Green Business

Green Business: IT als Innovationstreiber der Nachhaltigkeit

| Autor / Redakteur: Stefan Pechardscheck / Manfred Klein

Stefan Pechardscheck
Stefan Pechardscheck (Foto: BearingPoint)

Green Business – noch bis vor Kurzem ein Fremdwort – gehört jetzt zum Standardwortschatz der Geschäftswelt. Was aber verbirgt sich hinter dem Schlagwort? Stefan Pechardscheck, Partner bei BearingPoint, äußert sich im Interview mit eGovernment Computing zur wachsenden Bedeutung von Green Business in Verwaltung und Wirtschaft.

BearingPoint und der BITKOM, Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., befragten mehr als 280 Geschäftsführer und IT-Abteilungsleiter aus Wirtschaft und Verwaltung zu ihren bereits umgesetzten oder geplanten Green-Business-Maßnahmen.

eGovernment Computing: Was bedeutet Green Business auf operativer Ebene?

Pechardscheck: Green IT macht IT grün, während bei Green Business Fach- und Verwaltungs­prozesse durch IT grün werden. Wenn wir uns den Gartner-Hype-Zyklus anschauen, ist Green IT eine ausgereifte Technologie. Green Business steckt dagegen noch in den Kinderschuhen.

eGovernment Computing: Welches sind die auffälligste­n Ergebnisse der Studie?

Pechardscheck: Über die Hälfte der befragten Organisationen wollen in den nächsten drei Jahren in Projekte zur Nachhaltigkeitsförderung investieren. Jedoch fehlt oft die richtige Strategie. Bei vier von zehn befragten Unternehmen und Verwaltungen scheitern deswegen Projekte zum Umweltschutz. Ein weiteres großes Hindernis für Green Business sind die knappen finan­ziellen Mittel – nur die Hälfte der befragten Organisationen kennt die einschlägigen staatlichen Förderprogramme.

eGovernment Computing: Woran liegt es, dass nur wenige Unternehmen Fördermittel nutzen?

Pechardscheck: Es mag einerseits dar­an liegen, dass geeignete Förderprogramme nicht bekannt sind oder die Kriterien nicht erfüllt werden. Anderer­seits ist gerade der Bewilligungsprozess für kleine und mitt­lere Organisations- und Verwaltungseinheiten eine Heraus­forderung.

eGovernment Computing: Wo können Unternehmen und Verwaltungen IT besonders zielführend einsetzen?

Pechardscheck: Die befragten Organisationen gaben dazu folgende Einsatzgebiete an:

  • 1. Smart Services, ressourcenschonende Dienstleistungen, zum Beispiel durch Fernwartung oder Kunden- und Bürgerkommunikation in Online-Formularen
  • 2. Smart Buildings, intelligentes Gebäudemanagement
  • 3. Smart Consumption, Maßnahmen und Anwendungen, die das Nachfrageverhalten von Konsumenten durch IT-Einsatz beeinflussen, also etwa zeitbasierte Heizprofile oder Produktkennzeichnungen
  • 4.

Punkt 1 und 3 sind leicht umzusetzen, zeigen aber nur geringe Effekte. Nach Meinung von BearingPoint ist die größte CO2-Kosteneinsparung mit Smart Logistics, Smart Buildings und Smart Production zu erzielen.

eGovernment Computing: Wo sollten Organisatione­n jetzt ansetzen?

Pechardscheck: Die Studie zeigt eines ganz deutlich: 40 Prozent der befragten Organisationen haben Umsetzungsschwierigkeiten aufgrund einer mangelnden Strategie. Das heißt, Einzelmaßnahmen werden umgesetzt, jedoch bleibt das Gesamtprojekt häufig unvollendet.

Organisationen, die Green Business zum Erfolg führen möchten, müssen über eine ausreichende Gesamt­strategie verfügen, die erforderliche Unterstützung der Verwaltungsleitung haben, klar kommunizieren, Zuständigkeiten definieren und bei der Finanzierung auch staat­liche Fördergelder einbeziehen.

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