IT-Infrastrukturen bei Polizeiorganisationen

Informationsmanagement als Kernkompetenz

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Polizei und IT heute

IT-Infrastrukturen sind bei Polizeiorganisationen – wie in vielen anderen Bereichen auch – historisch gewachsen. Das geschah in der Regel entlang von Abteilungen und Aufgabenfeldern und relativ unabhängig voneinander. So entstanden beispielsweise Systeme für die Ressourcenbeschaffung und Verwaltung, Systeme für die Einsatzplanung und -steuerung, Systeme zur Fahndungsunterstützung etc. Die einzelnen Systeme wurden jeweils für sich alleine weiterentwickelt und verbessert, was überwiegend in Eigenentwicklung geschah. Zwar gab und gibt es Versuche, diese Teilsysteme zu integrieren, doch meist geht dieser Versuch über die Programmierung von einzelnen Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen nicht hinaus. Was fehlt ist ein integrierter Ansatz, der sich auch in der Gesamtarchitektur der Systeme niederschlägt. Vor allem fehlt eine für alle Anwendungen der Organisation einheitliche und intuitive Benutzeroberfläche.

Die Nachteile der bisherigen Situation liegen auf der Hand: Der notwendige Austausch von Daten zwischen den Anwendungen wird zum größten Teil noch von Hand erledigt, also durch Neueingabe von Daten oder durch Ausdruck und Weiterverarbeitung von Informationen in Papierform – mit allen dazugehörenden Nachteilen wie Zeitverzögerung und Fehleranfälligkeit. An vielen Stellen werden Daten mehrfach erfasst und müssen später in einem zusätzlichen System zusammengeführt werden. Die Benutzerführung der Systeme ist nicht aufeinander abgestimmt. Folge: Der fehlende Bedienkomfort führt zu mangelnder Akzeptanz und weiter sinkender Datenqualität. Darüber hinaus bewirkt die zunehmende Komplexität steigende Wartungskosten sowie bei neuen Anforderungen Inflexibilität und hohe Zusatzinvestitionen.

IT-Infrastruktur der Zukunft

Futuristische Szenarien zur technischen Ausstattung von Polizeiorganisation findet man zuhauf: von der Kameraüberwachung auf öffentlichen Plätzen mit integrierter Gesichtserkennung bis zur Undercover-Informationsbeschaffung in dubiosen Internet-Foren. Doch während die Medien häufig auf besonders skurrile Einzelprojekte oder technische Spielereien abheben, bleibt die Kernfrage meist unbeantwortet: Wie sollte die Gesamt-IT-Infrastruktur einer Polizeiorganisation aufgebaut sein, um eine möglichst erfolgreiche und effiziente Arbeit zu gewährleisten? Diese Frage ist nun einmal etwas prosaischer, doch für den Erfolg der Polizeiarbeit nicht weniger entscheidend. Ganz im Gegenteil. Es lohnt sich dabei, zunächst einen Schritt zurückzutreten und sich das Ganze modellhaft vorzustellen. Die Ausgangsfrage der Überlegungen lautet: „Welche Bestandteile braucht eine ganzheitliche IT-Infrastruktur einer Polizeiorganisation?“

Zunächst gibt es Kernprozesse der Polizeiarbeit, die sich auch in Zukunft inhaltlich nicht ändern werden und mit IT-Systemen zu unterstützen sind. Zu diesen Kernprozessen gehören:

  • Präventive Aufgabenwahrnehmung

Hier geht es um IT-Anwendungen, mit denen sich der Regeldienst bis hin zu Großlagen planen und leiten lässt. Zur Unterstützung der Aufgaben müssen Szenarien mit Planentscheidungen und Maßnahmenkataloge hinterlegt werden. Für die verschiedenen polizeilichen Anlässe sollten sich die notwendigen Abläufe koordinieren lassen. Die gesamte Informationssteuerung sowie Meldeverpflichtungen können mit solchen Systemen standardisiert und teilautomatisiert werden. Der Überblick über eingesetzte Kräfte und verfügbare Ressourcen ist im System auch hinsichtlich geografischer Informationen integriert.

  • Repressive Aufgabenwahrnehmung

Bei der repressiven Aufgabenwahrnehmung stehen IT-Anwendungen im Vordergrund, mit denen alle strafprozessualen Maßnahmen in der Massen- und Alltagskriminalität sowie der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität geplant und bei der Durchführung dokumentiert werden. Mithilfe von im System hinterlegten Ermittlungskonzepten können Strukturverfahren gesteuert werden. Der Aufbau von Ermittlungsakten kann strukturiert und die Dokumente automatisiert zugeordnet werden. Die Auswertung von Massendaten – beispielsweise aus Telekommunikationsüberwachnungssystemen – wird unterstützt, ebenso die Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten. Die automatisierte Zahlungsüberwachung und die Integration in Haushaltsmanagementsysteme ist fester Bestandteil solcher Lösungen.

  • Fahndung

Bei fahndungsunterstützenden Systemen werden Personen- und Sachdaten zentral gespeichert und stehen für alle Berechtigten bereit. Die im System vorgehaltenen Informationen zu Personen und Sachverhalten stehen landesweit und gegebenenfalls darüber hinaus für die Fahndung zur Verfügung und können für Ermittlungen auf Bundes- und EU-Ebene genutzt werden. Diese Daten können neben der täglichen Fahndungsarbeit auch für die Internetfahndung verwendet werden. Kriminalakten werden über eine digitale Akte vorgehalten. Datenschutzfunktionen – wie die Fristüberwachung zur Aussonderung sowie eine umfassende Zugriffs- und Berechtigungsverwaltung – gehören üblicherweise zu der einer solchen Software.

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