhalt, wie auch die bestehenden fünf Trägerländer von Dataport einen nachweislichen und nachhaltigen Vorteil gewinnen würden – eine klassische Win-Win-Situation. Wir gehen davon aus, dass die weiteren Untersuchungen diesen ersten Eindruck bestätigen werden“, heißt es dazu von Dataport abschließend.

Und auch in Sachsen-Anhalt sieht man den Verfahrensfragen entspannt entgegen: „Die Reaktionen im politischen Raum waren bislang vorwiegend positiv. Natürlich müssen sich alle beteiligten Länder auch mit den Auswirkungen auf ihre jeweilige Trägereigenschaft, die künftige Zusammenarbeit und auf Dataport auseinandersetzen. In den nächsten Wochen und Monaten geht es darum, dass Sachsen-Anhalt in Gesprächen mit den Trägerländern aufzeigt, das alle Länder von den Synergieeffekten eines möglichen weiteren Mitgliedslandes profitieren können“, so Felgner.

Gespannt darf man jetzt vor allem sein, wie der Freistaat Bayern mit der AKDB, Hessen und Baden-Württemberg auf die Entwicklung reagieren und wer die „Südlichter“ gegen die Nord-Allianz mit Dataport anführen will.

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