Positionspapier des Deutschen Landkreistages Geodaten sinnvoll nutzen

Redakteur: Gerald Viola

Geoinformationssysteme (GIS) sind aus einer modernen Verwaltung nicht mehr wegzudenken, sagt der Deutsche Landkreistag. Die Experten legten jetzt ein Positionspapier zur sinnvollen Nutzung von Geodaten vor. Ihr Fazit ist einleuchtend: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Professor Dr. Hans-Günter Henneke betont die Wichtigkeit von GIS bereits im Vorwort zu dem Positionspapier: „Bereits jetzt gibt es eine Fülle von Beispielen aus der täglichen Verwaltungspraxis, die den großen praktischen Nutzen von Geodatenmanagement verdeutlichen. Die möglichen Anwendungsfälle sind vielfältig: Zum Beispiel, wenn sich Eltern über eine Karte den nächsten Kindergarten oder Angehörige die nächste Pflegeeinrichtung ansehen, einen virtuellen Rundgang unternehmen, bequem per Mausklick die Verfügbarkeit freier Plätze prüfen und vielleicht sogar auf diesem Wege eine Anmeldung oder Reservierung in der Einrichtung auslösen. Dies ist ein weiterer, großer Schritt in Richtung bürgerfreundliche Verwaltung.“

Aber nicht nur die Bürgerfreundlichkeit spreche für den Aufbau kommunaler Geodateninfrastrukturen. Auch die damit zu erreichende größere Wirtschaftsorientierung der Verwaltung durch zeitnahe Auskunft bei Anfragen von Unternehmen sei ein Argument für derartige Systeme.

Das geschäftsführende Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistages: „Sie befördern eine höhere Transparenz und eine kundenorientierte Darstellung in vielen kreisrelevanten Handlungsfeldern wie Wirtschaftsförderung, Verkehr und Raumplanung. Hinzu kommt eine hohe Steuerungsrelevanz für die Entscheidungsträger durch die Verfügbarkeit aktueller Planungsgrundlagen und die Erstellung (sozial-)räumlicher Analysen. Maßgeblich ist zudem die Erhöhung der Verwaltungseffizienz durch die Entlastung von Routineaufgaben, die Vermeidung redundanter Datenhaltungen sowie die arbeitsplatz- und fachbereichsübergreifende Nutzung von Daten. Schließlich fördert der Aufbau einer Geodateninfrastruktur die interkommunale Zusammenarbeit mit den Gemeinden und trägt in diesem Zusammenhang zur gemeinsamen Optimierung von Geschäftsprozessen und zur Realisierung von Synergieeffekten aufgrund von kreisweit einheitlichen Strukturen bei.“

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Handlungsempfehlungen für die Verwaltungen

„Der Zeitpunkt für den Einstieg in den Aufbau kommunaler GDI ist günstig“, sagen die Experten und begründen dies wie folgt:

  • Verschiedene Kreise haben Geoinformationssysteme zum Einsatz gebracht. Zahlreiche positive Beispiele dokumentieren damit bereits in der praktischen Anwendung den Nutzen und zeigen, dass eine kommunale Umsetzung zielführend erfolgen kann.
  • Die Landkreise sollten handeln, bevor die kreisangehörigen Gemeinden eigene Lösungen aufbauen und damit die Möglichkeit einer gemeinsamen Landkreis-Lösung faktisch schwindet. Wenn eine Gemeinde ein eigenes GIS beschafft hat, wird ein Umstieg oder eine Integration in eine Landkreis-Lösung oft schon aus Gründen des Investitionsschutzes unterbleiben. Über ein GIS hinaus bietet sich aber in diesen Fällen eine beschriebene ganzheitliche Geodateninfrastruktur zwischen Kreis und Gemeinde an.
  • Zudem stehen hinsichtlich der konkret zur Anwendung zu bringenden Geodienste bereits weitgehend standardisierte Verfahren, beispielsweise durch das Open-GeoSpatial-Konsortium zur Verfügung. Sie stellen de-facto-Standards dar, die überwiegend auch in übergeordnete internationale und nationale Normen- und Standardvorgaben integriert sind.
  • Angesichts dessen bietet der Markt zahlreiche auf die Anforderungen auch kommunaler Geodienste ausgerichtete Software-Lösungen.
  • Nationale wie internationale rechtliche Anforderungen wie beispielsweise die INSPIRE-Richtlinie begründen für Anbieter von Geodaten die Verpflichtung, diese über das Internet bereitzustellen. Dies betrifft nach der erforderlichen Umsetzung durch ausgestaltende Bundes- und Landesgesetze mit den darin zu regelnden Finanzierungsfragen auch die Landkreise.

Für die konkrete Vorgehensweise bei der Einführung entweder von Geodateninformationssystemen oder darüber hinausgehend im Aufbau einer vollständigen Geodateninfrastruktur seien die Ausgangsvoraussetzungen und die Anforderungen von Fall zu Fall zu unterscheiden.

Voraussetzung bei der Einführung eines webbasierenden Geodienstes oder weitergehend im Aufbau einer Geodateninfrastruktur sei eine systematische Vorgehensweise im Rahmen eines Projekts. Damit seien zunächst die klassischen Aufgaben eines Projektmanagements zu klären. Dies betreffe insbesondere die Planungsphase, wobei eine Festlegung der inhaltlichen, zeitlichen und der benötigten finanziellen und personellen Rahmenbedingungen erfolgen müsse.

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Wichtige Voraussetzungen

Wie bei sämtlichen IT-Projekten sei ferner Wert zu legen auf

  • das benötigte Know-how,
  • die Schulungsnotwendigkeiten,
  • die Software- und Systemauswahl,
  • Testszenarien und Abnahmemodalitäten sowie
  • den Betrieb und die Wartung des Systems.

Die Experten des Landkreistages weiter: Bei der erfolgreichen Implementierung von Geoinformationssystemen bei den Kreisverwaltungen in Rheinland-Pfalz ist ein entsprechendes Projekt in drei Phasen unterteilt worden. Dies betrifft zum einen die Systemanalyse, zum zweiten die Systemauswahl sowie schließlich die Systemeinführung. Im Rahmen der Systemanalyse ist eine „Ist-Erhebung“ durchgeführt worden, die Priorisierung der Einführung nach dem jeweiligen Nutzen hat stattgefunden, und über das Modellieren von Anwendungsfällen ist ein IT-Konzept für das Geoinformationssystem erarbeitet worden. In der Projektphase der Systemauswahl hat eine Systemausschreibung unter Berücksichtigung der erforderlichen Rechtsgrundlagen, Vergabearten, Verdingungsunterlagen stattgefunden.

Eine Angebotsbewertung ist nach Auswertung der Kriterienkataloge erfolgt. Ein erster Funktionstest ist durchgeführt worden. In der Projektphase der Systemeinführung haben eine erste Installation sowie ein Probebetrieb mit Abnahme sowie die Datenerfassung und -übernahme stattgefunden.

Der Leitfaden für kommunale GIS-Einsteiger des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, der zusammen mit den bayerischen kommunalen Spitzenverbänden erarbeitet wurde, sieht fünf Phasen zum kommunalen GIS als erforderlich an. Dies betrifft in einer ersten Phase die Projektorganisation, anschließend eine Grob- sowie eine Feinplanung. In einer vierten Phase wird die Systemauswahl getroffen sowie die Datenbeschaffung durchgeführt, um über die Verfahrensumstellung schließlich zu einem effektiven Betrieb zu kommen.

Bevor die Experten des Landkreistages zu diesen Handlungsempfehlungen kommen, haben sie im Positionspapier verständlich und übersichtlich eine Definition der Geodateninfrastruktur gegeben. Einen wichtigen Beitrag dazu liefern sie im „Exkurs Umsetzung der INSPIRE-Richtlinie und weitere geodatenbasierende Rechtspflichten“, schildern die mannigfaltigen Einsatzfelder von GIS und zeigen die Nutzen kommunaler Geodateninfrastrukturen auf:

  • GIS zur Erhöhung der Verwaltungseffizienz,
  • Steuerungsrelevanz für Entscheidungsträger,
  • Nutzen für Bürger und Wirtschaft,
  • Förderung interkommunaler Zusammenarbeit.

Natürlich haben die Autoren auch die Kosten derartiger Projekte betrachtet: „Größter Kostenfaktor ist die Bereitstellung und Aktualisierung von Daten. Allerdings darf auch nicht vergessen werden, dass bei der Schaffung von Stellen für den Aufbau und die Betreuung eines GIS auf das spezifische Profil und die erwarteten Fachkenntnisse durch eine entsprechende Dotierung Rücksicht genommen werden muss.

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