Testbedingungen verschärft

Gesichtserkennung wird länger getestet

| Autor: Susanne Ehneß

Hinweis auf den videoüberwachten Bereich in Berlin Südkreuz
Hinweis auf den videoüberwachten Bereich in Berlin Südkreuz (© Henning Schacht)

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Testphase des Projekts „Sicherheitsbahnhof Berlin Südkreuz“ um weitere sechs Monate verlängert.

Seit August 2017 testet die Bundespolizei am Bahnhof Berlin Südkreuz den Einsatz automatisierter Gesichtserkennungssysteme. Der Testlauf sollte bis Ende Januar 2018 abgeschlossen sein, nun wurde das Pilotprojekt um zusätzliche sechs Monate verlängert.

Wie das Bundesministerium des Innern (BMI) bekannt gab, haben Bundespolizei und BMI „aufgrund der positiven Zwischenergebnisse“ entschieden, den Test fortzusetzen. Weitere sechs Monate lang soll nun der mögliche Einsatz der Gesichtserkennungssysteme „noch realistischer als bisher simuliert werden“.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière zeigte sich bei einem Besuch des Bahnhofs Mitte Dezember 2017 zufrieden. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundespolizeipräsidiums, Dr. Dieter Romann, informierte er sich über die ersten Zwischenergebnisse. „Diese neue Technik kann in der Zukunft von enormem polizeilichen Nutzen sein und damit einen erheblichen Sicherheitsgewinn für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes darstellen“, kommentierte de Maizière.

Die Erkennungsrate liege laut BMI nach einer ersten Auswertung bei mehr als 70 Prozent, die Fehler­rate sei gering: In durchschnittlich weniger als einem Prozent der Fälle sei eine Person irrtümlich einem Datensatz in der Datenbank zugeordnet worden.

Auch sonst hätten sich die Systeme bewährt: „Sie arbeiten gut im Hellen wie auch im Dunklen. Sie erkennen die Gesichter, egal ob eine oder mehrere Personen den Testbereich durchschreiten.“

Nun sollen die Testbedingungen verschärft werden. „Ab sofort wird die Bundespolizei die Datenbank mit Bildern schlechterer Qualität bestücken: verschwommen, niedrige Auflösung, Seiten- statt Frontal­ansicht, Vermummung“, so der Minister. Auf diese Weise sollen die Systeme stärker und realistischer gefordert werden.

Datenschützer sehen das Pilotprojekt nicht so positiv. Doch den Kritikern des Tests hielt de Maizière bereits zu Testbeginn entgegen: „Eine Videokamera zeichnet schon jetzt Menschen auf – befristet, ohne die Offenlegung der Identität. Videoüberwachung ist sehr wichtig, um Straftaten im Nachhinein aufzuklären. Durch diese neue Technik werden Unbeteiligte nicht zusätzlich gespeichert. Innerhalb von Sekunden wird nur abgeglichen, ob sie in einer Fahndungsdatei stehen. Und nur in einem Trefferfall wird die Person gespeichert und dann hoffentlich ver­haftet. Vor allem halte ich es für richtig, dass wir die Effizienz ausprobieren, um dann vernünftige Entscheidungen treffen zu können.“

Test von Gesichtserkennungstechnik beginnt

Bahnhof Berlin Südkreuz

Test von Gesichtserkennungstechnik beginnt

02.08.17 - Im Rahmen des gemeinsamen Pilotprojekts „Sicherheitsbahnhof Berlin Südkreuz“ von Bundesministerium des Innern (BMI), Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Deutscher Bahn AG testet die Bundespolizei ab heute für einen Zeitraum von sechs Monaten Systeme zur automatisierten Gesichtserkennung. lesen

Infos zum Projekt

Das Pilotprojekt zur Gesichtserkennung wurde in einer gemeinsamen Projektgruppe von Bundespolizei, Bundeskriminalamt und BMI vorbereitet. Die Deutsche Bahn AG hat für den Test die Nutzung des Bahnhofs Berlin Südkreuz gestattet, nimmt aber nicht an dem Test teil.

Für den Test wurden von der Bundespolizei drei Hersteller ausgewählt: DELL GmbH, ELBEX (Deutschland) GmbH und L-1 Identity Solutions AG. Die softwarebasierten Systeme nutzen die am Bahnhof Berlin Südkreuz bereits vorhandene Videotechnik und sollen die Gesichter von Personen, die in den entsprechend gekennzeichneten Testbereichen am Bahnhof erfasst werden, mit einer Datenbank aus Lichtbildern Freiwilliger abgleichen.

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