Jürgen Sprenzinger kommentiert das „Weihnachtsmärchen“ aus Berlin

Glaubt Gesundheitsminister Gröhe noch an den Weihnachtsmann?

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Versuchen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), Karl Lauterbach (SPD) und Jens Spahn (CDU) die Probleme der verfehlten Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre mit Rezepten einer gescheiterten Planwirtschaft zu lösen?
Versuchen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), Karl Lauterbach (SPD) und Jens Spahn (CDU) die Probleme der verfehlten Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre mit Rezepten einer gescheiterten Planwirtschaft zu lösen? (Bild:Archiv)

Wieder einmal klopft eine Gesundheitsreform an die Tür und die Gesundheitsexperten der Regierung, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sowie die Bundestagsabgeordneten Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD), haben dafür ein „Weihnachtsmärchen“ geschrieben.

Geht es nach dem Entwurf ihres „Versorgungsschwächungsgesetzes“, dann würden in den nächsten Jahren 25.000 Arztpraxen in diversen Städten geschlossen. Gleichzeitig sollen die Bürger aber nicht mehr so lange auf einen Arzttermin warten und garantiert innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt bekommen.

„Weniger Ärzte, aber kürzere Wartezeiten – wie soll das gehen, Herr Minister Gröhe?“, fragten Ärzte und Patientenvertreter anlässlich der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) kürzlich in Berlin.

Setzt die Politik auf die Rezepte einer gescheiterter Planwirtschaft?

Dazu kommt, dass die Regierung mehr Ärzte aufs Land schicken will. Doch stellt sich dabei die Frage, inwieweit das für junge Ärzte lukrativ sein soll. Im Gegenteil: Die Zukunft ist für Landärzte viel unsicherer als in der Stadt. „Niemand kann einen freiberuflichen Arzt dazu zwingen, dort eine Praxis aufzumachen, wo der Staat es befiehlt. Eher wandert er ins Ausland ab oder in die Industrie – und genau das verschärft den generell drohenden Ärztemangel“, sagt Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft e. V. Mit Rezepten gescheiterter Planwirtschaft versuchten Gröhe, Lauterbach und Spahn, Probleme der verfehlten Gesundheitspolitik in den vergangenen Jahrzehnten zu lösen.

Freiberufliche Ärzte sind das Rückgrat der Medizin

Die ambulante Medizin wird kaputtgespart, die Ausgaben dafür wurden auf 15 Prozent der Einnahmen der Krankenkassen heruntergeschraubt. Dabei landen 90 Prozent aller medizinischen Behandlungsfälle in der Arztpraxis. „Freiberufliche Ärzte sind das Rückgrat der Medizin in Deutschland. Sie haben sich immer dem Gemeinwohl untergeordnet und brauchen nun den Schutz der Gesellschaft, wirtschaftliche Sicherheit und Wertschätzung ihrer Arbeitsbedingungen, damit sie ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit ungehindert nachgehen können“, sagt Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der Bürgerinitiative Gesundheit. Ärzte und Patientenvertreter fordern einen scharfen Kurswechsel – und zwar weg von den Interessen der Gesundheitskonzerne, die die Konkurrenz der freiberuflichen Ärzte ausschalten wollen.

Appeasement ist nicht angebracht

Der Appell der Ärzte geht auch an die KBV: „Wir erwarten den klaren Einsatz für die Haus- und Facharztpraxen und kein reflexartiges Einschwenken auf Staatsmedizin mit Abrissbirne. Es kann nicht darum gehen, als ausführendes Organ des Bundesgesundheitsministeriums Terminservicestellen, Kontrollwahn und Praxisabschaffungsprogramme zu installieren.“

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