eGovernment-Wettbewerb 2021 Gewinnerprojekte bestechen durch smarte Digitallösungen

Redakteur: Manfred Klein

Gestern wurden auf dem Ministerialkongress von Bearinpoint in Berlin – der dieses Jahr unter dem Motto „Aufbruch Verwaltung – Segel setzen und Zukunft gestalten“ stand, wurden unter den 19 Finalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Gewinner des 20. eGovernment-Wettbwerbs gekürt. Verliehen wurde auch der Publikumspreis über den Bürger online abstimmen konnten. eGovernment Computing stellt die Sieger vor.

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Die Preisträger des Jahres 2021
Die Preisträger des Jahres 2021
(© Konstantin Gastmann)

Welche Bedeutung das Thema eGovernment inzwischen einnimmt, wurde dabei auch dadurch unterstrichen, dass sich die Bundes- und Landes-CIOs auf dem Podium des Ministerialkongresses einheitlich für ein Digitalministerium aussprachen.

Die Gewinnerprojekte – von Stadtverwaltungen bis hin zu Bundesministerien – zeigen eindrucksvoll, wie Digitalisierung in der Verwaltung in allen Bereichen mit großem Elan vorangetrieben und innovative Lösungen erarbeitet werden. Der eGovernment-Wettbewerb ist somit auch ein Fingerzeig für alle Verwaltungen in Deutschland, die sich gerade modernisieren und neue digitale Services einführen.

Die diesjährigen Preisträger zeigen die ganze Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten smarter Digitallösungen in der Verwaltung. Von der Stärkung der interkommunalen Kooperation von Stadt und Kreis, der Verbesserung eines regionalen Wirtschaftsserviceportals im Bereich OZG-Leistungen, der Optimierung eines bundesweiten Förderportals für Unternehmen über ein agiles Projekt zur Modernisierung eines Ministeriums bis hin zur Etablierung einer krisenwichtigen Impfnachrücker-Plattform eines Landkreises.

„Unser diesjähriger eGovernment-Wettbewerb stand nicht nur wegen des 20. Jubiläums unter besonderen Vorzeichen. Die Pandemie hat uns allen sehr deutlich vor Augen geführt, welch zentrale Bedeutung digitalen Prozessen zukommt und dass schnell einsatzfähige und innovative Digitallösungen überall dringend gebraucht werden. In unserem Wettbewerb haben die Gewinner mit ihren Digitallösungen gezeigt, wie man schnell, pragmatisch sowie nutzer- und nutzenorientiert die Digitalisierung in der Verwaltung gewinnbringend umsetzen kann“, fasst Jon Abele, Leiter Public Services und Mitglied der Geschäftsführung bei BearingPoint, die Projekte zusammen.

„Die diesjährigen Preisträger haben mich absolut überzeugt, denn sie zeigen eindrucksvoll, wie man digitale Verwaltungslösungen in den verschiedensten Bereichen smart denken und nutzerfreundlich umsetzen kann. Der zusätzliche Schub, den die Digitalisierung der Verwaltung durch die Pandemie bekommen hat, bringt neue innovative Lösungen hervor, auf die wir sonst wahrscheinlich noch viele Jahre hätten warten müssen.“ betont Jonas Rahe, Mitglied der Geschäftsleitung bei Cisco Deutschland.

Die Preisträger 2021 im Überblick

Kategorie 1: Bestes OZG- oder Registermodernisierungsprojekt: Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW: Digitalisierung von Verwaltungsleistungen für die Wirtschaft im WSP.NRW auf Basis einer standardisierten, bausteinbezogenen Herangehensweise über Digitalisierungsstraßen und Bereitstellung als „Einer-für-Alle“ (EfA)-Leistungen

Prof. Dr. Dagmar Lück-Schneider, Fachgebiet Verwaltungsinformatik, HWR Berlin, erklärte dazu: „Das Projekt ‚Digitalisierung von Verwaltungsleistungen für die Wirtschaft im WSP.NRW‘ stellt mit einem sehr umfassenden modularen Ansatz, der Nutzerorientierung, Architekturfragen, neue Technologien und Vorgehensweisen berücksichtigt, auf dem Wirtschaftsserviceportal NRW schon jetzt eine Vielzahl und künftig 350 OZG-Leistungen medienbruchfrei für die Wirtschaft von NRW als ‚Einer für alle‘-Leistung zur Verfügung. Insgesamt bringt das Projekt für Unternehmen und Unternehmensgründungen deutliche Vorteile und stärkt den Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Kategorie 2: Bestes Projekt zum Einsatz innovativer Technologien und Infrastrukturen: Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort „Förderungen für Unternehmen im Unternehmensserviceportal (USP) mit Methoden der Künstlichen Intelligenz“

Prof. Dr. Maria Wimmer, Dekanin an der Universität Koblenz-Landau: „Das Pilotprojekt des Bundesministeriums für Digitales und Wirtschaftsstandort bietet im Unternehmensserviceportal (USP) KI-basierte Funktionalitäten an, um Unternehmen effektiv bei der Suche nach verfügbaren und für sie zutreffende Fördermöglichkeiten zu unterstützen; dies basierend auf einem umfänglichen Regelwerk und dem automatisierten Abgleich der Förderbedingungen mit Unternehmensdaten aus dem USP. Der Nutzen und die Vorteile dieser Anwendung für die Unternehmen, die öffentliche Verwaltung und für die Fördergeber haben die Jury besonders überzeugt."

Kategorie 3: Bestes Digitalisierungsprojekt in Bund, Ländern und Kommunen:

NVBW – Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg: „MobiData BW – verkehrsträgerübergreifende Integrationsplattform für mobilitätsrelevante Daten und Services in Baden-Württemberg“

Prof. Dr. Peter Parycek, Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung: „Der Integrationsplattform für mobilitätsrelevante Daten und Services MobiData in Baden-Württemberg ist es erfolgreich gelungen ein Daten-Ecosystem zu Mobilitätsdaten aufzubauen, durch strategische Zielsetzungen und Schwerpunktsetzung, einer konsequenten technischen Standardisierung und einer engen Kooperation mit Kommunen und Wirtschaft. Das Projekt fördert damit die Datennutzung in einem aus Klimaperspektive hochrelevanten Bereich und zeigt auf, dass Open Data im Kontext einer darüber liegenden gesamthaften Datenstrategie und einem aktiven Management einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten kann.“

Kategorie 4: Bestes Projekt zur agilen Transformation: Bundesministerium der Finanzen & Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: „Modernisierung der BaFin (MoBaFin): Mehr Biss für die deutsche Finanzmarktaufsicht“

Franz-Reinhard Habbel, Publizist und Autor, ehemals Sprecher des DStGB und Gründer Innovators Club, bewertete das Projekt so: „Es handelt sich um ein bahnbrechendes Reformkonzept und ein Beispiel für eine gelungene Transformation in der Verwaltung. Bemerkenswert ist u.a. der Einsatz eines cross-funktionalen Teams aus Mitarbeitern des BMF, der BaFIn und externer Experten. Das agile Projekt ist eine starke Antwort als Reaktion auf die Wirecard-Krise. Was die Aufsicht betrifft, setzt es national und international neue Maßstäbe. Die Verwaltung von morgen mit einem schnellen, agilen und evidenzbasierten Handeln wird durch das Projekt besonders sichtbar. Das ist beispielgebend um macht Mut.“

Kategorie 5: Bestes Kooperationsprojekt:

Stadt Bad Salzuflen: Interkommunale Kooperation der lippischen CDOs und Digitalisierungsbeauftragten

Ilona Benz, Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung beim Gemeindetag Baden-Württemberg und Mitglied der Fachjury, meinte dazu: „Die Stadt Bad-Salzuflen, der Landkreis Lippe und seine 15 kreisangehörigen Städte und Gemeinden zeigen, dass interkommunale Kooperation nicht beim gemeinsamen Betrieb von Kläranlagen endet. Eine wertschätzende Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und mit der Kreisverwaltung ist auch für die kommunale Digitalisierung ein echtes Zukunftsmodell. Ressourcenbündelung, gemeinsame Beschaffung, Skaleneffekte, Wissenstransfer und gegenseitige Motivation sind nur die offensichtlichsten Vorteile. Wo kreative und engagierte Menschen zusammenkommen, gewinnen alle.“

Kategorie 6: Bester Beitrag zur kurzfristigen Krisenbewältigung:

Bundesamt für Informatik und Telekommunikation BIT / Bundesamt für Gesundheit BAG „Covid-Zertifikat“ Marcel Kessler, Projektleiter Umsetzungsplan, Geschäftsstelle E-Government Schweiz, bewertete das Projekt so: „Zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit hat das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation in kürzester Zeit das komplexe Gemeinschaftsprojekt «Covid-Zertifikat» umgesetzt und zum Erfolg geführt. Bei der Entwicklung des Covid-Zertifikats hat der Bund auf Open Source gesetzt und wo sinnvoll bestehende Code-Bausteine wiederverwendet. Andere Staaten, wie z. B. Österreich, konnten von den Arbeiten profitieren. Das Vorhaben war erfolgreich, weil Kräfte gebündelt wurden: So haben am Projekt beteiligte Firmen, alle 26 Kantone sowie zahlreiche Impf- und Testzentren zusammengespannt.“

Landkreis Waldeck-Frankenberg „Impfnachrücker-Plattform“:

Manfred Klein, Chefredakteur der Fachzeitung eGovernment Computing, sah das Projekt so: „Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat innerhalb kürzester Zeit und mit sehr schlankem Ressourceneinsatz eine hocheffiziente Plattform entwickelt, um übriggebliebene Impfdosen an Impfinteressenten zu vermitteln. Der Prozess und die erstellte Dokumentation kann zudem problemlos von anderen Kommunen verwendet werden, damit diese ebenfalls schnell und effizient eine Plattform für Impfnachrücker realisieren können.“

Publikumspreis

Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW konnte mit seinem Projekt „Digitalisierung von Verwaltungsleistungen für die Wirtschaft im WSP.NRW“ nicht nur die Jury, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger begeistern und erhielt die meisten Stimmen beim Online-Voting.

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