Behörden tun sich mit technischen Innovationen schwer

Große Chancen, zaghafte Umsetzung

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Dem stimmt Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes sowie Direktor für politische Grundsatzfragen, eGovernment und eDemocracy, grundsätzlich zu. Für ihn sind neben langen Entscheidungswegen vor allem die komplexen Abstimmungs- und Konsolidierungsprozesse zwischen den Verwaltungsbereichen verantwortlich für das Schneckentempo.

„Wir bewegen uns noch zu stark in territorialen Datensilos. Erst wenn Behörden enger zusammenarbeiten, werden Abläufe effizienter und kostengünstiger. Dann könnte man auch darüber nachdenken, Teile der IT-Infrastruktur auszulagern. Online-Dienste wie Cloud-Computing-Plattformen bieten sich dafür bereits heute an“, erklärt Franz-Reinhard Habbel.

Zum Schrittmacher könnte dabei der steigende Kostendruck auf ineffiziente Verwaltungsprozesse werden. Schließlich dürfte es schwer zu vermitteln sein, dass Leistungen gekürzt werden, um den Status Quo in der Verwaltung zu wahren. Eine zusätzliche Herausforderung ist der demografische Wandel: Auch die Verwaltung wird langfristig mit weniger Mitarbeitern auskommen müssen.

Zudem ist eGovernment nicht nur eine technisch-organisatorische Herausforderung, sondern besitzt auch eine psychologische Komponente. Doch erfolgreich umgesetzte Projekte sind häufig weder beim Bürger noch innerhalb der Behörden ausreichend bekannt. Selbst über eGovernment-Aushängeschilder, wie etwa die D115 oder den neuen Personalausweis, wissen die meisten noch zu wenig. Für Walter Seemayer ein klares Kommunikationsproblem: „Ein paar Plakate am Bahnhof reichen nicht aus, um Bürger zur Nutzung und Kommunen zur Umsetzung zu animieren.“

Das erkennt inzwischen auch die IT-Industrie. Als erster führender Anbieter springt Microsoft in die Bresche. Im Rahmen der Initiative „Chancenrepublik Deutschland“ will das Softwareunternehmen in den nächsten drei Jahren mindestens 30 Pilotprojekte unterstützen.

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