Gute Geschäftsaussichten für den Channel

Healthcare: IT statt bitterer Pille

| Autor / Redakteur: Christian Merten / Heidemarie Schuster

Für die IT-Branche stellt Healthcare einen Wachstumsmarkt dar.
Für die IT-Branche stellt Healthcare einen Wachstumsmarkt dar. (Bild: kalafoto_Fotolia.com)

Im internationalen Vergleich schneidet das deutsche Gesundheitswesen nur mäßig ab. Soll die Versorgung der Patienten verbessert werden, gibt es zwei Möglichkeiten: höhere Ausgaben oder mehr Effizienz. Für letzteres liegt der Schlüssel in der Informationstechnologie.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG stellt dem deutschen Gesundheitswesen kein wirklich gutes Zeugnis aus. In ihrer Untersuchung „Das deutsche Gesundheitssystem – Qualität und Effizienz“ kommen die Autoren zu dem Schluss, „dass Deutschland zwar einen europäischen Spitzenplatz in der Bereitstellung von Ressourcen für das Gesundheitssystem einnimmt, hinsichtlich der Qualität der Resultate, die aus dem hohen Aufwand zu erwarten wären, jedoch noch deutliche Verbesserungspotenziale bestehen“.

So geben gemessen am Bruttoinlandsprodukt in Europa nur die Niederlande und Frankreich einen noch höheren Anteil für die Gesundheit aus. Beim Qualitätsvergleich landet Deutschland aber nicht auf Platz drei, sondern hinter Italien nur auf Platz acht.

Die Gesundheitsbranche steht von allen Seiten unter Druck: Der demografische Wandel erhöht den Bedarf an Produkten und Dienstleistungen für die Gesundheit, gleichzeitig führt er zu weniger Beitragszahlern und damit zu niedrigeren Einnahmen. Die Anforderungen an echte Innovationen steigen, neue Therapieentwicklungen führen zu höheren Kosten.

Und nicht zuletzt greifen Politik und Behörden immer wieder in den ohnehin schon stark regulierten Markt ein. So haben Unternehmen im Gesundheitssektor gegen mehr als nur die üblichen Marktkräfte von Angebot und Nachfrage zu kämpfen.

Hoffnungsträger: IT

Große Hoffnung setzen Politik und Wirtschaft auf die IT. Gerade erst hat das eHealth-Gesetz in erster Lesung den Bundestag passiert. Es soll insbesondere den Nutzen der elektronischen Gesundheitskarte steigern und die digitale Vernetzung vorantreiben. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will die Digitalisierung im Gesundheitswesen beschleunigen. In den Bereichen Verwaltung, Einkauf und Marketing sind nach einer Erhebung von KPMG die Unternehmen der Gesundheitsbranche auch bereits gut digitalisiert, doch sind sie etwa bei der Einbindung von Kunden oder Geschäftspartnern in die Entwicklung neuer Ansätze und Lösungen noch sehr zurückhaltend.

Das mag daran liegen, dass kaum ein Gesundheitsdienstleister neue Konkurrenz von Anbietern aus anderen Branchen erwartet, wie sie beispielsweise Medien, Finanzdienstleister und mittlerweile auch Automobilhersteller aus der Internetwirtschaft erleben. Nur sechs Prozent der von KPMG Befragten aus der Gesundheitswirtschaft fürchten den Eintritt branchenfremder Wettbewerber bis 2020.

Dabei gibt es längst neue Mitspieler: Smartphones und Wearables entwickeln sich mit ihren vielen Sensoren zu permanenten Messstationen für Gesundheitswerte und erlangen immer noch mehr Beliebtheit. In Verbindung mit passenden Gesundheits-Apps entwickeln Versicherungen neue Tarife und Bonus-Systeme. Big-Data-Spezialisten ermöglichen mit ihren Analysen von bisher nicht beherrschbaren Massen an Patientenakten und Studiendaten sehr gute Diagnosen und steigern Sicherheit und Zuverlässigkeit von Therapiekonzepten.

Selbst das Internet der Dinge zieht in die dem Menschen so nahe Branche ein: Die Unternehmensberatung McKinsey sieht hier das Gesundheitswesen als drittwichtigsten Anwendungsbereich, gleich nach dem Einsatz in Fabriken (Smart Factory) und Städten (Smart City). Und nicht zuletzt nutzen Patienten das Internet bereits als wichtige Informationsquelle, auch in Konkurrenz zum Arzt.

Gute Geschäftsaussichten

All diesen Entwicklungen liegen ITK-Technologien zugrunde. Für den Channel lässt das gute Geschäftsaussichten erwarten. Die Gesundheits-IT-Branche setzte nach Angaben des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg) im Jahr 2012 gut 1,6 Milliarden Euro um. Das Wachstum dieses IT-Bereichs lag mit 3,2 Prozent nicht nur deutlich über dem Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik (0,7 Prozent), sondern war auch mehr als doppelt so hoch wie das Wachstum der gesamten IT mit 1,54 Prozent.

Die Ausgaben für die Gesundheit werden auch zukünftig steigen. 2013 lagen sie bereits bei 315 Milliarden Euro. Die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft stieg von 2007 bis 2013 jährlich im Schnitt um 3,5 Prozent – trotz ebenfalls steigenden Kostendrucks. Die IT sitzt hier in der Pole-Position, dabei auch Qualitätssteigerungen in der gesundheitlichen Versorgung zu ermöglichen.

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