Wie das Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern die Landesverwaltung vernetzt Gut gerüstet für eGovernment

Redakteur: Gerald Viola

In Mecklenburg-Vorpommern dient das Verwaltungsnetz des Landes als gemeinsame Plattform für Daten-, Sprach- und Video-Kommunikation. Telefonanlagen sind dort ein Auslaufmodell. Immer mehr Landesämter und Behörden beziehen stattdessen Cisco-Unified-Communications-Funktionen als flexible Dienstleistung zu einem monatlichen Festpreis. Die Arbeitsprozesse verbessern sich deutlich; die Verwaltung wird insgesamt produktiver. Zudem lässt sich das einheitliche Netzwerk effizienter als früher administrieren. Insgesamt spart das Land künftig Millionenbeträge.

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Das Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg Vorpommern ist der zentrale IT-Dienstleister für die Verwaltung in Mecklenburg-Vorpommern
Das Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg Vorpommern ist der zentrale IT-Dienstleister für die Verwaltung in Mecklenburg-Vorpommern
( Archiv: Vogel Business Media )

Der IT-Partner des Landes, die DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH (DVZ), modernisiert unterdessen die landesweite Infrastruktur mit Cisco-Routern ASR 1000. Das Netzwerk soll noch leistungsfähiger und flexibler werden, um Verwaltungseffizienz und eGovernment weiter voranzubringen. Die Cisco-Produkte werden nicht zuletzt deshalb eingesetzt, weil Netzinvestitionen des DVZ damit auf Jahre hinaus gesichert sind.

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Die Geschichte des Verwaltungsnetzwerks in Mecklenburg-Vorpommern reicht fast 20 Jahre zurück. Erste Konzepte lagen bereits Anfang der 90er-Jahre vor, kurz nach dem Beitritt des Landes zum Geltungsbereich des Grundgesetzes. Das nordöstliche Flächenland hatte sich seinerzeit für eine geografisch verteilte Verwaltungsstruktur entschieden: Schwerin wurde Regierungssitz, diverse Dienststellen und Landesämter dagegen kamen nach Rostock, Greifswald, Wismar oder Neubrandenburg.

„Früher als anderswo zeigte sich bei uns die Notwendigkeit, das gesamte Landesgebiet weiträumig zu vernetzen“, erklärt Matthias Fuchs, Abteilungsleiter für Lösungsentwicklung im DVZ.

1992 fiel der Startschuss für den Urahn des heutigen Verwaltungsnetzwerks. Dem Stand der Technik entsprechend handelte es sich zunächst um ein reines Datennetz. Technologische Basis war das damals verbreitete Netzwerkprotokoll X.25, das heute kaum mehr eine Rolle spielt. Später folgten andere Übertragungstechniken wie Frame Relay und ATM (Asynchronous Transfer Mode).

1998 gelang es erstmals, auch Sprachsignale über Datenleitungen zu schicken – Voice over Frame Relay sozusagen. „Der Konvergenzgedanke faszinierte uns von Anfang an“, so Matthias Fuchs weiter. „Uns trieb die Vision eines einheitlichen Multiservice-Netzwerks, das als gemeinsame Plattform für sämtliche IT-Verfahren und Kommunikationsanwendungen alle Verwaltungsstellen des Landes sicher und zuverlässig miteinander verbindet.“

Verbesserte Erreichbarkeit, Millionen-Einsparungen

Wirklichkeit wurde diese Vision mit der Einführung von Cisco Unified Communications im Jahr 2007. „Unified Communications basiert auf Voice-over-IP und integriert darüber hinaus unterschiedliche Kommunikationskanäle und -medien in eine gemeinsame Arbeitsumgebung“, erläutert John Mühlbach, Projektleiter im DVZ. Die einheitliche Benutzerschnittstelle bündelt mobile und schnurgebundene Telefonie, Videokonferenzen, Voice- und eMail sowie Fax und bietet zudem Präsenzfunktionen wie „online“, „offline“, „im Meeting“ oder „nicht stören“. „Die Erreichbarkeit der Mitarbeiter verbessert sich beträchtlich. Kein Besetztzeichen mehr und keine verlorene Zeit durch erfolglose Kontaktversuche. Die Zusammenarbeit wird effektiver, die Produktivität steigt, Verwaltungsentscheidungen beschleunigen sich“, fasst Projektleiter Mühlbach die greifbaren Vorteile für Anwender zusammen.

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Aus Sicht des Landes und seines IT-Dienstleisters kommen weitere wichtige Effekte hinzu. Dazu Matthias Fuchs: „Kostspielige und zeitraubende Konfigurationen an dezentral verteilten Telefonanlagen erübrigen sich. Außerdem sind verwaltungsinterne Telefonate über das Landesnetz gebührenfrei. Durch effizientere Administration und Wartung der vereinheitlichten Infrastruktur sowie durch günstigere Leitungs- und Verbindungskosten ergeben sich erhebliche Einsparungen.“ Der Landeshaushalt, so seine Erwartung, wird in den kommenden Jahren um Millionenbeträge entlastet.

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Kapazitätsbedarf wächst rasant

Voraussetzung für das Geschäftsmodell „Unified Communications als Managed Service“ ist die flächendeckende Verfügbarkeit des Landesnetzwerks. Dessen Backbone oder Kernnetz ist dazu als ein geschlossener Ring angelegt. Er reicht von Schwerin über Rostock, Stralsund, Neubrandenburg und Parchim bis zurück nach Schwerin. Alle anderen Verwaltungsstandorte, zum Beispiel Wismar, Güstrow oder Ludwiglust, sind sternförmig an diesen Ring angeschlossen.

Im Backbone-Ring steigt der Datenverkehr permanent – nicht nur, weil immer mehr Landesstellen und inzwischen auch Kommunalverwaltungen den Unified-Communications-Service des DVZ in Anspruch nehmen, sondern auch durch viele andere Anwendungen. Direkte Schnittstellen zu den zentralen eGovernment-Diensten des Landes M-V – wie beispielsweise die seit 2008 nutzbare einfache Melderegisterauskunft „eMRA.MV“ und das in diesem Zuge aufgebaute Zentrale Informationsregister „ZIR“ – verstärken das bereichsübergreifende Zusammenspiel der unterschiedlichen Komponenten.

So kann der Rettungsdienst der für den Bereich Westmecklenburg zuständigen „Integrierten Leitstelle“ dank der optimalen Anbindung schneller auf erforderliche zentrale Landesdaten zugreifen und bei Bedarf direkt melderelevante Anfragen ans ZIR senden. Zusätzlich werden über das geschützte Landesnetzwerk die lokalen Einsatzdaten vom Anruf bis zur Auswertung für andere Leitstellen in einer „zentralen“ Datenbank bereitgestellt. Hier fließen die Daten zusammen. Zudem dient das Netzwerk zur überregionalen Koordination der angeschlossenen Einsatzkräfte sowie zur Online-Bereitstellung entsprechender Geo-Daten, Straßenverzeichnisse und Alarmpläne. Es versteht sich, dass solche Anwendungen nicht nur den Kapazitätsbedarf in die Höhe schrauben, sondern auch die Ansprüche an Verfügbarkeit und Sicherheit.

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Nachhaltigkeit als Grundprinzip

Unterdessen sehen die alten ATM-Switches im Backbone dem Ende ihrer Produktlebenszeit entgegen. Die Komponenten haben jahrelang treue Dienste geleistet, doch jetzt sind sie abgeschrieben.

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Nach einer europaweiten Ausschreibung konnte NextiraOne, ein international führender Spezialist für Kommunikationslösungen, mit seinem Migrations- und Modernisierungskonzept überzeugen. Tragende Säule dieses Konzepts sind die neuartigen Cisco Aggregation Services Router (ASR) 1000. „Traditionelle Routing-Architekturen stoßen früher oder später an Grenzen“, erläutert Martin Budde, zuständiger Consultant bei NextiraOne. Als Hauptgrund dafür nennt er die zunehmende Verbreitung multimedialer Collaboration-Formen, insbesondere virtuelle Zusammenarbeit per Web- und Videokonferenz.

„Cisco ASR 1000 revolutioniert das Netzwerkdesign und überwindet bisher gültige Limits im Hinblick auf Skalierbarkeit und Flexibilität“, so Martin Budde. Konkurrenzlos sei überdies die Fähigkeit der neuen Router zur Integration zusätzlicher Dienste. In die kompakten Geräte integriert sind beispielsweise Sicherheitsfunktionen wie hardwarebeschleunigte Firewalls und hochperformante Verschlüsselungsdienste für Virtuelle Private Netzwerke (VPN).

Hochsichere Verschlüsselung spielt im Verwaltungsnetz naturgemäß eine herausragende Rolle, unter anderem für die Leitstellenlösung oder bei abhörsicheren Kommunikationsdiensten für Polizei oder Steuerverwaltung. „Serviceintegration ins Netzwerk gibt uns die Möglichkeit, die Gesamtzahl der Geräte trotz steigender Leistung deutlich zu reduzieren“, kommentiert Matthias Fuchs.

„Wir vereinfachen erneut das Management und begrenzen somit nachhaltig die Gesamtkosten für unser Verwaltungsnetz.“ Die ASR-1000 Systeme stellen im Landesnetz die Grundlage für eine mandantenfähige MPLS-Plattform dar. Flexibilität in der Auswahl der Übertragungspfade von ATM über serielle Verbindungen bis Gigabit- und 10-Gigabit-Ethernet sowie die integrierte Hochverfügbarkeit machen diese, auch bei Service Providern beliebten Geräte, zu einer zukunftssicheren Wahl.

Nachhaltigkeit war noch in anderer Hinsicht ein treibendes Motiv für das Technologievotum des DVZ: „Cisco ASR 1000 kam erst vor einigen Monaten auf den Markt. Wir setzen mit der Nutzung sehr früh im Lebenszyklus der Produkte ein. Diese kann sich somit über einen maximalen Zeitraum erstrecken und bietet uns optimalen Investitionsschutz“, sagt der Abteilungsleiter zum Schluss.

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