Hochschule Bremen Institut für digitale Teilhabe gegründet

Autor: Manfred Klein

Bremen hat nicht nur einen Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaften und eGovernment gegründet, sondern auch das Institut zur digitalen Teilhabe aus der Taufe gehoben. Mit an Bord, ein bekanntes eGovernment-Gesicht.

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Das Institut soll eine barrierefreie Digitalisierung auf den Weg bringen
Das Institut soll eine barrierefreie Digitalisierung auf den Weg bringen
(© HSB)

Das Thema Barrierefreiheit wird die Kommunen in Deutschland in den kommenden Jahren noch sehr beschäftigen. EU-Verordnungen, die zum Beispiel zweisprachige Webseiten fordern, sind bereits auf dem Weg. In Bremen will man sich damit jedoch nicht begnügen: Am 11. Januar 2021 wurde das ‚Institut für digitale Teilhabe‘ durch die Entscheidung der Dekanate der Wirtschaftswissenschaften und der Elektrotechnik und Informatik sowie des Rektorats der Hochschule Bremen gegründet.

Warum so ein Institut?

Die Initiatoren sind beide Hochschullehrer an der Hochschule Bremen, zum einen der Professor für angewandte Medieninformatik Prof. Dr. Benjamin Tannert und zum anderen der ehemalige Staatsrat und Henning Lühr, seit Oktober 2020 Professor h.c. für Verwaltungswissenschaften und eGovernment. Sie werden auch die Institutsleitung des neuen Instituts übernehmen.

Zur Zielsetzung des neuen Instituts erklärten die beiden Professoren gegenüber eGovernment Computing: „Users first und Beteiligung der Beschäftigten am Entwicklungsprozess sind inzwischen die zentralen Leitlinien der Digitalisierung öffentlicher Dienste und in der Wirtschaft. Dies kann allerdings nicht nur eine gutgemeinte und dann auch gutgemachte technische Lösung als Produkt haben, sondern muss auch den gesamten Dienstleistungsprozess mit einbeziehen und eine Beteiligung der Nutzer*innen und der Beschäftigten in allen Stufen der Entwicklung sicherstellen. Digitalisierung als ’Elektronifizierung der bestehenden Bürokratie’, wo dann kurz vor Beendigung auch die Interessenvertretungen und der Behindertenbeauftragte noch ein Votum abgeben dürfen, ist ein auslaufendes Modell der Gestaltung von Dienstleistungen. Digitale Teilhabe ist daher das Schlüsselwort zur konsensorientierten Gestaltung und ein neues Element der Daseinsvorsorge angesichts der zunehmenden Digitalisierung in allen Lebensbereichen.“

Nur mit der konkreten Umsetzung dieser Idee täten sich viele der Beteiligten immer noch schwer. Die Einbeziehung der Nutzer*innen und der Beschäftigten könne allerdings weder angeordnet noch „herbeigezaubert“ werden. Es handele sich vielmehr um einen langfristig angelegter Entwicklungs- und Veränderungsprozess, der anwendungsorientiert wissenschaftlich unterstützt und begleitet werden müsse. Die Integration und Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigung in der Arbeitswelt sei daher eines der Hauptanliegen des Instituts.

Staatsrat Henning, Staatsrat a.D., widemt sich künftig der Ausbildung des eGovernment-Nachwuchses
Staatsrat Henning, Staatsrat a.D., widemt sich künftig der Ausbildung des eGovernment-Nachwuchses
(© Vera Nicolics)

Dazu erklärte Henning Lühr: „Die wissenschaftliche Forschung und Unterstützung bei der Digitalisierung und Gestaltung der neuen Arbeitswelt erfordert eine noch bessere anwendungsbezogene Kooperation zwischen Wissenschaft und den tatsächlichen Anwendungen und der Projekte in Betrieben und Verwaltungen. Bremen setzt dabei seine Tradition der Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis fort und entwickelt neue Felder in der Qualifizierung, Beratung und Forschung in der Kooperation mit Anwender*innen: eben eGovernment made in Bremen!“

Prof. Dr. Benjamin Tannert will eine barrierefreie Digitalisierung auf den Weg bringen
Prof. Dr. Benjamin Tannert will eine barrierefreie Digitalisierung auf den Weg bringen
(© HSB)

Und sein Kollege Prof. Benjamin Tannert ergänzt: „Die Digitalisierung ist allgegenwärtig, aber noch nicht jede Person kann immer daran teilhaben. Bremen war immer Vorreiter bei der Schaffung entsprechender Regelungen und bei der Umsetzung. Dabei ist aber klar: Eine barrierefreie Digitalisierung für alle wäre schön, ist aber nicht in jedem Fall von heute auf morgen umsetzbar. Ein Umdenken ist notwendig, damit die Digitalisierung nicht für die Personen angepasst wird, sondern von vornherein so umgesetzt wird, dass alle partizipieren können. Diesen Grundgedanken wollen wir in unserer Forschung und Entwicklung, gemeinsam mit unterschiedlichsten Stakeholdern, umsetzen und vermitteln.“

Eine umfangreiche Liste von Forschungsvorhaben und Praxisprojekten ist übrigens schon in Vorbereitung. Man darf also gespannt sein, auf die ersten Forschungsergebnisse. mk

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