EPSAS-Einführung

Herausforderungen und Chancen

| Autor / Redakteur: Karl Heinz Krug / Manfred Klein

Der europäische Rechnungsstandard steht vor der Tür. Was heißt das für XRechnung und ZUGFeRD sowie Öffentliche Verwaltungen?
Der europäische Rechnungsstandard steht vor der Tür. Was heißt das für XRechnung und ZUGFeRD sowie Öffentliche Verwaltungen? (© hesa2 – stock.adobe.com)

Bringt die Einführung von EPSAS – dem europäischen Rechnungsstandard – mehr Risiken als Chancen? Der Bundesrechnungshof ist dieser Meinung. Aber ist es wirklich so schlimm? eGovernment Computing hat nachgefragt.

Wer aktuell aufmerksam die Fachpresse verfolgt, hat den jüngsten Diskurs von Bundesrechnungshof und dem Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) zur Einführung der European Public Sector Accounting Standards (EPSAS) mitbekommen. In diesem Positionsabgleich haben der Präsident des Bundesrechnungshofs, Kay Scheller, sowie der Präsident des IDW, Klaus-Peter Naumann, ihre jeweiligen Haltungen zum Thema dargelegt. Anlass war der Sonderbericht 2017 des Bundesrechnungshofs, wonach die Einführung von EPSAS überwiegend Nachteile mit sich bringen würde. Eine Einschätzung, die im Übrigen das Bundesfinanzministerium laut Aussage des Bundesrechnungshofs teilt.

Chancen und Risiken

Doch worum geht es genau und welche Chancen und auch Herausforderungen bietet die Einführung von EPSAS? Hintergrund ist die Schaffung einheitlicher Buchführungs- und Bilanzierungsstandards in der Europäischen Union, die dann auf allen Ebenen der Mitgliedsstaaten gelten sollen (vgl. „Sixpack“ Richtlinie 2011/85/EU des Rates vom 8.11.2011). Auf dieser Grundlage sollen, analog wie zum Beispiel IFRS in der Wirtschaft, einheitliche Rechnungslegungsstandards vollständige, zuverlässige und vergleichbare Haushaltsdaten über die tatsächliche wirtschaftliche Situation der öffentlichen Haushalte der Mitgliedsländer liefern. EPSAS lehnt sich dabei an die vom IPSAS-Board (International Public Sector Accounting Standards) definierten 38 doppischen Standards und einen umfassenden kameralen Standard zur Rechnungslegung öffentlicher Einheiten an.

Innerhalb der Bundesrepublik Deutschland wurde dieses Thema auf Ebene von Bund und Ländern im Bund-/Länderarbeitskreis EPSAS) bereits seit mehreren Jahren weiter erörtert. Wesentliche Anforderung in diesem Zusammenhang war die weiterhin bestehende Wahlfreiheit von kameralen oder doppischen Systemen der Haushaltsplanung und -führung. Auch von den Befürwortern von EPSAS wird eingeräumt, dass allein durch einheitliche Rechnungslegung noch keine Haushaltsdisziplin erreicht werden kann. Was jedoch besser gelingt, ist die Erfassung und Bewertung von Vermögen und Verbindlichkeiten sowie von Verpflichtungen – zum Beispiel aus Pensionen – nach transparenten und vergleichbaren Maßstäben.

Die hohen Kosten der Einführung sind eines der Argumente, die gegen EPSAS angeführt werden. In diesem Zusammenhang hat der Bundesrechnungshof auf hohe Aufwendungen für die IT-Modernisierung und die Einführung eines „hochkomplexen IT-Systems“ in der Haushaltsplanung und im Haushaltsvollzug beziehungsweise der Rechnungslegung verwiesen. Das IDW hat demgegenüber damit argumentiert, dass ein grundsätzlicher Modernisierungsbedarf in der IT bestünde, unabhängig von der EPSAS-Einführung. In Deutschland bestünde „ein im EU-Vergleich recht niedriger Reifegrad der Rechnungslegung sowie der IT-Infrastruktur“.

Bereits heute werden auf den staatlichen Ebenen unterschiedliche Systeme der Haushaltsführung – sowohl kameral wie auch doppisch – genutzt, womit die flexible Anwendung neuer Rechnungslegungsstandards in den bestehenden Systemen zumindest aufwendig ist. Der Bundesrechnungshof geht davon aus, dass beim Bund das kamerale System führend bleibt und damit EPSAS einen dauerhaften Parallelbetrieb erfordern würde, was vor dem Hintergrund abnehmender personeller und finanzieller Ressourcen vermieden werden sollte. Hier liegt sicher eine Herausforderung in der Planung zukünftiger IT-Systeme im Bereich Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen (HKR).

Damit muss ein künftiges System für das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen über die Flexibilität verfügen, mehrere Rechnungslegungsstandards abzubilden, idealerweise parallel. Diese Voraussetzung wiederum stellt konkrete Anforderungen an die marktgängigen ERP-Systeme.

Sofern diese Anforderungen durch ERP-Systeme erfüllt sind und vor dem Hintergrund anstehender Modernisierungsprojekte – siehe Einschätzung des IDW – sollte geprüft werden, ob marktgängige Standardsoftware aus wirtschaftlichen Gründen gegenüber gegebenenfalls angedachten Individualentwicklungen vorzuziehen ist.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass einzelne Länder im Bund- / Länderarbeitskreis EPSAS eine durchaus positive Grundhaltung zu EPSAS einnehmen. Das Land Hessen beispielsweise sieht in EPSAS „die dringend erforderliche Harmonisierung der Rechnungslegung im öffentlichen Bereich sowohl aus europäischer als auch aus nationaler Sicht“ und hat deshalb bereits in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission im November 2016 eine „Studie zur Umstellung eines doppischen Rechnungswesens auf einheitliche europäische Rechnungslegungsstandards am Beispiel des Bundeslandes Hessen“ erstellt.

Fazit

Man kann davon ausgehen, dass die Diskussion um EPSAS in den nächsten Monaten an Fahrt gewinnen wird. Dabei wird es insbesondere darauf ankommen, wie sich die neue Bundesregierung zu dem Thema positioniert. Bislang ist es ein Thema, das wesentlich auf Ebene der Verwaltung und weniger im politischen Umfeld diskutiert wurde. Mit Blick auf eine im Koalitionsvertrag geforderte stärker Europa-orientierte Sicht könnte auch EPSAS im politischen Diskurs eine wichtigere Rolle spielen. Eine nicht zu unterschätzende Rolle könnte auch spielen, dass Hamburg dem Thema EPSAS durchaus aufgeschlossen gegenübersteht. Und der designierte Bundesfinanzminister Olaf Scholz war Erster Bürgermeister von Hamburg.

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