eGovernment-Benchmark der EU

Gewinner und Verlierer

| Autor: Manfred Klein

Die aktuelle eGovernment-Studie der EU belegt, dass viele Mitgliedsstaaten Probleme mit eGovernment haben – auch Deutschland
Die aktuelle eGovernment-Studie der EU belegt, dass viele Mitgliedsstaaten Probleme mit eGovernment haben – auch Deutschland (Bild: © artjazz – Fotolia.com)

Capgemini hat den neuen eGovernment-Benchmark der EU-Kommission und eine europaweite Studie zu Open Data erstellt. eGovernment Computing sprach mit Marc Reinhardt darüber, wie die Ergebnisse zu interpretieren sind.

Haben in der Open-Data-Studie die gleichen Länder die Nase vorn wie beim eGovernment Benchmark oder gibt es Unterschiede? Und welche Schlussfolgerungen sind aus den Ergebnissen zu ziehen?

Herr Reinhardt, was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Schlussfolgerungen, die sich aus dem aktuellen Benchmark für die Entwicklung von eGovernment in Europa und Deutschland ziehen lassen?

Reinhardt: Grundsätzlich zeigt der Report, dass sich europäische digitale Regierungsservices in den letzten Jahren stetig verbessert haben – allerdings eher evolutionär als revolutionär. So sind die meisten eGovernment-Services europaweit online verfügbar, aber derzeit nur einer von drei Internetauftritten im öffentlichen Sektor ist auch für eine mobile Nutzung optimiert. Und während die Quantität zunimmt, entwickelt sich die Qualität der Onlineservices nur langsam. Nutzerorientierung ist noch keine Priorität, das sehen wir auch in Deutschland, das unter dem EU-Durchschnitt im hinteren Mittelfeld liegt.

Es gibt aber auch positive Entwicklungen: Deutschland hat im europäischen Vergleich bei der transparenten Verwaltung den größten Entwicklungssprung gemacht. Auch gibt es für Bürger und Unternehmen bessere grenzüberschreitende Angebote, im Report zusammengefasst unter dem Indikator grenzüberschreitende Mobilität. Beide Entwicklungen waren allerdings überfällig und sind weiterhin nicht zufriedenstellend.

Die EU sieht eine „digitale Diagonale“, der Vorreiter der digitalen Verwaltung wie Dänemark, Estland, Österreich und einigen anderen angehören – darunter auch Deutschland, das viele Grundlagen für erfolgreiches eGovernment hat, auch wenn es noch nicht alle voll nutzt. Andere Länder laufen aber Gefahr, abgehängt zu werden – eine Bedrohung für den angestrebten digitalen Binnenmarkt.

Digitales Transformieren wird in Unternehmen immer weniger durch die Technologie limitiert, als durch die Führungs- und Fachkompetenz. Dies ist auch im öffentlichen Bereich absehbar. Wollen wir einen grenzfreien digitalen Binnenmarkt innerhalb der EU erreichen, müssen auch die Behörden ihre digitale Transformation beschleunigen.

Nun schneidet Deutschland im Benchmark erstaunlich gut ab. Viele andere Untersuchungen – etwa die Studie des Normenkontrollrats, an der ja ebenfalls Capgemini beteiligt war, und der aktuelle eGovernment-Monitor – zeichnen ein sehr viel pessimistischeres Bild. Woran liegt das?

Reinhardt: In der Summe der Bewertungen ist Deutschland immer noch im Mittelfeld – damit würde ich mich noch nicht zufrieden geben wollen. Der Report ermittelt zudem durch die Befragung von fast 30.000-EU Bürgern und durch „Testkäufer“ von Online Services nicht nur einen, sondern diverse Plätze. Die differenzierte Betrachtung soll den Entscheidern zeigen, bei welchem Thema sie bei welchem Nachbarn noch „best practices“ abschauen können.

Ein Beispiel für die differenzierte Betrachtung: Die größte Hemmschwelle für den digitalen Behördengang waren im Vorjahr noch ein wenig transparenter Umgang mit persönlichen Daten sowie fehlende Kenntnis, welche weiteren Stellen am Vorgang beteiligt waren. Hier konnte sich Deutschland im Transparenz-Ranking von 45 Prozent (2012-2013) auf 66 Prozent (2014-2105) verbessern, unter anderem mittels Transparenzgesetzen, wie sie in Hamburg und Bremen verankert worden sind. Länder, die insgesamt die positivste Entwicklung in diesem Segment vorweisen können, sind sogenannte fastest grower. Und obwohl Deutschland zu den richtungsweisenden Staaten bei der Weiterverarbeitung von Daten und Informationen in der Öffentlichen Verwaltung zählt, erreicht es dennoch insgesamt im Segment Transparenz nur eine Platzierung knapp über dem EU-Durchschnitt. Eine der Ursachen dafür ist, dass die Benutzerfreundlichkeit und Schnelligkeit der Nutzung sich nur geringfügig verbessert haben.

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