Hessen Ideen für hybrides eGovernment

Autor Susanne Ehneß

Der „Ideenwettbewerb hybrides eGovernment“ ruft Start-up-Gründer dazu auf, kreative Ideen zur Verknüpfung privater und staatlicher Dienste einzureichen.

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Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen
Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen
(© Oliver Rüther / HMWEVW)

Unter Federführung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen ist der „Ideenwettbewerb hybrides eGovernment“ gestartet. Start-ups aus ganz Deutschland können teilnehmen, die Bewerbungen müssen bis zum 14. November 2021 eingereicht werden. Der jeweils erste Platz der drei Unterkategorien („Challenges“) wird mit 9.000, der zweite Platz mit 5.000, und der dritte Platz mit 2.500 Euro prämiert, im Gegenzug erhält das Land Hessen das Nutzungsrecht der ausgearbeiteten Konzepte. „Überraschen Sie uns mit Ihren guten Ideen zur Lösung unserer Challenges und gestalten Sie gemeinsam mit uns die Zukunft der Verwaltung!“, ruft Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir zur Teilnahme auf.

Hintergrund

Gesucht werden Lösungen für ­eine nutzerfreundliche Verknüpfung von privatwirtschaftlichen Dienstleistungen und Verwaltungsverfahren – Stichwort: hybrides eGovernment. „Oft hängen Verwaltungsleistungen für Bürgerinnen und Bürger logisch mit privatwirtschaftlichen Dienstleistungen zusammen“, erläutert Al-Wazir. „Wenn ich online eine Reise buche und feststelle, dass ich einen neuen Reisepass beantragen muss oder wenn ich ein Auto auf einer Online-Plattform kaufe und es im Anschluss anmelden möchte: Für die Bürgerinnen und Bürger wäre es ein echter Mehrwert, wenn man Verwaltungsleistungen in privatwirtschaftliche Portale einbetten oder sie zumindest mit wenigen Mausklicks miteinander verknüpfen könnte“, meint der Minister.

Dass gerade das Land Hessen einen Ideenwettbewerb zu diesem Thema ausruft, kommt nicht von ungefähr; im Rahmen der Strategie „Digitale Verwaltung Hessen 4.0“ ist hybrides eGovernment ein erklärtes Ziel.

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Der Wettbewerb

Im Laufe des Ideenwettbewerbs sollen die teilnehmenden Start-ups während einer mehrwöchigen Umsetzungsphase Prototypen entwickeln. Folgende drei Innovations-Challenges sollen die Start-ups laut Ministerium angehen:

  • Offene Challenge: Ganz im Sinne des hybriden eGovernments ist diese Innovations-Challenge offen für diverse digitale Lösungsideen, welche bestimmte Verwaltungsleistungen des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen mit privatwirtschaftlichen Leistungen verknüpfen, die logisch miteinander zusammenhängen. Teilnehmende sind dazu eingeladen, ihre eigenen Ideen in den Wettbewerb einzubringen und so das Themenspektrum vielfältig zu erweitern.
  • Quick-Check Bauantrag: Sei es der Kauf einer Gartenhütte oder die Installation einer Solaranlage auf dem Dach – Bürger planen immer wieder Bauvorhaben auf ihrem Grundbesitz. Für viele private Bauvorhaben ist es nicht notwendig, einen Bauantrag zu stellen. Allerdings wissen viele Personen dies oftmals nicht und fragen telefonisch oder via eMail bei ihrer lokalen Bauaufsichtsbehörde oder im Wirtschafts- und Wohnungsbau­ministerium nach. Im Rahmen dieser Challenge soll ein Online-Tool entwickelt werden, über das sich Bürgerinnen und Bürger online schnell, komfortabel und verständlich über die formalen Rahmenbedingungen ihrer individuellen Bauvorhaben informieren können. Im Idealfall kann ein solches Tool unmittelbar in privatwirtschaftlichen Kontexten angewendet werden, z. B. indem man den Quick-Check über ein mobiles Endgerät vornimmt, wenn man vor Ort im Baumarkt vor der Entscheidung einer Anschaffung steht.
  • Quick-Check ausländische Fahrerlaubnis: Wenn Personen aus dem Ausland nach Deutschland ziehen, müssen sie oftmals ihre Fahrerlaubnis umschreiben lassen, bevor sie hierzulande Kraftfahrzeuge lenken dürfen. In vielen Fällen ist den Zugezogenen jedoch unklar, wie der Umschreibungsprozess funktioniert und welche Dokumente dazu benötigt werden. In einigen Fällen ist keine Umschreibung der Fahrerlaubnis nötig, in anderen wiederum schon. Im Rahmen dieser Challenge soll ein Online-Tool entwickelt werden, über das sich Bürgerinnen und Bürger online und in mehreren Sprachen (z. B. Englisch, Französisch, Arabisch) über die Zulässigkeit ihrer Fahrerlaubnis in Deutschland informieren könnten. Eine Verbindung zu privatwirtschaftlichen Leistungen könnte das Tool beispielsweise im Kontext von offiziellen Übersetzungsdiensten für einzureichende Dokumente oder von Fahrschulen für gegebenenfalls benötigte Prüfungen herstellen. Zudem ist eine Erweiterung rund um Fragen zur Mitnahme eines Autos aus dem Ausland nach Deutschland denkbar, z. B. bezüglich technischer Kontrollen, Versicherungen und Nummernschildern.

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