Rechenzentrums-Klimatisierung

Höchste Kühlleistung auf geringer Fläche

| Autor / Redakteur: Michael Nicolai & Patricia Späth / Susanne Ehneß

Mehr Höheneinheiten nutzbar

Innerhalb von drei Monaten erfolgte der Umbau des Raumes und der Installation der Racks und Klimainfrastruktur. Zunächst mussten die bisherige Infrastruktur des Raumes entfernt und dann neue Versorgungssysteme für Strom und Wasser eingebaut werden. Die Führung der Kaltluft erfolgt nicht über den Doppelboden zu den Server-Schränken, sondern wird von den LCPs, die in den Rack-Reihen zwischen den Server-Schränken aufgestellt sind, über die gesamte Höhe ausgeblasen.

„Die Kaltluft verteilt sich gleichmäßig nach rechts und links über die Fronten der benachbarten Racks mit dem Ergebnis, dass wir alle Höheneinheiten ohne Gefahr der Bildung von Hotspots nutzen können“, sagt Krupp. „Auf diese Weise ermöglicht uns die Lösung von Rittal, dass wir eine größere Anzahl von Rechnern unterbringen, als wir ursprünglich veranschlagt hatten.“ Die 16 Racks wurden in zwei Reihen à acht Racks angeordnet, dazwischen in jeder Reihe fünf Klimaschränke. Für höchste Verfügbarkeit legte Rittal die Anzahl, Leistung und die Verteilung der LCPs auf die Rack-Reihen in einer „n+1“ Konfiguration fest.

Bei der Aufstellung der Racks war zu berücksichtigen, dass sich in dem neuen Rechenzentrum nicht nur Server und Klimageräte befinden, sondern auch die USV-Anlagen und Elektroverteilung. „Wir mussten verhindern, dass die Raumtemperatur über 22 Grad Celsius steigt und die Funktionsfähigkeit der anderen Rechenzentrumskomponenten beeinträchtigt oder ihre Lebenszeit verkürzt“, erläutert Krupp. Rittal ordnete die Racks in Warmgang-Aufstellung an und schottete den Gang ab, in dem die Lufttemperatur bis auf 50 Grad Celsius steigen kann.

Trennung von Elektronik und Wasser

Um solche hohen Temperaturen abzuführen, gibt es keine effizientere Lösung, als die physikalischen Eigenschaften von Wasser zur Wärmeabfuhr zu nutzen. Die an der Server-Rückseite abgegebene Warmluft wird von den LCPs angesaugt und über den Luft/Wasser-Wärmetauscher abgekühlt. Die gekühlte Luft wird dann auf der Vorderseite in Racks abgegeben. Dabei sind Wasserkreislauf und Elektronik durch die Unterbringung in unterschiedlichen Schränken vollständig voneinander getrennt. Komponenten im Rack können nicht mit austretendem Wasser in Berührung kommen. Leckage-Sensoren in den LCPs erkennen einen Defekt im Wasserkreislauf sofort und melden ihn über ein Sicherheitssystem an einen Techniker.

Jedes LCP ist über die im Doppelboden verlaufende Verrohrung an die zentrale Kühlwasserversorgung der Klimatechnik der TU Kaiserslautern angeschlossen. Die Vorlauftemperatur beträgt zirka 10 Grad Celsius und erwärmt sich in den LCPs auf zirka 17 bis 23 Grad Celsius. Durch den sehr gezielten Einsatz der Kaltluft in LCPs könnten die Vorlauftemperaturen im Wasserkreislauf sogar bis auf 21 Grad Celsius erhöht und so eine effizientere Klimatisierung durch Ausdehnung der Freikühlzeit erreicht werden. „Energieeinsparungen durch höhere Vorlauftemperaturen spielen für uns noch keine Rolle“, sagt Krupp. „An einer technischen Universität wird sehr viel Kälte benötigt, beispielsweise um in der Chemie spezielle Laborräume zu klimatisieren. Das Rechenzentrum ist dabei nur ein Verbraucher unter vielen.“ Um den Stromverbrauch für den gesamten Bereich der Klimatisierung zu senken, soll ab Ende 2013 die Kälteversorgung auf freie Kühlung umgestellt werden.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 42537693 / Fachanwendungen)