Zuckerberg weist Vorwürfe von Whistleblowerin zurück Hamburger Datenschützer fordert stärkere Regulierung von Facebook & Co.

Autor / Redakteur: dpa / Eva Hornauer

Facebook befindet sich in einer tiefen Krise. Der Totalausfall von Facebook, Instagram und WhatsApp am Montag und die Enthüllungen einer ehemaligen Mitarbeiterin erschüttern den Konzern. Facebook-Chef Mark Zuckerberg wehrt sich gegen die Vorwürfe der Whistleblowerin. Ulrich Kühn, Datenschutzbeauftragter Hamburgs, fordert eine stärkere Regulierung der sozialen Netzwerke.

Firmen zum Thema

Facebook unter massivem politischen Druck. Totalausfall und Whistleblowerin belasten den Konzern
Facebook unter massivem politischen Druck. Totalausfall und Whistleblowerin belasten den Konzern
(© Kaspars Grinvalds - stock.adobe.com)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat den Vorwurf einer ehemaligen Mitarbeiterin zurückgewiesen, das Online-Netzwerk stelle Profite über das Wohl seiner Nutzer. „Das ist einfach nicht wahr“, schrieb Zuckerberg in einer am Dienstag veröffentlichten Mail an die Mitarbeiter. Als Beispiel nannte er eine Änderung, mit der Facebook vor einigen Jahren anfing, den Nutzern mehr Beiträge von Freunden und Familienmitgliedern statt viraler Videos zu zeigen. Es war das erste Mal, dass sich Zuckerberg ausführlich zu den Vorwürfen der Whistleblowerin und belastenden Enthüllungsberichten äußerte.

Der Facebook-Gründer verteidigte den Plan, eine Instagram-Version für Zehn- bis Zwölfjährige zu entwickeln. „Die Realität ist, dass junge Menschen Technologie nutzen“, schrieb er. Statt dies zu ignorieren, sollten Tech-Unternehmen Dienste entwickeln, die ihre Bedürfnisse erfüllen und zugleich für eine sichere Umgebung sorgen, argumentierte er.

Die ehemalige Facebook-Managerin Frances Haugen, die als Whistleblowerin auftritt, hatte wenige Stunden zuvor bei einer Anhörung im US-Senat ausgesagt. Dort rief sie die Politik unter anderem auf, das Online-Netzwerk zu mehr Transparenz zu zwingen. „Facebook formt unsere Wahrnehmung der Welt durch die Auswahl der Informationen, die wir sehen.“ Dabei wisse bisher aber nur der Internetkonzern selbst, wie er den Newsfeed der Nutzer personalisiere.

Die 37-Jährige war rund zwei Jahre für Facebook und zuvor bei Google sowie der Fotoplattform Pinterest tätig gewesen. Bei dem Online-Netzwerk arbeitete sie unter anderem an der Abwehr von Versuchen, die öffentliche Meinung vor Wahlen zu manipulieren. Haugen war eine zentrale Quelle für eine Artikel-Serie im „Wall Street Journal“, die in den vergangenen Wochen Facebook immer stärker unter Druck brachte. Für besondere Empörung sorgte in den USA der Vorwurf, Facebook habe aus internen Studien gewusst, dass Instagram der psychischen Gesundheit einiger Teenager schade - aber keine konsequenten Maßnahmen dagegen ergriffen.

Zuckerberg kritisierte, die Studienergebnisse seien aus dem Kontext gerissen worden. Dabei sei ein „falsches Narrativ konstruiert worden, dass es uns egal ist“.

Hamburger Datenschutzbeauftragter für stärkere Regulierung

Hamburgs amtierender Datenschutzbeauftragter Ulrich Kühn hat nach dem stundenlangen Ausfall der Facebook-Dienste eine stärkere Regulierung der sozialen Netzwerke gefordert. „Die konsequente Durchsetzung der datenschutzrechtlichen Anforderungen in Europa wäre ein notwendiger erster Schritt“, sagte Kühn der „Augsburger Allgemeinen“. Er rechnet damit, dass auch international die Bestrebungen, den Facebook-Konzern stärker zu regulieren, zunehmen werden.

„In den USA steht Facebook aktuell unter erheblichem politischen Druck wegen seiner intransparenten Geschäftspraktiken“, sagte Kühn. Seine Behörde ist für Facebook in Deutschland zuständig. Der Ausfall habe deutlich gemacht, wie sehr Facebook seine sozialen Netzwerke inzwischen verknüpft habe. „Dass alle großen Dienste – Facebook, WhatsApp und Instagram – zugleich betroffen waren, zeigt die enge Nähe dieser Produkte und deren immer größere Verschmelzung miteinander.“

„Schwerer wiegen die fortwährenden Bestrebungen, die Dienste auch inhaltlich zu verzahnen und Daten aus einem Dienst für den anderen zu nutzen“, sagte Kühn. Hier habe sich seine Behörde jedoch auf europäischer Ebene nicht durchsetzen können, die Benutzung personenbezogener Whatsapp-Daten für Facebook-Zwecke zu untersagen. Der Ausfall zeige auch, wie sehr Facebook in Europa entgegen anderer Verlautbarungen aus den USA betrieben werde. „Die scheinbare Eigenständigkeit der europäischen Anbieter Facebook Ireland Ltd. und WhatsApp Ireland Ltd. besteht vor allem auf dem Papier.“

Technische Probleme bei Facebook und seinen Töchtern WhatsApp und Instagram hatten am Montag zu einem rund sechsstündigen Ausfall geführt.

(ID:47716232)