eHealth-Studie

Gesundheitssektor verschenkt 34 Milliarden Euro jährlich

| Autor: Manfred Klein

„Im deutschen Gesundheits­wesen gibt es viele Akteure, für die der Status quo besser ist als die Veränderung durch die Digitalisierung.“
„Im deutschen Gesundheits­wesen gibt es viele Akteure, für die der Status quo besser ist als die Veränderung durch die Digitalisierung.“ (© psdesign1 – stock.adobe.com)

Eine Studie der McKinsey-Unternehmensberatung lässt den Schluss zu, dass im Gesundheitswesen jährlich rund 34 Milliarden Euro durch den Einsatz digitaler Technologien eingespart werden könnten. Der Einsatz digitaler Technologien würde die Gesundheits- und Versorgungskosten laut Studie um 12 Prozent senken. Das größte Nutzenpotenzial bieten dabei, laut Studie, die elektronische Patientenakte, elektronische Rezepte und webbasierte Interaktionen zwischen Arzt und Patient.

In der Studie wurden insgesamt 26 digitale Gesundheitstechnologien in sechs Lösungskategorien mit unterschiedlichem Einsparpotenzial analysiert:

  • Umstellung auf papierlose Datenverarbeitung (9,0 Milliarden Euro)
  • Online-Interaktionen, zum Beispiel durch Teleberatung (8,9 Milliarden Euro)
  • Arbeitsabläufe/Automatisierung, etwa durch die mobile Vernetzung vom Pflegepersonal oder die auf Barcodes basierte Verabreichung von Medikamenten (6,1 Milliarden Euro)
  • Entscheidungsunterstützung durch Datentransparenz, zum Beispiel durch den Einsatz von Software, um Doppeluntersuchungen von Patienten zur vermeiden (5,6 Milliarden Euro)
  • Patientenselbstbehandlung, zum Beispiel durch Gesundheits-Apps oder digitale Diagnosetools (3,8 Milliarden Euro)
  • Patienten-Self-Service , etwa Onlineportale zur Terminvereinbarung (0,5 Milliarden Euro).

„Das Potenzial von 34 Milliarden Euro setzt sich einerseits aus Effizienzsteigerungen, andererseits aus Reduzierung unnötiger Nachfrage zusammen“, erläutert McKinseyPartner Stefan Biesdorf die Studienergebnisse. Die geringere Nachfrage ergebe sich, wenn beispielsweise Doppeluntersuchungen vermieden, unnötige Krankenhauseinweisungen verhindert und durch bessere Qualität der Folgebehandlungen minimiert würden.

Die größte Einsparung verspreche die Umstellung auf eine einheitliche elektronische Gesundheitsakte (EHR, Electronic Health Record), die allein 6,4 Milliarden Euro brächte. Diese Lösung könne schnellere, reibungslosere Abläufe ermöglichen, indem sie beispielsweise den Verwaltungsaufwand und die Anzahl von Tests reduziert.

Dazu Biesdorf weiter: „Patienten werden die elektronische Gesundheitsakte aber nur akzeptieren, wenn sie die Kontrolle über ihre Daten behalten, also selber entscheiden, welcher Arzt oder welches Krankenhaus darauf Zugriff bekommen.“

Ärzte und Krankenhäuser profitieren von der Digitalisierung am meisten

Die Studie zeigt laut Verfassern auch, wer von der Digitalisierung im Gesundheitswesen am meisten profitiert. Dazu heißt es: „70 Prpzent des erreichbaren Nutzens kommen bei den Leistungserbringern zugute, also vor allem Ärzten und Krankenhäusern. 30 Prozent landen bei den Krankenversicherungen.“

Dieses Ergebnis kommentiert Stefan Biesdorf so: „Das räumt das alte Argument vieler Leistungserbringer gegen die Digitalisierung aus, dass sie ihnen außer Arbeit nichts einbrächte“

Digitale Lösungen würden aber aber nicht nur Kosten senken, sondern auch bestehende Probleme entschärfen. Teleberatungen beispielsweise werden der Studie zufolge den Personalmangel insbesondere in ländlichen Regionen abmildern. Außerdem hätten sie ein Nutzenpotenzial von bis zu 4,4 Milliarden Euro.

Die Möglichkeit für Patienten und Ärzte, eine virtuelle Beratung durch Spezialisten in Anspruch zu nehmen, könne den Zeitaufwand für Arzt- und Facharztbesuche erheblich reduzieren und den Bedarf an niedergelassenen Spezialisten, insbesondere in ländlichen Gebieten, reduzieren. Dort könne die mobile Anbindung von Pflegepersonal die Versorgung weiter verbessern.

Mit einer digitalen Lösung hätten die Pflegekräfte ortsunabhängig vollen Zugriff auf Patienteninformationen und könnten Befunde unterwegs über Tablets dokumentieren. Somit wäre eine effiziente, kontinuierliche Versorgung und Überwachung der Patienten in der ambulanten Pflege gewährleistet.

„Im europäischen Vergleich ist Deutschland bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen abgehängt“, stellt Volker Amelung fest, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Managed Care (BMC). An finanziellen Mitteln und technologischen Voraussetzungen fehle es nicht. Es sei allein eine Frage der Haltung. „Im deutschen Gesundheitswesen gibt es viele Akteure, für die der Status quo besser ist als die Veränderung durch die Digitalisierung.“

Die kompletten Studienergebnisse finden Sie hier zum Download.

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