EU-Dienstleistungsrichtlinie

Herausforderungen an die IT-Umsetzung

09.08.2008 | Redakteur: Manfred Klein

Herausforderungen an eine große Stadt

Im Rahmen ihrer Bestrebungen zur Verwaltungsmodernisierung haben etliche Kommunen schon heute Bürger- und Wirtschaftsportale umgesetzt oder geplant. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg von der existierenden kommunalen IT-Landschaft zu einem umfassenden DLR-M-S. Wo aber liegen aus Sicht der IT die Herausforderungen?

Die explizite Implementierung von Prozessen setzt ein Prozessmodell mit wohldefinierten und optimierten Prozessen voraus. Die Optimierung kann etwa in Hinblick auf die Freiheit von Medienbrüchen, auf die Verringerung von Durchlaufzeit und manuellen Tätigkeiten durch sinnvolle Automatisierung erfolgen. Hinzu kommt, dass die Menge der Prozesse, die im Rahmen einer DLR-Lösung aufgerufen werden müssen, noch nicht genau bekannt ist. Derzeit wird von über 500 Vorgängen ausgegangen. Für eine erfolgreiche Implementierung ist es daher empfehlenswert, sich zunächst auf den Teil zu konzentrieren, der die häufigsten Prozessschritte verursacht.

Eine weitere wichtige Herausforderung stellt die Integration der Fachverfahren (FV) in den Fachämtern dar. Sie sind häufig in sich geschlossen und fast ohne Schnittstellen für den Datenaustausch mit anderen Komponenten. Hier sind die Hersteller der FV gefordert. Die FV sollten medienbruchfrei ins eGovernment passen. Also beispielsweise eine automatische Übernahme von Antragsdaten aus elektronischen Formularen bieten und einen elektronischen Bescheid als Ergebnis der Antragsbearbeitung liefern.

Wenn FV in eine serviceorientierte IT-Landschaft integriert werden, müssen weitere Aspekte berücksichtigt werden: Integration in das Sicherheitsmanagement, also in ein weitreichendes Single-Sign-On mit einem zentralen Identitätsmanagement, Integration der Benutzeroberfläche in den portalbasierenden Behördenarbeitsplatz, Einbettung in die übergeordneten elektronisch gesteuerten Prozesse, Bereitstellung von fachlichen Diensten.

Ein äußerst wichtiger Bereich sind die fachlichen Standards für Datenaustauschformate, verbunden mit der Daten- und Prozess-Modellierung. Die weitgehend konsistente und redundanzfreie Einbettung in die Landschaft aller Datenaustauschformate der Öffentlichen Verwaltung ist hier die Herausforderung.

Die Schwierigkeiten liegen hier nicht auf der syntaktischen Ebene des XML-Schemas, sondern auf der semantischen Ebene bei der exakten Festlegung der Bedeutung aller Elemente sowie auf der organisatorischen Ebene bei der Einbettung des Datenaustauschs in die Prozesse.

Diese Herausforderungen im Umfeld der FV und Datenaustauschformate werden nicht durch die DLR verursacht. Sie sind schon lange bekannt, aber sie werden anlässlich der IT-Umsetzung der DLR zu einem brennenden Thema. Wenn man das DLR-M-S in einer einzelnen Stadt betrachtet, kommt man anfangs sicher mit lokalen Lösungen für jedes einzelne FV über die Runden. Auf die Öffentliche Verwaltung in ganz Deutschland bezogen ist dies aber eine Sackgasse: dasselbe Problem würde viele Male neu und oft auf eine andere Weise gelöst. Ein Datenaustausch zwischen verschiedenen Behörden würde durch unterschiedliche Syntax und Semantik der Daten behindert, sodass jeweils spezielle Adapter entwickelt werden müssten. Ein Verlust an Informationen kann in einem solchen Szenario nicht ausgeschlossen werden.

Die EU-weite elektronische Kommunikation zwischen DLR-Kunde und EAP muss die Integrität, Authentizität, Vertraulichkeit und Nachvollziehbarkeit bei der Übermittlung von Nachrichten gewährleisten. Eine qualifizierte Signatur auf Basis von Zertifikaten und auf Basis eines EU-einheitlichen Regelwerks wäre die beste Lösung. Derzeit sind Zertifikate jedoch noch wenig verbreitet, es fehlen akkreditierte Trustcenter und die formalisierten EU-weiten Vertrauensbeziehungen zwischen ihnen. Deshalb wird man vermutlich mit lokalen Lösungen beginnen, also nur mit fortgeschrittener Signatur und für jeweils einen EAP pro Stadt.

 

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