Pilotprojekte in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin

Gesundheitsnetzwerk der AOK startet

| Autor: Ira Zahorsky

Gesetzlich Versicherte sind der digitalen Patientenakte gegenüber aufgeschlossen
Gesetzlich Versicherte sind der digitalen Patientenakte gegenüber aufgeschlossen (Bild: AOK-Mediendienst)

Nach 16 Monaten Vorbereitung startet die AOK Pilotprojekte ihres digitalen Gesundheitsnetzwerks in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zum Datenaustausch zwischen Patienten, niedergelassenen Ärzten und Kliniken.

Im Rahmen einer digitalen Akte soll der sektorenübergreifende Austausch die optimale Behandlung der Patienten unterstützen und zu mehr Patientensicherheit führen.

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Mecklenburg-Vorpommern

Anfang November geht das Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern mit zwei Kliniken und dem Ärztenetz „HaffNet“ an den Start. Zunächst stehen den rund 8.000 AOK-Versicherten im Gesundheitsnetzwerk vier Anwendungen zur Verfügung:

  • Das Aufnahme- und Entlassmanagement in den beteiligten Kliniken,
  • der Austausch von Dokumenten zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten,
  • die Möglichkeit zum Hochladen eigener medizinischer Dokumente wie Organspendeausweis oder Mutterpass sowie
  • die Option, selbst erhobene Vitaldaten und Messwerte in die eigene Akte einfließen zu lassen.

Berlin

Im neuen Jahr beginnt dann die Pilotphase in Berlin. Hier sind neun Kliniken und 13 Medizinische Versorgungszentren des Krankenhauskonzerns Vivantes sowie das Sana-Klinikum Lichtenberg beteiligt. Zusammen versorgen sie pro Jahr etwa 114.000 AOK-Versicherte, die künftig die digitale Akte nutzen können. Zusätzlich werden den teilnehmenden Patienten in Berlin

  • ein digitaler Medikationsplan,
  • die Bereitstellung von Labordaten durch die beteiligten Ärzte sowie
  • die Möglichkeit zur Terminvereinbarung mit Kliniken und Ärzten angeboten.

Die Berliner Arztnetze sehen durch das Gesundheitsnetzwerk eine große Chance, dass sich die Schnittstelle zwischen Arztpraxis und Krankenhaus verbessert. „Das digitale Gesundheitsnetzwerk der AOK eröffnet die Möglichkeit zu einem wesentlich effizienteren Austausch von Informationen zwischen den teilnehmenden Ärzten“, so Dr. med. Jürgen Oldenburg, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Berliner Arztnetze (AGBAN). „Diagnosen, Befunde und Medikation sowie Daten zu besonderen Risiken können leicht und sicher zur Verfügung gestellt und bei der Folgebehandlung berücksichtigt werden.

Regionale Anpassung und offene Plattform

Die AOK verfolge bei der Umsetzung ihres Gesundheitsnetzwerkes „keinen zentralen Ansatz wie bei der gematik“, betont Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. „Je nach regionaler Situation werden wir unterschiedliche Anwendungen mit verschiedenen Partnern umsetzen.“ Alle diese Lösungen seien aber „anschlussfähig“, so Litsch. „Sie können unter dem Dach des Gesundheitsnetzwerkes vernetzt und auch an die Telematik-Infrastruktur angedockt werden. Wir entwickeln keine Insellösung, sondern wollen Teil der gesamten digitalen Vernetzung sein.“ Demnach sei das Projekt auch nicht als Konkurrenz zur Telematik-Infrastruktur zu sehen.

Geplant ist, das AOK-Gesundheitsnetzwerk, das als offene Plattform konzipiert ist, schrittweise allen Akteuren im Gesundheitswesen – auch anderen Krankenkassen – zur Verfügung stehen soll. „Ein besonderes Merkmal ist die dezentrale Datenhaltung, die vor Datendiebstahl schützt“, erklärt Christian Klose, Projektleiter für das Gesundheitsnetzwerk. „Die Daten bleiben beim Arzt oder bei der Klinik, wo sie erhoben wurden. Die AOK hat selbst keinen Zugriff auf die Daten.“

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Vorteile für die teilnehmenden Patienten und Ärzte

Die bessere Verfügbarkeit medizinischer Informationen wie Diagnosen, Befunde oder Medikation über Sektorengrenzen und medizinische Disziplinen hinweg soll sich in folgenden Punkten positiv auf die Versorgung der Patienten auswirken:

  • Das Aufnahme- und Entlassmanagement in den teilnehmenden Kliniken kann effizienter gestaltet werden.
  • Unnötige Doppeluntersuchungen und Schnittstellenprobleme bei der Krankenhaus-Entlassung werden vermieden.
  • Durch den digitalen Medikationsplan verbessert sich die Arzneimittel-Therapiesicherheit, weil zum Beispiel mögliche Wechselwirkungen verschiedener Arzneien besser erkannt werden können als bisher.
  • Im Notfall kann auf Basis der gespeicherten Informationen – zum Beispiel Vorerkrankungen – eine schnellere und gezieltere Behandlung der Patienten erfolgen.
  • Die Patienten können ihre medizinischen Daten rund um die Uhr und gebündelt abrufen.
  • Die Patienten können die Information durch die Bereitstellung eigener Dokumente und Messwerte ergänzen und ihrem behandelnden Arzt zugänglich machen.
  • Die Patienten können stärker als bisher an der Entscheidung über verschiedene medizinische Behandlungsoptionen mitwirken.

Akzeptanz für digitale Akte

Eine YouGov-Umfrage im September 2017 im Auftrag des AOK-Bundesverbandes unter 2.045 Personen, davon rund 1.800 gesetzlich Versicherten, ergab, dass 82 Prozent die Speicherung medizinischer Daten in einer digitalen Gesundheitsakte als sinnvoll sehen. 78 Prozent würden eine solche Akte auch selbst nutzen. Dass der Patient selbst entscheiden kann, welcher Arzt welche Informationen und Dokumente in der Gesundheitsakte einsehen darf, befürworten ebenfalls 78 Prozent.

Nach den Piloten in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sollen im Laufe des Jahres 2018 weitere Umsetzungsschritte in den anderen Bundesländern folgen. Die genauen Termine stehen noch nicht fest.

Lesen Sie auf der nächsten Seite Statements der Projektpartner.

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