Interview Hessen-CIO Dr. Thomas Schäfer

Hessens eGovernment-Gesetz soll Kommunen mehr einbinden

| Redakteur: Manfred Klein

Apropos, Finanzen. Hessen unterhält zwei zentrale IT-Dienstleister – einmal das HZD und zum anderen das HCC. Welche Gründe waren für diese Trennung ausschlaggebend und bindet die Zweiteilung nicht zusätzliche Mittel?

Schäfer: Die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung (HZD) und das Hessische Competence Center für Neue Verwaltungssteuerung (HCC) – diese beiden sehr erfolgreichen Dienstleister resultieren aus dem gewaltigen Projekt der flächendeckenden Einführung der doppelten Buchführung in der hessischen Landesverwaltung auf Basis der SAP-Software.

Mit dem Schritt hin zur Doppik war und ist Hessen auf Länder­ebene ein Pionier. Er versetzt uns in die Lage, eine höhere Kostentransparenz und verlässlichere Kostenvorhersagen für die folgenden Jahre zu schaffen. Dies kommt uns jetzt auch im Rahmen der EU-weiten Harmonisierung zu Gute. Während die HZD die Rolle des IT-Dienstleisters der Landesverwaltung verkörpert, deckt das HCC die fachlichen Anforderungen im SAP-Umfeld ab und stellt das notwendige Know-how zur Verfügung. Insofern gibt es nahezu keine überlappenden Handlungsfelder, vielmehr arbeiten die zwei Dienstleister sehr erfolgreich Hand in Hand zusammen.

Die Zweitteilung setzt sich in der Ressortaufteilung fort. Die Zuständigkeiten für IT und eGovernment sind auf das Innen- und das Finanzministerium verteilt. Das kostet notwendigerweise Ressourcen. Nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch durch den erhöhten Abstimmungsbedarf. Wie sehen hier Ihre Optimierungsstrategien aus?

Schäfer: Diese geteilte Zuständigkeit ist in der Tat gegeben, doch Ihre Schlussfolgerung ist nicht zwingend zutreffend. Letztendlich verfolgt eGovernment und der zugehörige IT-Einsatz das Ziel, das Verwaltungshandeln effektiver und schneller zu machen. Auch wenn es formal nur einen CIO gibt, ist es ohnehin unerlässlich, dass man für alle Ressorts in der Landesverwaltung nach Optimierungsmöglichkeiten strebt und somit Entscheidungen immer auch zwischen den Ressorts abstimmt.

Sie haben natürlich Recht, dass durch die geteilte Kernzuständigkeit den Beteiligten ein erhöhtes Maß an Kommunikation und strukturierter Arbeitsweise abverlangt wird. Das gilt bis hin zu jedem Einzelnen. Dies gelingt uns aber sehr gut, wie meine Kolleginnen und Kollegen und ich immer wieder feststellen. Und um auf meine vorigen Ausführungen zurückzukommen: Es fördert sogar eine permanente Priorisierung und Überprüfung der verfolgten Ziele.

Das bringt uns nahtlos zum geplanten hessischen eGov­ernment-Gesetz und dem für die nahe Zukunft geplanten Master-und Aktionsplan „Digitale Verwaltung in Hessen 2020“. Wie sollen diese das Zusammenspiel der Beteiligten optimieren?

Schäfer: Das neue eGovernment-Gesetz wird das rechtliche Grundgerüst bilden, um das Bundesrecht in angemessener Weise in Landesrecht zu überführen und es wird nahezu identische rechtliche Rahmenbedingungen für die Bürgerinnen und Bürger, die Wirtschaft und die Verwaltungen in den Bundesländern gewährleisten. Mit der „Digitalen Verwaltung in Hessen 2020“ skizzieren wir – ausgehend vom Status quo – die Herausforderungen und Zielsetzungen der Verwaltung in Hessen für die kommenden Jahre.

Die abstrakte Perspektive ergänzen wir durch konkrete Ansätze und Projekte, die sich teilweise schon in der Umsetzung befinden. Wir beabsichtigen den neuen Master- und Aktionsplan regelmäßig zu aktualisieren, um allen Beteiligten ein dauerhaftes, verlässliches Bild im eGovernment zu vermitteln. Damit wird deutlich: Hessen stellt sich auch weiterhin den digitalen Herausforderungen und den Entwicklungen in unserer heutigen Gesellschaft.

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