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eHealth-Studie: Elektronische Abstinenz verursacht enorme Kosten Gematik muss alle Beteiligten endlich an einen Tisch bringen

| Redakteur: Manfred Klein

Bei eHealth hat Deutschland Fortschritte gemacht. Doch die mangelnde IT-Vernetzung im Gesundheitswesen hindert Ärzte daran, Gesundheitsinformationen auszutauschen und von den Vorteilen zu profitieren, so das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Accenture. Gefragt sei eine bessere Koordination.

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Medizinische Daten werden wegen Datenschutzbedenken häufig doppelt erhoben
Medizinische Daten werden wegen Datenschutzbedenken häufig doppelt erhoben

Dabei seien die Grundlagen für die Vernetzung des Gesundheitswesens vorhanden: In Deutschland erfassten bereits rund drei Viertel (76 Prozent) aller befragten niedergelassenen und Krankenhausärzte gleichermaßen Daten über die Behandlung ihrer Patienten.

Doch nur rund einer von vier befragten Krankenhausärzten gebe seine Behandlungsdaten an andere Gesundheitseinrichtungen weiter, unter den niedergelassenen deutschen Ärzten seien es sogar lediglich 12 Prozent.

„Durch die Nicht-Kommunikation im Gesundheitswesen gehen enorme Potenziale verloren“, sagt Dr. med. Sebastian Krolop, Leiter Management Consulting im Geschäftsbereich Health bei Accenture Deutschland. „In der intelligenten Vernetzung des Gesundheitswesens mithilfe von moderner IT liegt eine große Chance, das deutsche Gesundheitssystem leistungsfähiger zu gestalten und gleichzeitig Kosten zu sparen.“

Noch sind in Deutschland prozessuale und technische Standards für ein vernetztes Gesundheitswesen bloße Zukunftsmusik. Die Hürden auf dem Weg zur Umsetzung, so die Autoren der Studie, müssten erst noch überwunden werden.

Die wichtigsten seien die mit rund 80 Millionen Bürgern enorme Größe des Landes, die Datenschutzbedenken der Ärzte und die vielen Beteiligten im Gesundheitsmarkt.

In der Studie hat Accenture sechs Faktoren identifiziert, die für die erfolgreiche Umsetzung eines vernetzten Gesundheitswesens entscheidend sind: Eine klare Zielsetzung, die Strategie, die technische Infrastruktur, Kooperation der Beteiligten, gutes Veränderungsmanagement und eine fortlaufende Integration.

Das Ergebnis der Länderanalyse: Spanien ist bei der technischen Infrastruktur und bei Kooperationen führend, Singapur hat die überzeugendste Zielsetzung, England und Australien zeigen sich beim Veränderungsmanagement vorbildlich. Deutschland und die USA bieten die beste Integration der Interessentengruppen und treiben dadurch die weitere Integration an.

Was allerdings die Umsetzung dieser Treiber angeht, liegt Deutschland gemeinsam mit Frankreich auf dem letzten Platz. „Die Gematik – die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte – hat nun die Aufgabe, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und die Hürden aus dem Weg zu räumen", sagt Dr. Sebastian Krolop.

Denn bei vier der sechs Erfolgsfaktoren steht Deutschland noch in den Startlöchern. Das Fazit der Studie: Hierzulande fehlt es an einer klaren Zielsetzung, einer überzeugenden Strategie, der technischen Infrastruktur und am Veränderungsmanagement.

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