Healthcare-IT

Haftungsfragen, Datenschutz und die Meinung von Ärzten zu Medical Apps

| Autor / Redakteur: Kathrin Schäfer / Kathrin Schäfer

Vor welchen Risiken warnen Ärzte?

Erleichtern die mit Smartphone, Tablet oder Spezialuhr gesammelten Daten dem Arzt in der Praxis also die Arbeit? Offenbar nur in seltenen Fällen: Lediglich 30 Prozent der Umfrageteilnehmer sprechen von einer Erleichterung im Behandlungsalltag. Ihrer Meinung nach lassen sich hilfreiche Erkenntnisse aus den gesammelten Daten ziehen. 25 Prozent halten die Daten für unbedeutend und keine echte Hilfe. Deutliches Warnsignal dagegen: 45 Prozent sprechen im Zusammenhang mit Gesundheits- oder Medizin-Apps eher von einer Gefahr oder Mehrarbeit. Von den Angaben verwirrte Patienten müssten in der Praxis beruhigt oder aufklärt werden.

Sorgen machen sich die Ärzte auch beim Thema Datenschutz: Nur vier Prozent der befragten Ärzte glauben, dass sich die Nutzer der Apps voll über die Risiken im Klaren sind. Der Rest warnt: Patienten sollten bei den Apps genau schauen, welche persönlichen Daten von wem wo gespeichert und ausgewertet werden. 43 Prozent prophezeien sogar eine extrem gefährliche Entwicklung. Ihrer Meinung nach blenden viele Nutzer von Gesundheits-Apps das Thema Datensicherheit völlig aus – mit unüberschaubaren Folgen.

Kostenerstattung nach dem Vorbild Dänemarks?

Angesichts der Tatsache, dass fast täglich neue – und völlig ungeprüfte – Gesundheits-Apps auf den Markt kommen, hält die Mehrheit eine Überprüfung oder Zertifizierung durch Ärzte für dringend geboten: 37 Prozent der Ärzte sprechen sich gar für eine verpflichtende Kontrolle von Gesundheits- und Medizin-Apps aus, bevor sie in Deutschland angeboten werden dürfen. 55 Prozent würden sich zumindest eine Art Qualitätssiegel wünschen, das den Patienten die Auswahl sinnvoller Apps erleichtern würde. Ein Verbot schlechter Apps oder eine verpflichtende Überprüfung halten sie aber für wenig sinnvoll beziehungsweise schwer umsetzbar.

Nicht weit entfernt vom Thema Qualitätsprüfung liegt das Thema Kostenerstattung. BVITG-Geschäftsführer Ekkehard Mittelstaedt berichtet im Rahmen der Conhit über ein in Dänemark eingeführtes Schema, wonach versorgungsunterstützende Apps über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren abrechenbar sind, bevor anhand der Erfahrungen entscheiden wird, ob es eine Übernahme in die Regelversorgung gibt oder nicht.

Ob dieses Modell auch für Deutschland taugen kann, wird die Zukunft zeigen. Fest steht: „Der Wachstumstrend des Mobile-Health-Marktes wird zukünftig weiterhin anhalten. Damit wird auch die Zahl der medizinischen Apps weiter steigen“, so die Prognose von Marcus Kuhlmann, Leiter des Fachverbands Medizintechnik bei Spectaris.

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