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Sun-Übernahme durch Oracle IBM greift Oracle nun im Kerngeschäft an

| Autor / Redakteur: Rüdiger Spies / Katrin Hofmann

Die im April 2009 von Oracle beschlossene Übernahme von Sun hat umgehend zu einer überraschenden Reaktion von IBM geführt: IBMs Beteiligung an EnterpriseDB, die bereits im März 2008 bekannt gegeben wurde, trägt nun Früchte. Seitdem gehört EnterpriseDB zu den wichtigen Entwicklungspartnern von IBM für Enterprise Information Management, namentlich der Datenbank DB2, die kürzlich in der Version 9.7 angekündigt wurde.

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Rüdiger Spies, Independant Vice President Enterprise Applications bei IDC in München
Rüdiger Spies, Independant Vice President Enterprise Applications bei IDC in München
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Bekanntgabe der neuen wichtigen Funktionen von DB2, nämlich die weitgehende Kompatibilität mit Oracles Datenbank, hätte zu einem besseren Zeitpunkt nicht gewählt werden können.

IBM hat von EnterpriseDB wichtige Technologien in die neue Version von DB2 hinzugenommen. EnterpriseDB ist einer der Hauptbeitragenden zur Open Source Datenbank PostgreSQL. Diese Datenbank kann durchaus als Mitbewerber von mySQL angesehen werden. MySQL ist eine Open Source Datenbank, die Oracle gerade mit SUN erworben hat und die industrieweit auf großes Interesse stieß – u.a. auch bei SAP-Kunden als Ersatz für eine Oracle-Datenbank. Oracle bleibt es somit verwehrt, den Datenbankmarkt quasi Open-Source-frei zu halten.

Der Kauf von Sun – und damit des Open Source Mitbewerbers mySQL im Datenbankmarkt – kann nicht einfach durch ein „Auslaufenlassen“, beziehungsweise durch das Nichtweiterentwickeln von mySQL, die Weiterentwicklung von Open Source Datenbanken verhindern. Damit steht Oracle eine ähnliche Bedrohung durch Open Source Datenbanken ins Haus wie Microsoft durch Linux bzw. Open Office. Und IBM nimmt ein weiteres Mal die Open Source-Bewegung als Angriffs-Instrument auf einen Wettbewerber zu Hilfe. IBM setzt Microsoft mit einer starken Unterstützung von Linux unter Druck und nun auch Oracle mit der Unterstützung von Enterprise DB und der Einbeziehung wichtiger Technologien in die eigene Datenbank DB2. Dabei läuft der eigentliche Angriff auf Oracle noch viel gezielter als im Falle von Microsoft.

IBM kann mithilfe der EnterpriseDB-Technologien als Teil der eigenen Datenbank DB2 ermöglichen, dass Anwendungen, die stark von den proprietären Elementen der Oracle-Datenbank Gebrauch machen (z.B. SQL-Erweiterungen, stored procedures, PLSQL) abhängen, nun auch nahezu problemlos auf DB2 lauffähig sind. Damit steht den Kunden und den Softwarehäusern, die bislang vergebliche Versuche unternommen hatten, sich von den proprietären Datenbankfunktionen von Oracle zu befreien, die Chance offen, die nunmehr alternative Datenbank DB2 zu nutzen. Somit finden auch alle Software-Häuser, die in Oracle mehr und mehr Konkurrenz durch das breite, von Akquisitionen sehr ausgeweitete Anwendungsangebot von Oracle sehen, eine technologisch unproblematische und wirtschaftliche Alternative für ihre Anwendungen. IBM kann dadurch erreichen, dass erstens die Softwarehäuser nur gebremst für eine Verbreitung der Oracle-Datenbank sorgen und zweitens seine eigen Datenbanktechnologie voranbringen. Auch wenn IBM sich selbst etwas mit dem Open-Source-Datenbank-Angebot durch EnterpriseDB schadet, ist der strategische Schaden für Oracle um ein vielfaches höher.

Fazit: IBM hat damit ein Mittel gefunden, Oracle im bisherigen Kerngeschäft, dem für Oracle lukrativen Datenbankgeschäft, direkt anzugreifen.

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