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Was leistet ein modernes Verkehrsmanagement auf Autobahnen? IP-Netze – Hightech für die Highways

| Autor / Redakteur: Matthias Wippenbeck / Gerald Viola

Über 14.025 Kilometer Stau registrierte der ADAC im Sommer 2008 auf deutschen Autobahnen. Dies entspricht der Strecke Berlin-Chicago und zurück. Dabei können Staulänge- und anzahl reduziert werden – mithilfe der IP-Technik. Dies beweist seit November 2007 das Verkehrsleitnetz der Autobahnen rund um Basel, die von telent auf den neuesten technischen Stand gebracht wurden.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Nach einmonatigem Testbetrieb konnte das hochmoderne IP-Netz ohne Beanstandung erfolgreich in Betrieb genommen werden. Das Ergebnis: Weniger und kürzere Staus, mehr Sicherheit, und im Ereignisfall kann die Polizei jetzt schneller reagieren. Ein Modell für Deutschland?

Von der Verkehrsleitzentrale der Polizei werden die Straßen im Großraum Basel rund um die Uhr über Video mit rund 200 Kameras überwacht. Bei Bedarf können zusätzlich besondere Aufgaben übernommen werden – etwa wenn einer der zahlreichen Autotunnel saniert wird. Sämtliche Informationen für die Stauwarnung, Verkehrslenkung und Geschwindigkeitsregelung laufen zentral zusammen, um bei Überlastungen alle nötigen Sicherheitsmaßnahmen zu treffen.

Das Fahrzeugaufkommen wächst stetig im Drei-Länder-Eck Schweiz, Deutschland, Frankreich. Bis Ende 2009 werden deshalb die sicherheitsrelevanten Anlagen und das vorhandene Telekommunikationsnetz, das die Video-, Sprach- und Verkehrsleitinformationen überträgt, den wachsenden Verkehrsströmen angepasst und ausgebaut. Das gilt auch für eine moderne Tunnelsteuerung.

Rund um Basel gibt es viele „Kunstbauten“ wie Brücken und Tunnel. Sie brauchen ein sicheres System. Wie langwierig ist es, die Tunnelsicherheit zu verbessern, zeigt der jährliche ADAC-Test. Die jüngste Studie des ADAC vom April 2009 zeigt erstmals nach elf Jahren überwiegend gute Ergebnisse. Einzige Ausnahme bildet der Schweizer Tunnel Vue-des-Alpes, dessen Sicherheit als „ausreichend“ bewertet wurde. Das Projekt Basel zeigt, wie sinnvoll der Einsatz von IP-Technik für eine moderne Tunnelsteuerung und Schnellstraßenüberwachung ist.

Ist Basel ein Modell für die deutsche Verkehrsleitung?

Ja, die Vorteile kennen wir aus Basel. Im Kern geht es darum, alle verkehrsrelevanten Daten in einer Zentrale – etwa bei der Polizei – sekundenschnell zur Verfügung zu haben, um dann zu handeln. Denn ähnlich wie Basel, das als Dreiländereck einen permanenten Brennpunkt bildet, könnte auch in Deutschland die IP-Technik insbesondere in typischen Stauzonen eingesetzt werden.

Zu den Top-3-Stauzonen zählen Autobahnabschnitte auf der A8 Karlsruhe – Salzburg, der A1 Hamburg – Köln und der A9 Berlin – München. Auf diesen und auf anderen Strecken werden die Staus zunehmen. Die Zahlen sprechen dafür.

Im Frühjahr 2009 brummten laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 58 Millionen deutsche Kraftfahrzeuge über unsere Straßen und Autobahnen. 1987 waren es rund 41 Millionen: eine Zunahme um über 40 Prozent in 22 Jahren – Tendenz steigend. Bei dieser Entwicklung (ausländische Fahrzeuge nicht mitgerechnet) des überörtlichen Verkehrs konnte der Ausbau des Straßennetzes nicht Schritt halten.

Die Folgen: mehr und längere Staus, kaputte Straßen, viele Baustellen und fehlende Sicherheit.

Viele der Folgen des Fahrzeug-Booms lassen sich mit IP-Kommunikationsnetzen im modernen Verkehrsmanagement verbessern. Grundsätzlich stehen bei telent vier Ziele im Fokus: die Erhöhung der Sicherheit durch frühzeitige Warnhinweise, die Verbesserung des Verkehrsflusses durch Maßnahmen wie intelligente Umleitungen und Standstreifenfreigabe, die Klarheit bei der Kontrolle von Zugängen zu Umweltzonen. Und darüber hinaus die Optimierung der Informationen für die Verkehrsteilnehmer.

Um die genannten Ziele erreichen zu können, muss die Situation auf den Straßen erfasst und an eine Zentrale übermittelt werden. Aus den gesammelten Informationen können dann Aktionen abgeleitet werden wie die Steuerung von dynamischen Verkehrsschildern oder Lichtsignalanlagen. Möglich ist auch die Weitergabe von Warnhinweisen und Stauinformationen über Radio und Mobilfunk an alle Verkehrsteilnehmer. Dazu müssen Organisationen wie kommunale Behörden, Autobahnbehörden, Polizei und Wetterdienst zusammen arbeiten.

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