Vitako-Positionspapier zu OZG-Umsetzung

Interoperable Postfächer und Servicekonten als eGovernment-Treiber

| Autor: Manfred Klein

Der Bundesverband begrüßt die Einführung von Servicekonten, hat aber dazu aber auch eigene Vorstellungen entwickelt
Der Bundesverband begrüßt die Einführung von Servicekonten, hat aber dazu aber auch eigene Vorstellungen entwickelt (© nirutft – stock.adobe.com)

Servicekonten und -Postfächer werden vermutlich entscheidend dazu beitragen, ob die im Zuge der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes implementierten eGovernment-Dienste ein Erfolg werden. Die Bundes-Arbeitsgemeinschaft der kommunalen IT-Dienstleister e.V., Vitako, hat dazu jetzt ein Positionspapier veröffentlicht.

Man kann die OZG-Umsetzung auch als das größte IT-Konsolidierungsprojekt der Republik lesen. Entsprechend kommen immer wieder mal Ängste vor einer großen Vereinheitlichung hoch, die gewachsene Strukturen rigoros über einen Kamm scheren und so – je nach Lesart – entweder den IT-Mittelstand oder die IT-Dienstleister der öffentlichen Hand marginalisieren. Diesmal hat es die Vitako erwischt. Mit dem Positionspaper zu „Interoperablen Postfächern und Servicekonten“ warnt der Verein davor, die vielen kommunalen Lösungen unberücksichtigt zu lassen.

So heißt es im Positionspapier: „Vitako begrüßt die Umsetzung des Online-Zugangsgesetzes und die Schaffung des Portalverbunds. Wir weisen darauf hin, dass vorhandene Lösungen aus dem kommunalen Raum in den Portalverbund integriert werden müssen.“ Man dürfe die Vorreiter der Digitalisierung aber nicht dadurch bestrafen, dass neue Konzepte zur Interoperabilität von Servicekonten alte vernichten würden. Dies würde im Übrigen auch hohe Investitionen zunichtemachen, so die Autoren des Vitako-Papiers.

Durch Interoperabilität entstehe zudem ein Wettbewerb der Ideen um gute Lösungen zwischen den Anbietern von Servicekonten. Ziel müsse es daher sein, gemeinsame Standards zu entwickeln. Dabei sollte, so die Autoren des Positionspapiers, auf vorhandene Industriestandards wie beispielswiese SAML und eDelivery gesetzt werden, statt proprietäre Lösungen zu entwickeln.

Das Positionspapier macht jedoch auch Vorschläge wie die künftigen Servicekonten und -Postfächer ausgestaltet werden sollten. So heißt es zu den für ein Servicekonto notwendigen Rechte- und Rollenkonzepten: „Zur Frage, wie eine Nutzerverwaltung umgesetzt wird oder wie ein Rechte- und Rollenkonzept gestaltet werden kann, wie sie im IT-Planungsrat diskutiert worden ist, wurde noch keine konkrete Festlegung getroffen. Einigkeit bestand hingegen darin, dass die bereits in Kommunen bestehenden Servicekonten einfach an den Verbund angeschlossen werden können müssen und damit getätigte Investitionen nicht verloren gehen. Dies ist aus unserer Sicht begrüßenswert.“

Allerdings sei festzustellen, dass es, obwohl eine praktische Lösung für ein Organisationskonto vorliegt, im IT-Planungsrat dafür noch kein abgestimmtes Konzept gebe. Bereits praktisch auf kommunaler Ebene vorhandenen Servicekonto-Architekturen im Bereich der Organisationskonten seien aufgrund unterschiedlich umgesetzter Rechte- und Rollenkonzepte aber nur bedingt kompatibel.

Zur Umsetzung der geforderten Kompatibilität heißt es im Positionspapier: „Wir schlagen daher in einem ersten Schritt ein Rechte- und Rollenkonzept vor, das auf den beiden Rollen ‚Administrator‘ und ‚(fachlicher) Benutzer‘ beruht, wobei fachliche Nutzer die tatsächlich stellvertretend für eine Organisation handelnden natürlichen Personen sind und die Rolle ‚Administrator‘ zusätzlich dazu berechtigt, das Konto a) anzulegen und b) weitere natürliche Personen mit dem Konto zu verknüpfen und sie so zu stellvertretenden Handlungen zu befähigen. Dieser Vorschlag hat aber keine unmittelbare Wirkung auf die föderalen Anforderungen an Servicekonten im Portalverbund. Denn unabhängig davon, ob ein Rechte- und Rollenkonzept umgesetzt wird, kann und muss Interoperabilität der Servicekonten gewährleistet werden.“

Zur Ausgestaltung der Postfächer äußern sich die Autoren so: „Aus unserer Sicht gehört eine Postfach-Funktionalität perspektivisch zu jedem Servicekonto.“ Vitako begrüße daher die vom IT-Planungsrat beschlossene Einführung einer Postfach-Funktion als weiteren Basisdienst neben der bestehenden Authentisierungs-Funktion für Servicekonten.

„Die Schaffung einer temporären Übergangslösung mittels Innovationsadapter, wie er in der Projektgruppe eID-Strategie diskutiert wurde, halten wir in einer Übergangsphase für angemessen, um den Benutzern zügig interoperable Postfächer zugänglich zu machen. Um die Übergangslösung benutzerfreundlich zu gestalten, halten wir für unabdingbar, dass die Nutzer eine Möglichkeit erhalten, ihre lokal angelegten Postfächer einzusehen. Eine Übersicht an zentraler Stelle vorzuhalten, wie es in der Projektgruppe eID-Strategie diskutiert wurde, widerspricht nach unserer Auffassung dem dezentralen Ansatz von Servicekonten. Aus Sicht der IT-Dienstleister ist es notwendig, eine technische Lösung zu finden, die eine Kommunikation von Postfächern unterschiedlicher Servicekonten erlaubt.“

Ein Aspekt, der bei Fragen zur OZG-Umsetzung gerne vergessen wird, ist – auch vor dem Hintergrund etwa der eIDAS-Verordnung der EU-Kommission – die notwendige Einbindung der Lösungen in einen europäischen Rahmen. Darauf weist auch das Vitako-Positionspapier hin: „Die Europäische Kommission hat sich im Programm „Connecting Europe Facility“ (CEF) mit der Übermittlung von elektronischen Nachrichten und Dokumenten über die Grenzen der Mitgliedsstaaten hinweg beschäftigt. Aus Sicht von Vitako ist es geboten, sich mit solchen vorhandenen Konzepten auseinanderzusetzen und geeignete Lösungen zu adaptieren. Internationale Standards können die Nutzung von digitalen Verfahren und Interoperabilität erleichtern. Für die Postfachfunktionalität von Servicekonten würden sich Anleihen beim CEF eDelivery-Konzept anbieten.“

Das Vitako-Positionspapier steht hier zum Download bereit.

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