Wie Verwaltung und Wirtschaft das Internet nutzen

Gemeinsamer Nutzen ebnet den Weg für eGovernment

| Redakteur: Manfred Klein

Entbürokratisierung für die Berichtspflichten der Wirtschaft
Entbürokratisierung für die Berichtspflichten der Wirtschaft (Foto: © gena96 - Fotolia)

In einer Studie hatte die Unternehmensberatung Bearingpoint kürzlich postuliert, eGovernment nutze vor allem der Verwaltung – weniger den Unternehmen. Doch was erwarten sich die Unternehmen von eGovernment? Experten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages versuchen eine Antwort.

eGovernment Computing sprach dazu mit Dr. Katrin Sobania, mit Dr. August Ortmeyer, beide vom DIHK, und mit Alexander Schmid von Bearingpoint. Dabei kristallisierte sich schnell ein besonders wichtiges Moment heraus.

Herr Schmid, offenbar sind die eGovernment-Angebote der Verwaltung nicht auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zugeschnitten. Woran fehlt es?

Schmid: Es fehlt – und das zeigt auch unsere Umfrage – an einer durchgängigen Bedarfsorientierung. Um dafür zu sorgen, braucht es einen Kulturwandel. Die Entwicklung muss von einer „Ich-ordne-an-Verwaltung“ zu einer Verwaltung kommen, die bewusst für den Standort Deutschland arbeitet. Allerdings gibt es dazu schon eine Reihe guter Ansätze. So wurde der Anwendungstest zum neuen Personalausweis gemeinsam mit der Wirtschaft durchgeführt. Die Postleitzahl, die wir heute auf dem Ausweis haben, ist ein Ergebnis dieses Anwendungstests. Da hat die Verwaltung zugehört.

Herr Dr. Ortmeyer, auch die Wirtschaft gibt sich bei eGovernment zögerlich und äußert nur selten Wünsche. Worauf ist diese Zurückhaltung zurückzuführen?

Dr. Ortmeyer: Man muss dazu die unterschiedlichen Interessenslagen im Auge behalten. Einem Unternehmen werden unterschiedlichste Berichtspflichten abverlangt. Um dieser Berichtspflicht nachzukommen, haben die meisten Unternehmen funktionierende Prozesse aufgesetzt. Wenn die Daten elektronisch übermittelt werden sollen, dann muss das für das Unternehmen Vorteile haben. Der Aufwand muss deutlich geringer sein. Die Unternehmen werden sicher bereit sein, neue Prozesse einzuführen, wenn sich das für sie rechnet. Daraus folgt, die Schnittstellen müssen stimmen, die Übermittlung der Daten darf keine Probleme verursachen und es muss am Ende auch beim Aufwand eine deutliche Reduktion erkennbar sein. Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, muss ein Unternehmen nicht in eGovernment-Begeisterungstürme ausbrechen.

Was erwartet die Industrie von eGovernment darüber hinaus?

Dr. Ortmeyer: Es bewegt sich immer dann etwas, wenn es für alle Beteiligten einen Vorteil gibt. Hier muss man zwei Dinge unterscheiden: die Norm und den Vollzug der Norm. Wenn Unternehmen über Bürokratielasten klagen, dann beklagen sie sich meist über den Vollzug einer Norm, aber nicht über die Norm an sich. Worüber es sich beklagt, ist, dass die Genehmigungsprozesse zulange dauern, oder dass zu viele Informationen angefordert werden. Ich glaube, der Schlüssel ist, durchgängige Prozesse aufzusetzen, sodass in der Summe der Gesamtaufwand für alle reduziert wird. Die Unternehmen werden gerne mitmachen, wenn auch die Verwaltung sagen kann, wenn du die Berichtspflicht in elektronisch abwickelst, dann dauert das Genehmigungsverfahren nur noch eine Woche.

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