Behörden tun sich mit technischen Innovationen schwer

Große Chancen, zaghafte Umsetzung

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Chancen auch für kleine Kommunen

Die Sympathie der Bürger ist den Kommunen auf den Weg zum eGovernment jedenfalls sicher. Nach einer Umfrage des Branchenverbands BITKOM wünscht die Mehrheit der Befragten eine einfache elektronische Kommunikation mit den Behörden. Sie stellen lieber Anträge per Internet als persönlich im Amt vorzusprechen. Ähnlich wie die Chancenrepublik Deutschland – die vor allem engagierte, kleine Projekte fördert – ist eGovernment auch in überschaubaren Kommunen erfolgsversprechend: So setzte etwa die Samtgemeinde Sickte gemeinsam mit neun anderen Gemeinden aus dem Landkreis Wolfenbüttel eine Internetplattform auf, um interkommunale Verwaltungsvorgänge zu vereinfachen.

Zu den ersten Verfahren, die online abgewickelt werden, zählt die Vollstreckung öffentlich-rechtlicher Forderungen. „An dem Verwaltungsvorgang sind gemeindeübergreifend mehrere Stellen beteiligt. Dementsprechend hoch ist der Papieraufwand. Künftig werden Einzahlungen und die Rückmeldungen des Vollstreckungsbeamten digital erfasst. Die Informationen stehen dann automatisch der ausstellenden Behörde zur Verfügung“, erklärt Pautsch.

Das entlaste die Verwaltung und beschleunige den gesamten Vollstreckungsvorgang. Unterm Strich stehen also nicht nur Kostensenkungen, sondern auch ein besseres Angebot für Bürger und Wirtschaft. Richtig umgesetzt kann eGovernment sogar ein handfester Standortvorteil sein, erklärt Franz-Reinhard Habbel: „eGovernment steht vor allem bei jungen, leistungsorientierten Menschen hoch im Kurs. Das kann zum Zünglein an der Waage werden, wenn es um Wohn- oder Standortfragen geht.“ Vor allem geografisch benachteiligte Gemeinden könnten auf diese Weise punkten.

Effizientere Verwaltungsprozesse und ein besserer Service für die Bürger sind naheliegende, aber nicht die einzigen Beispiele für die Gestaltungskraft moderner Technologien. Experten sind sicher, dass die Veränderungen, die speziell vom Cloud Computing ausgehen, viel weiter reichen.

Für Ralph Haupter geht es auch darum, wie wir in Zukunft unsere Gesellschaft organisieren: „Mithilfe von Cloud Computing können breite Bevölkerungsschichten bei minimalen Aufwand erreicht werden. Daraus ergeben sich völlig neue Möglichkeiten – etwa mit Blick auf die kommunale Bürgerbeteiligung.“ Nicht umsonst liege ein Schwerpunkt der Initiative auf Projekten zur Partizipation. Dass gerade hier frischer Wind gut tut, bestätigt Dr. Arne Pautsch: „Die im Rathaus ausgelegten Bebauungspläne finden kaum Beachtung, und der Besuch öffentlicher Gemeinderatssitzungen ist eher spärlich. eGovernment könnte helfen, Kommunen näher an die Bürger zu rücken.“

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