Interview

Informationsfluss und Nutzersicht im Fokus

| Autor: Manfred Klein

Führt das OZG die Verwaltung in eine digitale Zukunft?
Führt das OZG die Verwaltung in eine digitale Zukunft? (Bild: @AdobeStock.com)

Der OZG-Umsetzungskatalog steht. Aber wie geht es nun mit der Umsetzung der identifizierten Online-Dienstleistungen weiter? Welche Aufgaben übernehmen dabei Bund, Länder und Kommunen? eGovernment Computing sprach darüber mit Ernst B­ürger, Ministerialdirigent im BMI.

Der OZG-Umsetzungskatalog wurde in einer Version 1.0 vorgelegt. Welche Bedeutung hat der Katalog für die weitere Umsetzung?

Bürger: Der OZG-Umsetzungskatalog versachlicht erst einmal die Debatte, indem die Verwaltung nunmehr eine abzuarbeitende Aufgabenliste hat und damit das „WAS“ der Umsetzung geklärt ist. Im nächsten Schritt wird es darum gehen, dass sich die Beteiligten untereinander über das „WIE“ und das „WER“ der Umsetzung verständigen.

Im OZG-Umsetzungskatalog sind viele Leistungen enthalten, für deren Vollzug Länder und Kommunen verantwortlich sind. Wie können die sich hier mit ihrem Wissen einbringen?

Bürger: Länder und Kommunen betreuen den Großteil der relevanten Verwaltungsverfahren. Bei ihnen und ihren IT-Dienstleistern und auch Fachverfahrensherstellern liegt das für die Umsetzung wichtige Praxiswissen. In allen Bereichen finden sie deutschlandweit Experten, die nur darauf warten, mit der Digitalisierung zu starten und die deutsche Verwaltung zu modernisieren. Diese Kompetenzen sind der Schlüssel. Der Bund – und nach Gründung auch FITKO – können hier Klammer und Plattform sein, um die notwendige Zusammenarbeit in den Projekten zu unterstützen und das immer wieder viel beschworene kohärente Vorgehen aller Beteiligten zu koordinieren.

Um zum Beispiel die Rückmeldungen der Beschäftigten zum OZG-Umsetzungskatalog gut verarbeiten und gemeinsam nutzen zu können, wollen wir eine interaktive Version des Katalogs realisieren. Darüber können dann Inhalte beigetragen und korrigiert werden. Darüber hinaus können wir Befragungen anbieten, um den OZG-Umsetzungskatalog mit weiteren umsetzungsrelevanten Informationen anzureichern. Die Ergebnisse sollen allen zur Verfügung stehen, damit sie für die Umsetzung genutzt werden können.

Welche Informationen soll der OZG-Umsetzungskatalog letztlich über die Leistungen enthalten?

Bürger: Ganz wesentlich sind aus meiner Sicht Informationen über die Vollzugsgestaltung, also welche Behörden sind im Detail in den Ländern zuständig, inwieweit weichen Regulierung und Formularinhalte in den Ländern und Kommunen voneinander ab und wie sieht die Fachverfahrenslandschaft bei den Leistungen aus. Von diesen Faktoren hängt insbesondere ab, wie viel bei der Umsetzung gemeinsam erledigt werden kann beziehungsweise wie viel jede Behörde auf Landes- oder kommunaler Ebene noch selbst bewältigen muss. Darüber hinaus brauchen wir systematische Informationen über die Nutzer der Leistungen, beispielsweise wie spezifisch die Zielgruppe einer Leistung ist, in welcher Situation sie eine bestimmte Leistung benötigen und welche technischen Geräte sie typischerweise nutzen. Deshalb wollen wir die Nutzer auch bei der Umsetzung direkt mit einbeziehen.

Die Struktur des OZG-Umsetzungskatalogs ordnet die Leistungen nicht nach der Zuständigkeit von Behörden, sondern nach Lebens- und Geschäftslagen. Was hat es damit auf sich?

Bürger: Wir wollen bei der Umsetzung des OZG die Nutzersicht in den Mittelpunkt stellen. Die Nutzer interessieren sich nicht für die Zuständigkeitsverteilung in der Verwaltung. Sie wollen ihr Anliegen erledigen und die digitalen Angebote sollen dabei unterstützen. Deshalb rücken wir die Anliegen der Nutzer in den Fokus und die befinden sich meist in bestimmten Lebens- und Geschäftslagen, in denen sie jeweils mehrere Leistungen benötigen, für die oft unterschiedliche Behörden zuständig sind. Wenn diese Behörden ihre Leistungen unabgestimmt umsetzen, kommt am Ende kein nutzerfreundliches Angebot heraus. Die Umsetzung des OZG ist aber kein Erfolg, wenn alle Leistungen online sind, sondern wenn die Nutzer die Angebote tatsächlich in Anspruch nehmen. Deshalb müssen wir konsequent vom Nutzer her denken.

Der OZG-Umsetzungskatalog enthält etwa 575 Leistungen, die in den verbleibenden etwa viereinhalb Jahren umgesetzt werden sollen. Bislang sind nur wenige davon vollständig online nutzbar. Wie soll die Verwaltung das schaffen?

Bürger: Wir werden es nicht schaffen, wenn jeder versucht, alles allein umzusetzen. Wir brauchen hierfür eine intelligente Aufgabenteilung, damit das gleiche Problem möglichst nur einmal gelöst wird und alle davon profitieren. Eine kohärente Umsetzung ist auch aus Nutzersicht wichtig, damit im Ergebnis nicht viele komplett unterschiedlich aussehende und funktionierende digitale Lösungen für die gleiche Verwaltungsleistung herauskommen. Um das zu verhindern, wollen wir die Verfahren in Digitalisierungslaboren mit den relevanten Stakeholdern nach ­modernen Methoden gemeinsam entwickeln.

Jetzt geht es um die Aufgabenverteilung

OZG-Umsetzungskatalog veröffentlicht

Jetzt geht es um die Aufgabenverteilung

22.05.18 - 575 eGovernment-Dienstleistungen enthält der OZG-Umsetzungskatalog. Diese sind von Bund, Ländern und Kommunen bis 2022 umzusetzen. Wie kam es zu dieser Zusammenstellung, und wie geht es nun weiter? lesen

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